June Skinner-Sawyers ~ Celtic Music, A Complete Guide
von kuec
Ein Handbuch zur keltischen Musik: das sind 1000 Jahre in einem halben Dutzend Ländern im Taschenbuchformat. Die in Schottland geborene Amerikanerin June Skinner-Sawyers hat sich viel vorgenommen. Sie reißt eine Menge Themen an, führt Sachbegriffe und Personen ein und versucht der Materie fachlich gerecht zu werden. Das klappt wegen der starken Vereinfachung nicht immer. Es zeigt sich, dass die Unschärfe des Begriffs ‚celtic’ eher hinderlich ist, wenn es sich um historische Fakten dreht.
Es geht los mit einer Zeittafel, die mit Brian Boru und der Schlacht von Clontarf 1014 beginnt. Dann werden die keltischen Regionen und die Frühgeschichte angesprochen. Sitten und Gebräuche, historische Ereignisse und gesellschaftliche Entwicklungen bieten den Rahmen, in dem sich die Musik weiterentwickelt. Wir begegnen Barden, blinden Harfenspielern und Highland-Pipern. Diese Porträts machen die Themen anschaulich, etwa wenn es um den amerikanischen Professor F.J. Child aus dem 19. Jahrhundert geht, dessen Auflistung britischer Balladen heute noch in Gebrauch ist. Auch der Tanz bekommt ein eigenes Kapitel, da für viele Riverdance der erste Kontakt mit ‚Keltischem’ ist. Die Entwicklung der Musik in den USA mit Bluesgrass, Gospel bis zum Folk Revival wird nachvollzogen. Die letzten beiden der zehn Kapitel befassen sich mit der Zeit bis zur Jahrtausendwende. Ein paar Vorkenntnisse sollten schon da sein, sonst ist die schiere Menge an Namen und Fachbegriffen zu verwirrend.
Die Verfasserin hat eine Menge Material gesichtet, davon zeugt ein ausführliches Literaturverzeichnis. Einige poinitierte Zitate sind eingestreut, z.B. um zu untersreichen, dass die Welt ohne Gälisch deutlich ärmer wäre: “Without Gaelic the entire world, the whole of humanity would be impoverished” (James Hunter).
Ganz praktisch möchte Skinner-Sawyers den Fan dabei unterstützen, sich eine keltische CD-Sammlung aufzubauen. Jedes Kapitel endet mit Hör-Empfehlungen, die am Schluss des Buches noch einmal zusammengefasst werden. Bei diesen 100 Tonträger-Tipps beginnt der an Unterscheidungen gewöhnte Europäer sich zu krümmen. Englische Künstler wie June Tabor werden einfach vereinnahmt, Leute aus der ländlichen Tradition abgelegener Inseln stehen neben kommerziellem New Age Pop. Aus den USA betrachtet ist das eben alles irgendwie ‚keltisch’. Weniger, d.h. eine räumliche oder zeitliche Eingrenzung, wäre in diesem Fall mehr gewesen. Adressen von Institutionen oder Labels, ein Glossar und ein Personenverzeichnis erhöhen den praktischen Nutzwert. Trotz mancher Schwächen nehme ich das Buch immer mal wieder zur Hand, um etwas nachzuschlagen. Die Begeisterung der Autorin für ihr Thema ist irgendwie ansteckend.
- Taschenbuch: 384 Seiten
- Verlag: Da Capo Press 2001
- Sprache: Englisch
- ISBN-10: 0306810077
Weitere Artikel in dieser Serie:
- Nuala O'Connor ~ Bringing It All Back Home (22. November 2010)
- Celtic Music - The Essential Listening Companion (29. Januar 2011)
- June Skinner-Sawyers ~ Celtic Music, A Complete Guide(This post) (29. März 2011)
- Gearóid Ó hAllmhuráin ~ Pocket History of Irish Traditional Music (1998) (29. Juli 2011)
- Richard Schuberth ~ CrossRoots (2002) (29. November 2011)
- Marc Slobin ~ Folk Music - A Very Short Introduction (2011) (29. Dezember 2011)


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