Dropkick Murphys: Interview mit Matt und Fotostrecke (Bielefeld)
von Marcel
Hallo Matt. Wie geht’s? Als erstes wollte ich zum hervorragenden neuen Album „Going Out In Style“ gratulieren. Das Album ist großartig geworden!
Ehrlich? Cool. Danke dir. Wir sind allerdings auch sehr glücklich mit dem Resultat.
Im Infotext zum Album werdet ihr als die „AC DC des Celtic Punkrock“ bezeichnet. Bedeutet das soviel wie, dass man nach fünf Sekunden Hören weiß, um welche Band es sich handelt?
Ja, so in etwa. Das streben wir zumindest an. Das Album sollte sich grundsätzlich nicht von unserem bewährten Sound distanzieren und außerdem wollten wir immer schon die „AC DC des Genres“ sein; denn sie sind einfach die Besten.
Beschreibe doch den Aufnahmeprozess des aktuellen Albums im Vergleich zum letzten Studioalbum.
Wir hatten bei „The Meanest Of Times“ einige Songs, die sich schon vorher live bewährt hatten, wie „State Of Massachusetts“ oder „Johnny, I Hardly Knew Ya“, wo klar war, wie wir diese Songs aufnehmen müssen. Das war diesmal nicht der Fall, da wir noch kein neues Stück zusammen gespielt hatten. Wir hatten zwar ein paar Ideen aber wir haben erst im August letzten Jahres angefangen, das Thema eines neuen Albums ernsthaft anzugehen. Der gesamte Songwriting Prozess fand diesmal in meiner Küche auf akustischen Instrumenten statt.
Der Grund dafür war einfach, dass mein Haus nah am Proberaum liegt. Wir hatten dann verschiedene Sessions, wo wir uns z.B. mal nur auf die Songstrukturen oder die Texte konzentrierten. Danach haben wir uns dann direkt im Studio wiedergefunden, um alles aufzunehmen. Rückblickend sind die letzten fünf Alben nicht so einfach auf akustischen Instrumenten entstanden, aber die Songs der Alben davor, wie die von „Do Or die“. Das war zwar nicht so geplant aber wir hatten auch nicht allzu viel Zeit, das Songmaterial zusammenzutragen. Dabei hatte unser Produzent mit seinem guten Gehör viel beigesteuert und hat uns dazu gebracht, auf die Songs so zu gucken, als ob wir sie schon sechs Monate live spielen würden. Das hat den Aufnahmeprozess ziemlich erleichtert.
Es fällt auf, dass auf dem neuen Album weniger „Geschrei“ und dafür mehr „Gesang” zu hören ist. Lag das an der Tatsache, dass die Songs in der Küche entstanden sind, wo ihr leiser sein musstet?
Nein, nicht ganz. Meine Frau arbeitet tagsüber, so konnten wir auch einigermaßen laut sein. Aber man will auch nicht das gleiche Album zweimal machen, wie AC DC, die Ramones oder Motörhead. Bei den Dropkick Murphys weißt du zwar, dass du kein HipHop oder Techno bekommst, aber gewisse Songs haben eben gute Melodien und Ideen, was sicherlich für den Gesangspart von Vorteil war.
Diesmal habt ihr wieder komplett neue Gastmusiker dabei. Wie kam es zu der Kollaboration mit Bruce Springsteen?
Wir kennen den „Boss“ seit 2007, als sein Sohn, der übrigens ein Fan von uns ist, mit ihm bei einem New Yorker Konzert vorbei kam. Bruce ist super Typ, sehr bodenständig, interessiert und überhaupt keine Allüren. Dann hat er uns zu seinem Konzert in Boston eingeladen und ein paar von uns haben ihn sogar auf der Bühne begleitet. An diesem Abend hat auch Tim (Gitarre und Akkordeon, Anm. d. Red.) seiner Frau einen Heiratsantrag auf der Bühne gestellt, den sie zum Glück auch annahm. Aber das nur am Rande. Jedenfalls war er letzten Jahres ebenfalls in einem Studio, als wir ihn anriefen und fragten, ob er einen Gesangspart zum Song „Peg O’ My Heart“ beisteuern möchte. Er hat sofort zugesagt und innerhalb kürzester Zeit hat er uns unglaublich coole Gesangsspuren gesendet; alles dank der Magie des Internets.
Wie kam es zu der Idee, ein Konzeptalbum aufzunehmen?
Es ist grundsätzlich schwierig und sehr restriktiv, wenn man sich lyrisch an ein Konzept hält, um daraus ein Album zu machen. Wir haben in diesem Fall die Songs geschrieben und anschließend gemerkt, dass diese alle etwas gemeinsam haben, so dass wir im Nachhinein ein Konzept daraus gemacht. Wir sind damit den leichteren Weg gegangen.
Was stört dich, wenn du auf Tour bist?
Nun, ich mag es nicht, von meiner Frau, meinem Hund oder von anderen Freunden für eine Zeit lang weg zu sein oder nicht die Möglichkeit zu haben, Vinylplatten zu hören. Die grundsätzliche Hygiene ist ebenfalls nicht das Beste. Andererseits ist es nach wie vor der beste Job der Welt für mich. Mittlerweile haben drei Bandmitglieder Kinder, so dass die Tourneen insgesamt familienfreundlicher ausfallen und wir nicht mehr elf Monate am Stück unterwegs sind. Das Negative hält sich also deutlich in Grenzen.
Ihr seid nicht nur Bandkollegen, ihr seid auch miteinander befreundet, aber wie verhält sich das auf Tour?
Wir sind eher so eine Art Familie, bei der jeder den anderen respektiert und man immer für einen da ist und das weiß auch jeder. Wir sind sieben Musiker und dazu kommt noch die Crew, wovon einer sogar ein ganz alter Freund von mir ist. Auf Tour hängen wir auch nicht konstant zusammen rum. Dazu kommt, dass wir auch nicht das klassische Rockstarleben ausleben. Die Leute mögen unsere Songs und unsere Shows und stehen nicht auf uns Typen, so können wir uns überall frei bewegen. Wir sind einfach auch die Gleichen auf Tour, wie zu Hause und das ist unsere Gesamteinstellung zum Leben und zu unserem Job des Musikers.
Bei dieser Tour müsst ihr weite Distanzen zwischen den einzelnen Städten zurücklegen. Wie vertreibt man sich da die Zeit, wenn man um 1.00 im Nightliner zur nächsten Stadt fahren muss?
Die Zeit ist auch nicht schlecht, man sieht zwar nicht viel von den Orten, wo wir spielen. Aber im Bus ist es nett, man guckt Fernsehen, unterhält sich. Alles ist insgesamt sehr entspannt.
Bist du ein Facebook-User oder benutzt du irgendwelche anderen Online Kommunikationsplattformen?
Nein gar nicht, ich habe zwar eine Myspace Seite, die ich allerdings so gut wie nie besuche. Mir reichen Emails.
Hat das Ereignis von Fukushima etwas bei dir verändert? Inwiefern hat es dich beeinflusst?
Wir haben Freunde in Japan, die zum Glück nicht betroffen sind. Wir wollten dieses Jahr auch noch in Japan spielen und so sind wir als Band direkt betroffen. Zuvor haben wir uns nie Gedanken gemacht, ob so etwas passieren könnte und Einfluss auf unsere Tour hat, aber mit dem Unglück in Fukushima hat sich alles verändert. Natürlich kann Ähnliches auch in Boston passieren. Wir sind komplett umgeben von Wasser und man sagt, dass auch in Boston ein Erdbeben bevorsteht. Ich möchte lieber nicht darüber nachdenken, was alles passieren könnte und es macht auch keinen Sinn, in ständiger Furcht zu leben. Gegen solche Naturereignisse kann man sich auch einfach nicht schützen.
Irische Musik wurde durch die Dubliners, Chieftains und anderen sehr traditionellen Bands in den Sechzigern weltweit bekannt und populär. Die Horslips brachten in den Siebzigern Rockelemente dazu, die Pogues wiederum in den Achtzigern Londoner Punkattitüden und Sounds. So hat sich traditionelle irische Musik immer weiterentwickelt. Wie wird sie wohl aus deiner Sicht z.B. im Jahr 2050 klingen?
Irish Folk wird sich definitiv weiter entwickeln. Keine Ahnung, was in 40 Jahren mit ihr passiert. In 2050 wird vielleicht Techno und Death Metal mit Irish Folk gemischt und kleine Leprechauns tanzen mit Hörnern herum.
Welche Irland Erfahrungen hast du bisher gemacht?
Mit der Band haben wir bisher in fast jeder größeren Stadt dort gespielt, was immer gut ankam.
Vor ca. 18 Jahren hab ich mal Straßenmusik mit meinen Cousins dort gemacht. Das war zu der Zeit, als ich in Deutschland gelebt habe, in Hemer bei Dortmund in einer US Kaserne. Das war allerdings das einzige Mal, dass ich dort so richtig unterwegs war.
Matt, vielen Dank für das nette Gespräch und viel Erfolg für die Platte und die Tour.
Fotostrecke

Mai 2012:
April 2012:
März 2012:












