Shamrock Castle 2012
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Currach ~ Farewell to Old Ireland (2006)

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Mitglieder von Currach sind Stützen der rheinischen Session-Szene und uns daher auch persönlich begegnet. Es liegt also nahe, die CD mit den live-Eindrücken zu vergleichen. Die Gruppe hat die Aufnahmen genutzt um Fertigkeiten zu zeigen, die über das in der Kneipe zu Hörende deutlich hinausgehen. Das vielseitige Instrumentarium und der mehrstimmige Gesang kommen bei den Studio-Aufnahmen besser zur Geltung.

Mit „im Boot“(Currach = trad. irisches Fischerboot) sitzen unterschiedlich viele Leute: die Trennung zwischen Mitgliedern und Gästen  ist nicht so streng. Ellen Jeikner verfügt über eine außergewöhnliche Stimme und einen sehr femininen Gesangsstil. Dazu spielt sie Harfe, Gitarre, Mandoline und Whistle. Ralf Wackers, ursprünglich Rock-Musiker, tut sich als Multi-Instrumentalist hervor. Zu Currach zählen aber auch noch Uilleann Pipes – Spielerin Antonia Wernig und Fiddlerin Katja Martens. Auf „Farewell to old Ireland“ sind noch einige weitere Musiker zu hören: LeAnn Guyton spielt Flöten, Olaf Sickmann Gitarre, Michael Heuser Banjo. An Sound-Vielfalt herrscht also kein Mangel. Außerdem beherrschen alle ihr Metier sehr ordentlich.
Dazu kommen ausgefeilte Arrangements und eine Auswahl an Titeln, die Abgedroschenes meidet. Auch die Aufnahme-Schauplätze wechseln: neben Tracks aus Ralfs Studio sind Live- Aufnahmen und eine spontane Küchen-Session zu hören. Das Ergebnis ist ein recht persönliches Porträt. Alles ist musikalisch tadellos gespielt und aufgenommen.

Der Opener ist The Emigrant’s Farewell, dessen erste Zeile dem Album den Namen gab. Andy Irvines gezupfte Läufe werden durch einen swingenden Gitarrengroove ersetzt. Irvines Never Tire of the Road beginnt hier mit einem feinen Harp-Solo – Ralf versteckt seine Frühzeit als Blueser nicht. Desweiteren gefällt, wie bei The Gypsy, der zweistimmige Gesang. Auch wenn singende Paare aus der Mode sind – den verbliebenen würde ich Your Smiling Eyes (Olaf Sickmann) empfehlen. Alle Verliebten werden dahinschmelzen…

Eindrucksvolles Herzstück und in meinen Ohren der Höhepunkt ist Caide Sin aus dem Repertoire von Clannad, sechseinhalb Minuten lang. Ellens Stimme kommt bei langsamen Songs wie diesem besonders gut zur Geltung und das Multitracking mit Keyboard, Bouzouki, Mundharmonika oder Mandoline sowie Fiddle und Pipes bauen ihr den entsprechenden Rahmen. Toll gemacht. Ein anderer Favorit ist ein weiteres Abschiedslied, Farewell to Nova Scotia, mit einem knackigen Refrain.

Alain Stivell ist der Inspirator der beiden „klassischen“ Harfenstücke, sehr sparsam mit Flötenbegleitung instrumentiert und dadurch wirkungsvoll. Die Fertigkeiten von Antonia Wernig am irischen Dudelsack stehen beim zweiten Instrumental, einem live eingespielten Jigset, im Mittelpunkt. Dem Publikum gefällt’s, wie aus dem Applaus zu schließen ist. Hübsch auch die Instrumental-Duette ungewohnterer Art: Mundharmonika/Pipes oder Keyboard/Whistle, die in den Songs eingestreut werden. Schade, dass dagegen Katja Martens an der Fiddle so wenig herauszuhören ist.
Im Booklet sind nicht nur alle Texte verzeichnet, sondern auch, wer was wo spielt, damit man den Überblick behält.

Für eine Tour im September steigen noch andere mit ins Boot: Bodhranspieler Thorralf Schuh aus Opladen und Concertina-Champion Tony O’Connell aus Limerick, zu hören z.B. bei den Irish Days in Leverkusen. Vielleicht fallen bei dieser spannenden Besetzung ja ein paar neue Aufnahmen ab? Mich würd’s freuen.

Trackliste

  1. Emigrant’s Farewell
  2. The Gypsy
  3. Tri Martolod – Brian Boru’s March
  4. Never Tire of the Road
  5. Caide Sin – Far Away
  6. Antonia’s Set
  7. Verdant Braes of Skreen
  8. Farewell to Nova Scotia
  9. Smiling Eyes
  10. Shannon Dolphins – For the Sake o’ Somebody

 

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Über kuec

Zwei Dinge faszinieren mich an Folk-Musik besonders: die mündliche Überlieferung mit ihren verschlungenen Wegen und der Einblick in andere Lebenswelten aus der Perspektive der Betroffenen. Neben meiner Leidenschaft für live-Musik habe ich mich immer wieder mit den Hintergründen dieser „Kultur von unten“ beschäftigt. Ich bin mit gemeinsamem Musizieren aufgewachsen. Meine Instrumente sind Geige, akustische Gitarre und E-Bass. Gespielt habe ich in Orchestern, Folk-Gruppen und Oldie-Bands. In den Neunzigern habe ich Konzertberichte für eine südwestfälische Lokalzeitung verfasst und freue mich, dem Schreiben über Musik jetzt online nachgehen zu können. Hier bei celtic-rock.de pflege ich seit 2008 die Wissens-Abteilung. Schaut doch mal bei den classics oder in unserer Bücherecke vorbei. Und nicht vergessen: keep music live!

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