Acoustic Revolution
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The Tosspints – Neuigkeiten von der Familien-Band(e)

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Ute :Hallo Don, es ist eine ganze Weile vergangen seitdem wir uns das letzte Mal unterhalten haben. Um  genau zu sein war es im Mai 2010 und euer erstes Album 11 Empty Bottles war von celtic-rock.de zum Album des Monats gekürt worden. Inzwischen haben die Tosspints ein zweites Album namens Cenosillcaphobia veröffentlicht und ich bin mir sicher, es gibt noch viele weitere Neuigkeiten.

Don : Uns ist es in der Zwischenzeit sehr gut gegangen. Wir haben uns hauptsächlich aufs Liederschreiben fokussiert … wir spielen trotzdem so viel wir können und geben unser Bestes um raus zu kommen. Mein Hauptschwerpunkt war es Werbung für unsere Musik zu machen, wir haben jede Menge tolle Sendezeit im Radio bekommen und in diesem Bereich sind auch einige großartige Möglichkeiten entstanden. Das wiederum hat uns auf größere Bühnen und zu mehr Angeboten als Vorgruppe aufzutreten gebracht. Wir werden in letzter Zeit mehr und mehr bei den großen Punk Auftritten mit einbezogen und hatten grandiose Auftritte als Vorband für Bands wie Lionize, Murder By Death The Meatmen, und The Tossers. Es hat uns auch sehr geholfen, dass wir Finalisten im John Lennon Songwriting Wettbewerb wurden. Ich hatte aus seiner Laune heraus den Titeltrack von 11 Empty Bottles eingereicht, nicht unser bekanntestes Lied aber mein Lieblingslied vom Album. Das hat unserer Karriere einen Schub gegeben. Wir waren früher immer schon mal auf großen Bühnen vertreten nachdem wir soviell Aufmerksamkeit bekommen hatten war alles viel einfacher.

Ute: Ich freue mich, dass es bei euch so gut läuft. Glaubst Du es gibt eine Chance, dass ihr als Vorgruppe einer Band nach Europa kommen könnt? Ich kann Dir gar nicht sagen wie gerne ich euch einmal live erleben würde…

Don: Das wäre ein Traum. Ich versuche einen Ausflug nach Europa zu organisieren und war schon in Kontakt mit Promotorn aus England, Irland, Frankreich, Deutschland und Russland und wir hoffen das 2012 für uns das Jahr ist in dem wir zu euch rüber kommen. Aber ich bin nicht sicher, wieviel Interesse unsere Shows erzeugen würden und außerdem ist das ein teures Unterfangen. Ich denke die einzige gute Möglichkeit um nach Europa zu kommen wäre von einer Band als Vorgruppe mitgenommen zu werden oder von einem größerem Festival gebucht zu werden; aber es ist auf jeden Fall ein Traum von uns es nach Europa zu schaffen. Das Interesse an Kultur scheint in Europa viel größer zu sein und es scheint viel einfacher Interesse an Musik, Kunst und Film zu wecken, das ist jedenfalls mein Eindruck. Ich will wirklich unbedingt rüber kommen, unsere Live Show ist noch viel stärker als unsere Alben und ich will das bei so vielen Leuten wie möglich rüberbringen.

Ute: Das neue Album gibt es auch als Vinyl, richtig? Ich vermute es war ein langer Weg das in die Tat um zu setzen?

Don: Ja, das war eine unglaubliche Veröffentlichung für uns. Die Schallplatte hat mich zum ersten Mal spüren lassen wie viel schwerer es Independent Musiker im Vergleich zu den Musikern die bei einem größeren Label, das mehr Unterstützung bietet, haben. Ich habe einen Vertrag mit einem kleinen Independent Label und das einzige, was die für mich getan haben war mir bei der Suche nach einem Platten-Presswerk zu helfen und ein bisschen Werbung zu machen. Alles andere ist an mir hängen geblieben. Ich habe selbst ein Studio gefunden bei dem analog Aufnahmen möglichen waren, habe Unterstützung für das Projekt besorgt, Geld durch ein Spendenprojekt akquiriert und den Rest aus eigener Tasche drauf gelegt… und all das zusätzlich zum Schreiben und Produzieren der Aufnahme und der Arbeit den Vertrieb und die Werbung für das Album unter Dach und Fach zu bringen. Trotz alledem bin ich insgesamt mehr als zufrieden mit dem Resultat das aus diesem Erfahrungen erwachsen ist. Der Sound ist fantastisch weil wir statt ein digitales Album aufzunehmen und zu versuchen es analog klingen zu lassen den direkten Weg genommen haben. Außerdem sind wir jetzt viel erfahrener. 11 Empty Bottles war unser zweites Album und erstes ernsthaftes, inzwischen kennen wir uns mit dem was wir tun wesentlich besser aus. Cenosillicaphobia ist meiner Meinung nach ein deutlich besseres Album.

Ute: Ich habe auf facebook gesehen, dass ihr wieder auf dem Michigan Irish Music Festival gespielt. Hat es wieder so viel Spaß gemacht dort zu spielen wie beim letzten Mal?

Don: Jedes Mal wenn wir dort hin kommen ist es einfach unglaublich. Das absolut beste Festival auf dem wir spielen. Sie haben großes Talent, das Publikum ist immer enthusiastisch, das Essen ist hervorragend und die Gastfreundschaft könnte nicht besser sein. Sie haben schon vor ein paar Jahren angefangen uns zu buchen als wir noch neu waren, inzwischen bekommen wir dort die besten Spielzeitzeiten.  Wir haben auch auf der After Show Party gespielt was uns noch mehr Spaß gemacht hat weil es einfach in der Lobby des Hotels war in dem alle Künstler untergebracht waren. Das war wie früher als wir in Bars gespielt haben, da gab es keine Bühne und wir waren auf einer Ebene mit dem Publikum. Wir haben eine tolle Show auf der Hauptbühne hingelegt aber bei der after Show Party haben wir alle anderen Musiker zu uns nach vorne kommen lassen damit sie mit uns singen und spielen. Das war total entspannt und das Publikum hat es geliebt. Da war ganz viel Energie im Spiel .
Ich denke das Michigan Irish Music Festival wird immer mein Lieblingsfestival sein. Nicht nur weil wegen der Gastfreundschaft und dem Publikum sondern auch weil es so viel positive Erinnerungen an die vergangenen Jahre, in denen wird dort gespielt haben gibt. Man hat uns schon gebeten uns den Termin für nächstes Jahr frei zu halten und ich habe das Datum mit Freuden in meinen Kalender geschrieben.  So lange wie sie uns buchen gehen wir ganz sicher immer wieder hin.

Ute: Ihr wart als Vorgruppe von den Tossers gebucht, einer Band die ihr sehr gerne mögt, wenn ich mich recht erinnre. Dann wurde die Show abgesagt, wie groß war die Enttäuschung?

Don: Daswar eine unglaubliche Enttäuschung. Wir haben am Zustandekommen dieser Show eine ganze Zeit gearbeitet, das geht sogar bis April zurück. Wir haben im Juni mit den Tossers in Grand Rapids Michigan in einem Club namens “The Pyramid Scheme” gespielt und hatten viel Spaß. Wir hatten die Möglichkeit eines weiteren gemeinsamen Auftritts damals erwähnt und sie haben uns gesagt, dass sie sich darauf freuen. Ich weiß wirklich nicht, was passiert ist, dass sie die Show weniger als eine Woche vor dem Termin abgesagt haben, aber ich habe volles Verständnis dafür, dass man Entscheidungen treffen muss wenn sich Dinge kurzfristig ergeben. Ich machen ihnen keinerlei Vorwürfe aber die Enttäuschung bleibt. Sie werden immer eine meiner Lieblingsbands bleiben und ich bin sicher, es werden sich noch andere Möglichkeiten ergeben mit ihnen zu spielen. Der Veranstalter hat uns jedenfalls gesagt, die Show würde im nächsten Jahr neu angesetzt und ich hoffe wir werden dann auch wieder gefragt ob wir spielen.
 

Ute: Aber es gibt ja auch gute Nachrichten. Ihr werdet als Vorgruppe von den Dropkick Murphys spielen. Das ist echt Wahnsinn. Erzähl mir darüber.

Don: Mich hat ein Club-Besitzer aus meiner Heimatstadt angerufen während wir auf Tour waren um mir zu sagen, dass die Firma Kilians einen Wettbewerb ausgeschrieben hat mit der man eine Vorgruppe für die Dropkick Murphys finden wollte. Bo White (der Club Besitzer) gerade ein Interview mit ihnen geführt als er für ein örtliches Musik Magazin, für das er schon seit den 80er Jahren schreibt, über das Bonaroo Festival berichtet hat. Er hat gedacht, dass wir genau die richtige Besetzung für diese Gelegenheit wären und wollte uns für den Wettbewerb anmelden. Der Wettbewerb bestand aus zwei Teilen. Zuerst mussten unsere Fans für uns sms eine bestimmt Nummer senden und dann hat ein Repräsentant, der von den Dropkick Murphys damit auftragt war, eine Band aus den Finalisten ausgesucht. Sie haben uns Anfang der Woche angerufen, dass wir die Gewinner sind, aber bis Freitag gewartet bis sie das Ergebnis offiziell bekannt gegeben haben. Das war die Hölle für uns, weil wir das bis zum Freitag niemanden erzählen durften, noch nicht mal unseren Freunden und Familien. In der Zwischenzeit haben sie uns den ganzen Papierkram geschickt und Reise-Arrangements getroffen und wir mussten das alles unter dem Siegel der Verschwiegenheit erledigen. Ich muss zugeben, ein paar Leuten, von denen ich genau wusste, dass sie ein Geheimnis für sich behalten können, habe ich es trotzdem erzählt. Einfach weil ich so aufgeregt war. Ich bin Dropkick Murphys Fan seit den 90ern, die erste Show, die ich gesehen habe war mit Mike McColgan und Rick Barton… Wir spielen die Show mit den Murphys und haben eigentlich direkt im Anschluss zwei Auftritte mit Continental, Rick Bartons neuer Band, das macht mich ganz aufgeregt. Ich sollte versuchen eine Show mit den Street Dogs zu bekommen, dann könnten wir Karriere damit machen mit Dropkick Murphys Alumni zu spielen.

 Ute. Wow, das ist cool. Erst haben auch die Fans ihre Wertschätzung gezeigt indem sie für auch sms geschickt haben und dann wurdet ihr noch von den Dropkick Murphys auserkoren. Es kann kaum besser kommen.

Don: Ich bin mir nicht sichert wer genau dieser Repräsentant der Dropkick Murphys war, der uns ausgewählt hat. Ob’s nun der Manager, die Sekretärin, oder sonst wer war. Auf jeden Fall hat man sich für uns entschieden und das alleine war schon eine Ehre. Sie werden uns hören, wenn wir vor ihnen spielen und ich bin deshalb unglaublich aufgeregt.

Ute: Was gibt’s sonst Neues?

Don: Es gibt jede Menge Neuigkeiten. Meine Frau und ich haben gerade unser erstes Kind bekommen. Es ist ein kleines Mädchen mit dem Namen Eleanor Roisin. Das war eine große Herausforderung weil ich jetzt zwischen einem Familienleben und einem Musikerleben hin-und her gerissen bin. Meine Frau hat mich früher immer zu den Konzerten begleitet und wir sind dann immer über Nacht dort geblieben. Jetzt wo ich sie nicht bei mir habe und ein Baby zuhause ist fahre ich so oft es nur geht nach den Shows nach Hause. Davon abgesehen ist aber alles beim alten.

Ute: Herzlichen Glückwunsch! Eleanor Rosin ist ein sehe schöner Name.  

Don: Danke. Wir wollten einen Namen mit Tradition für sie und der Name passt gut zu ihr weil sie so wunderschön ist. Aber das sagen alle Eltern von ihren Kindern.

Ute: Die “Occupy-Bewegung” wird  immer größer und auch viele Musiker haben sich der Bewegung angeschlossen. Was hältst Du davon?

Don: Ich denke das ist eine Notwendigkeit. Die Dinge in Amerika laufen nicht so gut wie sie sollten und ich finde das hat viel mit unserem System zu tun, das viel mehr auf der Verwirklichung von Wohlstand als auf dem Streben nach Glücklich und Zufriedenheit  basiert.  Ich unterstütze die Bewegung bis zu einem gewissen Punkt und freue mich darüber das die amerikanische Bevölkerung ihre gesetzlich garantiertes Recht auf freie Meinungsäußerung wahr nimmt und sich friedlich versammelt um eine Änderung zu erreichen. Ich weiß, dass kürzlich einer unserer Songs in einem Podcast benutzt wurde der eine Veranstaltung unterstützen sollte. Das Lied war von Cenosillicaphobia” und heißt “Underclass Zero”  Es handelt von einem Mann der von seiner Frau aus seinem eigenen Haus geworfen wird weil er 16 Stunden am Tag 7 Tage die Woche arbeitet und trotzdem nicht genug Geld verdient um zu überleben. Ich lebe in einer Gegend von Amerika die auch der Rost-Gürtel genannt wird. Das ist das Gebiet, das am meisten De-Industrialisierung erfahren hat. Als ich ein Kind war habe ich Fabriken schließen sehen, Menschen haben ihren Job und dann ihre Wohnungen verloren und dieser Prozess setzt sich bis heute weiter fort. Das Lied erzählt eine Geschichte, die ich nur allzugut kenne weil meine Freunde und Familie darin leben. Es ist sehr traurig in einem Land wie Amerika diese Art von Armut zu sehen…. Diese Leute werden die arbeitenden Armen genannt weil sie arbeiten obwohl sie besser dran wären wenn sie ihre Arbeit hinschmeißen und von Sozialhilfe leben würden.

Ute:Flogging Molly haben Detroits zu Grunde gehende Industrie zum Thema ihres letzten Albums “Speed of Darkness” gemacht. Sie haben viel Lob dafür bekommen aber auch Kritik einstecken müssen weil sie nicht die typische “working class hero”-Band sind und manche Leute sie deshalb nicht authentisch genug finden. Kennst Du das Album und was hältst Du davon?

 Don: Ich bin nicht sicher ob jemand darüber urteilen sollte über welches Thema jemand anders ein Lied schreibt. Ich weiß, dass Dave King in Los Angeles gelebt hat und dann wegen der Familie seiner Frau nach Detroit gezogen ist. Nach Detroit zu ziehen würde jeden dazu bewegen ein Lied über den Niedergang dieser großartigen Stadt zu schreiben oder sich anders künstlerisch auszudrücken. Niemand hat Paul Verhoven dafür verurteilt, dass er den Film Robocop gemacht hat. Warum sollte also jemand sich darüber aufregen dass Flogging Molly über ein Thema wie den Fall einer großen Industrie Stadt reden wollen. Das klingt für mich dumm. Ich komme aus einer Arbeiter Familie in dieser Gegend und habe Lieder zu diesem Thema geschrieben aber ich denke nicht dass ich deshalb mehr oder weniger kompetent bin als Leute die nicht hier leben. Ich habe ein Lied über die Medusa, ein Schiff, dass 1816 gesunken ist geschrieben… ich war zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal geboren und trotzdem finde ich, dass es ein gutes Lied ist…. Ich bin im Bezug auf dieses Thema nicht mehr oder weniger kompetent als irgendjemand anders auf der ganzen Welt, ich habe damals ja noch nicht mal gelebt. Flogging Molly ist eine wundervolle Band, I habe alle ihre Alben und mag sie alle. Für meinen Geschmack sind sie authentisch genug  Ich glaube manchen Leute beschweren sich viel zu viel über die kleinsten Dinge aus keinem anderem Grund als sich einfach beschweren zu wollen.

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