The Real McKenzies Interview, Hamburg, Juli 15 2008

Veröffentlicht von Marcel am 16. August 2008

The Real McKenzies 2008 in HHUnser Mann im Norden Marcel sprach vor der Show im Hamburger Molotow mit Sänger Paul McKenzie.

Hi Paul, schön, dass wir das Interview machen können. Schotten gelten als geizig. Trifft das auch auf euch zu?

Wohl eher sparsam, nicht geizig. Nein, ich meine ich mag es nicht, wenn mit etwas verschwenderisch umgegangen wird. Aber wenn ich in der Lage bin, dann spare ich auch Geld und spende es anschließend meinen Freunden in Form von einer Runde Whisky oder so. Grundsätzlich ist das ein Mythos, von dem vielleicht einige profitieren aber es passt natürlich nicht zu allen Schotten. Wie gesagt, ich bin eher großzügig und nicht geizig.

Gibt jemanden in eurer Band, der keine schottischen Wurzeln hat?

Nur einen, Little Joe, der hat portugiesische Vorfahren, was völlig ok ist, da Sean Connery im Film „Highlander” in einer Szene über Portugiesen redet. Tja, deswegen darf er bei uns mitspielen.

Paul McKenzie und MarcelIch gratuliere zum aktuellem Album „Off the leash”, eine tolle und druckvolle Platte, wie ich finde.

Ja, vielen Dank. Ich selbst bin der Songs noch nicht überdrüssig, was sonst eigentlich immer zu dieser Zeit der Fall ist. Aber ich mag es wirklich!

Ich finde, dass Album erinnert mich ein wenig an Bad Religion allerdings mit Bagpipes.

Wow, ich mag die Band sehr und kenne den Bassist sehr gut. Ihre Musik hat Tiefe und es ist wohl eher ein angenehmer Zufall, dass wir ähnlich klingen.

Wie verlief diesmal der Gesamtaufnahmeprozess des Albums?

Es hat diesmal etwas länger gedauert, als geplant, um die fünf Wochen statt drei Wochen. Nach der Vorproduktion gingen wir ins Studio und wussten nicht genau, was auf uns zu kam. Es gab Probleme mit einer Klimaanlage, die dafür sorgte, dass sich die Gitarren ständig verstimmten. Aber wir haben es hinbekommen.

Wo wurde aufgenommen und wie lange?

Wir haben im Studio der Plattenfirma in San Francisco aufgenommen, im Mission District oben auf dem Hügel. Sehr nett dort und es gibt viel frisches gutes Essen dort auf den Märkten, was für uns als Band sehr wichtig ist.

Wie entstanden die Songs zum neuen Album? Was inspirierte dich zu deinen Texten?

Mich inspirieren die neuen Songideen der Band. Der Song entsteht meistens zu erst. Den lasse ich auf mich einwirken und so komme ich dann auf eine passende Story und zur Gesangsmelodie. Wenn das so nicht klappt, unterstützen wir uns und versuchen es anders zu machen. So arbeiten wir gemeinsam zusammen. Ich bin Sozialist aber ich kämpfe auch um meine Ideen. Aber letztendlich sind alle gleichberechtigt und tragen ihren Teil zum Song bei.

Wenn ich andererseits Leute mit meinen Texten inspiriere, dann habe ich einen guten Job gemacht.

Was ist für dich das Beste auf Tour?

Das Beste ist, das die Tour überhaupt stattfindet. Aufzutreten, um die Welt zu reisen ist das Größte überhaupt. Das Adrenalin, ein paar Bier, die Show, alles zusammen eben. Wir haben hart darauf hingearbeitet, dass alle eine gute Zeit haben, die Band und das Publikum. Speziell Hamburg mag ich sehr, da drüben die See (wohl eher der Fluß Elbe, Anm. der Red.), das Wetter ist hier wie zu Hause und ich mag es sowieso nicht so heiss. Mit der Band auf Tour zu sein ist großartig. Wir verstehen uns blendend. Wenn das nicht der Fall wäre, sehe ich keinen Sinn auf Tour zu gehen. Insofern ist das eine Art Basis. Es ist die Chemie, die stimmen muss. Das erlebt man auch auf der Bühne.

Was war bisher die schlechteste Erfahrung dieser Tour?

Wir nehmen schlechte Erfahrungen und machen gute Erfahrungen aus ihnen. Ich wurde in Kroatien in Zagreb bei einem Konzert von einem Zuschauer mit einer Flasche beworfen und diese traf mich mitten ins Gesicht. Ich musste später genäht werden und die Flasche hat mir den Kiefer gebrochen. Aber ich habe ihn erwischt und alle seine Finger gebrochen. Das wird er nie wieder tun. Ich habe hart daran gearbeitet ohne Gewalt klar zu kommen, denn Gewalt ist die unterste Stufe von Kommunikation, doch er hat 15 Jahre zerstört. Aber ich vergebe ihm und hoffentlich wird er mir auch vergeben. Dennoch konnte die Show vor Ort fortgesetzt werden. Das ist exakt was ich unter Rock’n'roll verstehe. Dennoch hätte ich lieber bei einem Bier über sein Problem gesprochen, aber ich hatte keine Chance.

Bist du zu 100% Musiker oder gehst du in Kanada einem anderen Beruf nach?

Also wir alle müssen zwischen den Tourneen arbeiten. Alle haben unterschiedliche Jobs aber genau das lässt dich auf dem Boden und sorgt dafür, dass dein Gehirn weiterhin funktioniert.

Heißt das, dass die Tour eine große Urlaubsreise für euch ist?

Nein, es ist auch Arbeit, genau wie der andere Job. Wenn ich die Möglichkeit hätte, 8-12 Monate im Jahr zu touren, würde ich das tun aber leider das funktioniert so nicht und deswegen müssen wir weitere Wege finden, unsere Rechnungen zu bezahlen.

Ich las in einem älteren Interview, dass Du Fan bist vom FC St. Pauli bist? Wie kam es dazu?

Yeah, ich bin St. Pauli Fan. Obwohl ich schon seit meiner Jugend Fussball spiele, hatte ich damals nie die Zeit, mich um Vereine zu kümmern. Aber dann, als ich das erste Mal nach Hamburg kam, war es um mich geschehen. Ich bin sofort St. Pauli Fan geworden. Diese „Underdog-Punkrock-Rebel-Attitüde” passt einfach – The Rebel’s Choice eben. Wir haben sogar einen Song über das Team auf dem vorletzten Album aufgenommen. Leider spielen wir es gar nicht heute. Wir sollten eigentlich, aber wir haben es für diese Tour nicht geprobt. Vielleicht kann es die Band ja aus dem Stehgreif.

Und Celtic, das Team mag ich auch, aber auf keinen Fall die Rangers. Ich bin kein Hooligan oder so, ich will lediglich gegen den Ball treten, ob es an einer Tankstelle ist oder auf einem Feld.

Spike Gray, Sänger der englischen Band „The Quireboys” hat einst behauptet, dass Vancouver voll von klasse Stripbars ist, also vielleicht vergleichbar mit der Reeperbahn hier. Stimmt das?

Ja, das stimmt. Die Stadt ist sehr liberal, es gibt kaum Regeln und Vorschriften und ich habe viel Erotisches gesehen… Außerdem gibt es so viele Nationalitäten in Vancouver. Das ist gut, insbesondere die kulinarische Vielfalt -Japanisch, Indisch, Chinesisch.

Liegt das vielleicht daran, dass auch Vancouver eine Hafenstadt ist und liegt es nicht in der Natur dieser Städte, dass viele verschiedene Kulturen und Nationalitäten dort zusammen kommen?

Genau, das ist es wahrscheinlich.

Was kann das Publikum heute in Hamburg erwarten?

Das Publikum kann eine gute, harte Rockband erwarten, mit Dudelsack, zwei Gitarren und eine lange Setlist mit einem guten Mix aus allen Alben. Aber zum Abschluss noch ein paar Worte an die Leser, Hörer und Konzertgänger: The Real McKenzies sind sehr glücklich darüber, was sie machen. Wir möchten in eure Stadt kommen und dort spielen. Dazu möchten wir mit euch ein paar Bier trinken und gemeinsam Spaß haben. Vielen Dank!

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Autor/in: Marcel

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2 Reaktionen auf “The Real McKenzies Interview, Hamburg, Juli 15 2008”

  1. daniels -

    Hi Marcel, Paul scheint ja ein netter Mensch zu sein, war er das auch?`Und wie war das Konzert denn nun?

  2. Marcel -

    Das Konzert war klasse! Perfekte Stimmung im Rocknroll-Keller am Spielbudenplatz. Es gibt hier einen kleinen Film von mir zu sehen, um einen Eindruck zu bekommen: http://www.youtube.com/watch?v=x-z9MnCzezI .
    Ich würde sagen, alle, die diese Band noch nicht gesehen haben, sollten sich die Chance im Herbst, wenn sie wieder in Deutschland, spielen, nicht entgehen lassen. cheers, Marcel

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