Acoustic Revolution
Shamrock Castle 2012

Wie man ein Interview verpatzt oder ein wunderbarer Nachmittag mit Brett Hunt

von

Nachdem ich schon Brett Hunts Album „corrugated road“ hier bei Celtic Rock besprechen durfte hatte  ich mich sehr darauf gefreut mich bei seinem Konzert in Grosskarlbach davon  überzeugen zu können, dass er live genauso gut ist wie auf CD. Zu meiner Enttäuschung konnte ich an diesem Abend letztendlich doch nicht dabei sein. Um wenigstens das geplante Interview nicht platzen zu lassen haben wir uns am nächsten Tag zum Mittagessen verabredet.

So kam es, dass Brett Hunt letzten Sonntag um 15 Uhr bei mir vor der Tür stand. Mein Gerüst von Fragen  lag bereits sorgfältig aufgeschrieben auf dem Tisch, der Kuli, den ich extra nochmal auf Funktionsfähigkeit getestet hatte, schreibbereit daneben. Als gute Gastgeberin war es jedoch meine erste Pflicht Getränke anzubieten –  und schon waren wir in ein Gespräch über Bier verwickelt. Brett entpuppte sich als echter Bierkenner. Er schätzt deutsches Bier sehr weil es nach dem Reinheitsgebot gebraut ist. In Australien ist das nicht immer der Fall. Manche Biere kommen dort nach nur 6 Tagen Herstellungsprozess auf den Markt und sind mit allerlei Zusätzen versehen. Brett ist ein Fan von Mikro-Brauereien und wir haben sogar gemeinsame Lieblingsbiere wie Little Creatures und Mountain Goat.

Aber nicht nur in Sachen Bier ist Brett ein Verfechter der natürlichen Herstellung und regionalen Märkte. So schwärmte er sehr vom guten Wein und Käse den er in Grosskarlbach bekommen hat. Brett versucht, egal ob zuhause oder unterwegs, lokale Produkte zu kaufen um die kleinen Hersteller von hochwertigen Waren zu unterstützen. Während unser Mittagessen auf dem Herd brutzelte hatten wir uns schon richtig festgequatscht. Es ging um Orte in Australien die ich schon besucht hatte, witzige Erlebnisse und natürlich um die exzellente Melbourner Musik Szene.

Beim Essen sind wir dann über Umwege auf die Australische Geschichte gekommen. Einer, oder vielleicht sogar der australische Volksheld ist Ned Kelly. Er gilt als Robin Hood Australiens und musste vor knapp 150 Jahren sein Leben am Strang lassen. Ich kannte die Geschichte im Groben, es war jedoch sehr interessant zu erfahren, dass Ned Kelly nicht nur ein Wilderer und Räuber mit guten Absichten war, sondern auch ein sehr politischer Mensch, irischer Abstammung, der Missstände, vor allem die schlechte Behandlung katholischer Iren durch die britischen Kolonialbehörden offen anprangerte. Über Ned Kelly sind wir beim Australischen Arbeitsmarkt gelandet und, wie viele andere australische Musiker, fürchtet auch Brett, dass die in der Vergangenheit von den Gewerkschaften hart erkämpften Errungenschaften gerade wieder den Bach runter gehen. Im weiteren Verlauf des Gesprächs hat sich dann mal wieder meine These bewahrheitet, dass es keinen Australischen Musiker gibt, der nicht die Kult-Band „Weddings Partys Anything“ auf die eine oder andere Art zu seinen Favoriten zählt. Mick Thomas, der Kopf der Band, ist ein brillanter Songwriter und schafft es immer wieder die Zuhörer in seinem Bann zu ziehen.

Es war so ein geselliger Nachmittag, dass wir nach dem Essen spontan beschlossen noch auf ein Abschlussbier in meine Stammkneipe zu gehen bevor Brett sich wieder auf den Weg machen musste. Das war ja auch ein viel besserer Ort für so eine ernsthafte Sache wie ein Interview  als zuhause auf dem Sofa…  Die sorgfältig zurechtgelegten Fragen blieben natürlich auch genau dort wo ich sie hingelegt hatte, nämlich auf dem Wohnzimmer Tisch. Nun gut, Gesprächsstoff gab es genug; Also legten wir bei einem Bier unserer örtlichen Brauerei los. Doch leider war da noch ein anderes Problem. Brett hatte noch gut 300 km Strecke vor sich und, ich weiß wirklich nicht, wie das geschehen konnte, hatten wir die Zeit ein kleines bisschen aus den Augen verloren und wir mussten nach kurzer Zeit, fast ein bisschen hektisch, wieder aufbrechen. Ich habe es trotzdem gerade noch geschafft ein paar Fragen zu stellen und so ist an diesem Sonntagnachmittag zwar nur ein halbes Interview aber dafür eine ganze Freundschaft entstanden.

 U: Dein Album „Corrugated Road“ ist in Australien bereits 2006 erschienen. Jetzt hat es über das Label Tonetoaster auch den Weg nach Europa geschafft.  Wie kommt es zur Zusammenarbeit eines australischen Künstlers mit einem kleinen deutschen Plattenlabel?

B:Ich habe regelmäßig in einem Club namens BBs in Bondi gespielt. Dort habe ich einen Deutschen getroffen, der von meiner Musik begeistert war und mir sage, ich müsse unbedingt nach Deutschland kommen.  Dieser Deutsche war Frank Scheller von Tonetoaster und er war so hartnäckig,  dass er es nach einigen Jahren, in denen er mich immer wieder gefragt hat, geschafft hat mich zu überreden. So bin ich 2009 zum ersten Mal auf Europa Tournee gegangen. Damals habe ich auch Konzerte in Irland gespielt. Das war sehr witzig. Vor dem offiziellen Release meines Albums habe ich selbst CDs meiner Musik, quasi als Bootleg, verkauft .  Als ich dann nach Irland kam waren im Publikum jede Menge Iren, die für ein Jahr in Australien gelebt hatten, meine Lieder kannten und mitsingen konnte.

U: Du bist in Bega aufgewachsen, lebst jetzt aber mit Deiner Familie in Bondi. Dann bist Du doch bestimmt auch Surfer?

B: Nein, ich Laufe und Schwimme gerne. Surfen ist nichts für mich.  Außerdem ist der Bondi-Beach oft wahnsinnig voll.  Ich habe Strände an die es mich mehr zieht.

U: Wie gefällt Dir Deutschland?

B: Die Deutschen sind ein ganz besonders Publikum, sie zeigen einen einzigartigen Respekt und haben eine hohe Anerkennung dafür, dass jemand eine lange Reise auf sich nimmt um ihnen seine Musik nahe zu bringen.

U: ist das australische Publikum anders?

B: ja, es ist viel schwieriger das australische Publikum für sich einzunehmen.   

U: Du bist ja auch in  Australien ziemlich viel unterwegs, lebst Du von Deiner Musik?

B: Ich mache Theater. Das ist so eine Art Ausbildungs-Unternehmen. Mit Hilfe von Theaterstücken  soll bei Kindern das Interesse an Bildung geweckt  und Kreativität gefördert werden. Das sind 300 Shows im Jahr und dann spiele ich noch so um die 80 Gigs. Ich muss also hart arbeiten um das Geld für mich und meine Familie zu verdienen.

U: Ich kenne Australien und seine Musik Szene ein bisschen. Australische Musik hat etwas ganz eigenes…

B: Australien ist wegen seiner Geschichte wie ein Schmelztiegel der keltischen Musik. Nimm mich als Beispiel: Mein Großvater war Waliser, meine Großmutter Engländerin und der gesamte Rest der Familie ist Irisch stämmig.  Diese Mischung ergibt eine Art Australische Note.

U: Deine aktuelle Tour hat gerade erste begonnen, aber nachdem Du so vom Deutschen Publikum geschwärmt hast interessiert mich natürlich trotzdem ob es jetzt schon weitere Pläne gibt.

B: Ja, die gibt es tatsächlich schon. Ich möchte künftig möglichst zwei Mal im Jahr nach Europa kommen. 2012 werde ich die ersten 3 Wochen im Juli hier sein und auf verschiedenen Festivals spielen. Wir sind gerade dabei die Gigs zu buchen.

U: Das klingt jetzt gerade wahnsinnig einfach von Australien nach Europa zu kommen. Es gibt so viele australische Bands auf die wir hier sehnsüchtig warten, die aber nie den Absprung schaffen.  Wie kommt das.

B: Es ist ein Unterschied ob Du als Solo-Künstler oder als Band unterwegs bist. Ich habe nur die Flugkosten für eine Person, die ich sogar noch relativ gering halten konnte indem ich auf den Komfort einer renommierten Airline verzichtet habe. Außerdem muss man nicht so viele Tickets verkaufen bis sich der Aufwand rechnet. Wenn zu einer Band 150 Leute kommen bleibt kein Gewinn übrig, ich als Solo-Künstler würde bei der gleichen Anzahl von Leuten ganz gut verdienen.

Ich finde es übrigens ganz erstaunlich wie viele Australier in Deutschland sind. Besonders in Berlin; viele von denen versuchen im Westen Fuß zu fassen, aber das scheint sehr schwer.

Ich kann jedenfalls von mir sagen, ohne Tonetoaster wäre ich nie nach Deutschland gekommen. 

Die kümmern sich wirklich gut um mich und sorgen dafür, dass alles reibungslos klappt. Ohne solche Unterstützung ist es für einen Musiker sehr schwer. Ich bin Tonetoaster echt dankbar; die tun das alle für mich weil sie sich in meine Musik verliebt haben und nicht wegen Geld. Mit neuen Künstlern kann man kein Geld verdienen. Deshalb sind Beziehungen ungeheuer wichtig.  Ich finde die neuen Möglichkeiten, die das Internet diesbezüglich bringt sehr interessant. Facebook zum Beispiel ermöglicht es Dir Beziehungen zu knüpfen und zu Pflegen bei denen es nur um die Musik geht und nicht um finanzielle Aspekte. Ich möchte meine Musik den Menschen näher bringen und das funktioniert auf diesem Weg richtig gut. Mir geht es nur um meine Musik und überhaupt nicht um Ruhm.

U: Vielen Dank für das Interview, wir müssen los…  ;-)

 

Brett Hunt Tour 2011

03.11. – Marburg (GER), Molly Malones

04.11. – Losheim am See (GER), Dreschkeller

05.11. – Großkarlbach (GER), Franks Bodega

07.11. – Bamberg (GER), Live Club

09.11. – Greiz (GER), Eigenart e.V.

10.11. – Frankenberg (GER), Klimperkasten

12.11. – Lippstadt (GER), Pub Festival

16.11. – Castrop-Rauxel (GER), Bahia de Cochinos

18.11. – Crailsheim (GER), 7180

19.11. – Zella-Mehlis (GER), Da Capo e.V.

23.11. – Soest (GER), Alter Schlachthof

24.11. – Sarstedt (GER), Rainers Rockhaus

25.11. – Bielefeld (GER), Verve

26.11. – Hamburg (GER), Sichtbar

30.11. – Liege (BEL), Le Tipi

01.12. – Calais (FRA), Le Mauvaise Herbe

02.12. – Lille (FRA), Lucky Ducky

03.12. – Brussels (BEL), tba.

04.12. – Arras (FRA), Le Couleur Café

05.12. – Wesel (GER), JZ Karo (Songwriter Evening)

 

facebook  |  myspace

 

Autor/in: 43 Beiträge | » Website» facebook» myspace

Hinterlasse einen Kommentar

Deine Email-Adresse wird niemals veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.

 

Zum Anfang springen 

Copyright © 2007 - 2012 celtic rock music | Kontakt / Impressum