Shamrock Castle 2012
Acoustic Revolution

Interview mit Alan Stivell

von

aus wikimedia commonsVon seinen musikalischen Ideen als Jugendlicher bis zum geplanten Jubiläumskonzert 2012: Alan Stivell gab uns in einem Email-Interview Auskunft und machte neugierig auf seinen Auftritt beim Festival Mediaval in Selb.

Vielen Dank für Ihre Bereitschaft, einige Fragen zu beantworten.
Zunächst zu Ihrem Album Emerald. Beeindruckt hat mich die aufwändige, vielseitige Produktion. Was war Ihnen bei Emerald wichtig?

Weil es das Jubiläum meines ersten professionellen Albums von 1970 war, musste es ein Klangbild geben, das etwas von meinen ersten Alben mit den Sounds und Techniken von heute mischt.

 Warum setzen Sie statt auf pure akustische Musik auf die Verbindung mit Rock oder anderen populären Stilen?

Meine Idee, Rock mit keltischer Musik zu mischen entstand als ich …14 war!  Als Rock n’Roll, elektrische Gitarren etc. in Frankreich ankamen. Eine Weile her… Tatsächlich war es der einzige Weg mich mit …mir selbst zu mixen: ich mochte und mag SF und neue Technologien genauso wie ich keltische Kultur mag und mochte.

 Es hat uns etwas verwundert, dass Sie in Selbbei einem Mittelalter-Festival auftreten. Welche Verbindung haben Sie zur Musik dieser Zeit und heutigem Mittelalter-Rock?

Viele Leute betrachten bretonische Musik und Kultur als mittelalterliche europäische Musik, die noch lebendig ist. Das ist überwiegend wahr, außer das die Bretonen eine sehr persönliche Abart davon entwickelt haben. Und ich schätze es so ein, dass einige bretonische Interpretationen näher an der authentischen Mittelaltermusik sind als manche künstliche Re-Interpretationen.

Welche Musiker werden in Selb mit Ihnen auf die Bühne gehen?

Raphael: Violine
Gaetan Grandjean: akustische und elektrische Gitarren
Nicolas Méheust: Bass und Keyboard
Marcus Camus: akustische und elektronische Drums, Percussion

 Rückblickend über Ihre lange Karriere – welches waren wichtige Momente und wichtige Entscheidungen?

Der wichtigste Moment war mein Konzert im Pariser Olympia am 28. Februar 1972: in einer einzigen Woche haben die Mehrzahl der Bretonen und ein großer Teil der übrigen Franzosen ihre Vorstellung von bretonischer Musik zum Positiven hin verändert. Dem kann ich hinzufügen, dass die Entscheidung, diesen Abend auf die Beine zu stellen, meine wichtigste war.

 Wie ist die Lage der bretonischen Musik heute? Gibt es junge Musiker/-innen und Bands, auf die Sie uns aufmerksam machen möchten?

Die letzte bretonische Band, die ich entdeckt habe, ist Raggalendo. Sehr gute junge Frauen, auch wenn sie nicht besonders nahe an der keltischen Musik sind. Ich mag außerdem die Sängerin und Harfenistin Cecile Corbel sehr. Es gibt noch einige andere.

 Sie waren der erste, der in den 1970er Jahren die pan-keltische Idee, die gemeinsamen Wurzeln der keltischen Kultur ins Bewusstsein der Musikfans brachte. Können Sie sagen, was das Wesen keltischer Musik heute ausmacht, ist sie mehr als ein Marketingbegriff?

Wenn ich von mir selbst spreche, sind mein Traum und meine Arbeit sicher mehr als ein Marketingkonzept. Ich bin sicher nicht der Einzige, der aufrichtig dabei ist. Wie bei allen menschlichen Aktivitäten findet man überall Leute, die es weniger aufrichtig meinen, ja sicher. Selbst der „Markt“ kann einige Leute dazu führen, ein Interesse an unserer Kultur zu entwickeln.

 Welchen Rat würden Sie jungen Leuten geben, die selbst keltische Musik spielen möchten?

Ich werde bescheiden sagen: Nehmt Rat an…von mir. Ernsthaft, viele Leute spielen Musik, die der irischen, schottischen, bretonischen ähnelt. Wenige Leute wissen genau, worum es bei keltischer Musik und keltischer Kultur allgemein geht. Die meisten Musiker folgen zu sehr einem standardisierten Stil (Instrumentierung etc.) und messen dem, was ich für die Grundelemente keltischer Musik halte, nicht genug Bedeutung bei (spezielle Intervalle, Teil-Tonleitern, Asymmetrie, Vorziehen von Tönen, Rubato etc).

Haben Sie eine neue CD oder Tour in Planung?

Nächstes Jahr im Februar werde ich feiern, im Pariser Olympia und anderswo, und zwar das 40-jährige Jubiläum, von dem ich sprach. Ich arbeite daran und an einem neuen Studioalbum im gleichen Jahr.

 Wir wünschen Ihnen und dem Publikum ein tolles Konzert in Selb. Noch einmal vielen Dank. 

Ihnen auch vielen Dank, und vielleicht sehen wir uns dort!

Über kuec

Zwei Dinge faszinieren mich an Folk-Musik besonders: die mündliche Überlieferung mit ihren verschlungenen Wegen und der Einblick in andere Lebenswelten aus der Perspektive der Betroffenen. Neben meiner Leidenschaft für live-Musik habe ich mich immer wieder mit den Hintergründen dieser „Kultur von unten“ beschäftigt. Ich bin mit gemeinsamem Musizieren aufgewachsen. Meine Instrumente sind Geige, akustische Gitarre und E-Bass. Gespielt habe ich in Orchestern, Folk-Gruppen und Oldie-Bands. In den Neunzigern habe ich Konzertberichte für eine südwestfälische Lokalzeitung verfasst und freue mich, dem Schreiben über Musik jetzt online nachgehen zu können. Hier bei celtic-rock.de pflege ich seit 2008 die Wissens-Abteilung. Schaut doch mal bei den classics oder in unserer Bücherecke vorbei. Und nicht vergessen: keep music live!

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