Celtic Music – The Essential Listening Companion
von kuecMeine Leitfrage bleibt: Folk und keltische Musik – was ist das überhaupt? Um das eine oder andere zu empfehlen, möchte ich 2011 die kleine Sachbuch-Serie mit dem Titel „Was es ist“ beginnen. Die Serienfunktion mit einer Liste unterhalb des Textes soll helfen, sich von einem Buch zum andern zu hangeln. Reisebeschreibungen oder Songbooks können auch aufschlussreich sein, ich möchte mich aber auf reine Sachbücher beschränken, um den Überblick zu behalten. Ohne englischsprachige Literatur geht leider nicht, deutsche Bücher sind aber ebenso auf meiner Liste. Eine chronologische Ordnung kann ich auch nicht bieten, sie ist wegen der unterschiedlichen Ansätze der Autor/-innen aber auch nicht zwingend.
In den Buchläden von Amsterdam, York oder Dublin suche ich, wann immer es geht, nach spannenden (Musik-)Büchern. Wenn es sich um Schnäppchen handelt, um so besser. Wer nicht die Möglichkeit hat, Stunden in einem Laden zu verbringen, kann meine Fundstücke in der Regel neu oder gebraucht im Internet finden. Aber dazu muss man ja erst wissen, dass es sie gibt.
Kenny Mathieson (Hg.) Third Ear – The Essential Listening Companion
Mal ein Buch, das ‚keltisch’ nicht als Synonym für irisch oder schottisch gebraucht, sondern wirklich bemüht ist, sämtliche Gegenden zu erfassen, in denen Nachfahren der Kelten ansässig sind. Die 3rd Ear-Serie hat zwei Ziele: einerseits in Form von Sachtexten den Hintergrund zu verdeutlichen, andererseits Tonträger vorzuschlagen, die das Geschriebene illustrieren.
Was ist nun keltische Musik? Herausgeber Kenny Mathieson packt in der Einleitung gleich den Stier bei den Hörnern: „Wenn es überhaupt etwas ist, dann eine Marketingstrategie – und zwar eine sehr erfolgreiche.“ Eine weniger zynische, praktische Antwort ist, dass es sich Musik handelt, die in den sogenannten keltischen Ländern produziert wurde und sich auf die traditionelle Musik dieser Länder bezieht, namentlich Irland, Schottland, Wales, die Insel Man, Cornwall, die Bretagne, and keltische Regionen der iberischen Halbinsel. Obwohl sich Millionen in England oder Amerika auf irische Wurzeln berufen: Die Pogues als Briten oder Solas als US-Amerikaner bleiben leider außen vor. Das Buch befasst sich zum größten Teil mit dem Revival ab den 1960er Jahren. Folkrock und Fusion wird von Sue Wilson im letzten Kapitel ‚New Directions’ wenigstens berührt.
Die Länderkapitel sind jeweils nach Stimme, Instrumenten und Bands geordnet. Dies hat den Vorteil, dass Einzelpersonen gewürdigt werden können. Am Ende eines jeden Abschnitts stehen LP- oder CD – Tipps mit Erscheinungsjahr und Label. Das ist oft doppelt gemoppelt, besonders wenn im Text schon auf die Labels eingegangen wurde.
Als Illustration gibt es schöne große Schwarzweißfotos von Musiker/-innen, die CD- und LP – Hüllen sind vielfach als Band über eine Doppelseite unten abgebildet.
Die Länderkapitel sind je nach Verfasser recht unterschiedlicher Qualität. Über Irland gibt es Ähnliches anderswo gleich gut zu lesen. Man grübelt eher, warum das irische Akkordeon einen Abschnitt bekommt, das Banjo aber nicht. Im Schottland –Teil ist schon eher Unbekanntes zu entdecken, etwa bei den Pipes. In Wales, Cornwall oder Cape Breton (Kanada) werden sich nur die wenigsten auskennen. Hier gibt es wenigstens einen kurzen Einblick. Das Bretagne-Kapitel von Stephen D. Winick geht ins Grundsätzliche und stellt sehr schön dar, wie Alain Stivell et al. sich ihre Tradition teils neu erschaffen haben.
Das Highlight für mich ist aber eindeutig ‚Celtic Iberia’ von Andrew Cronshaw. Er war mir als innovativer englischer Folkmusiker ein Begriff, hat sich aber offenbar viel in Nordspanien aufgehalten. Sehr gründlich und mit viel Begeisterung erläutert er die Kultur, aus der Carlos Nunez oder Hevia stammen. Galizien und Asturien haben eine starke Tradition, die eng mit dem Dudelsack Gaita verknüpft ist. Eine vergleichbare Einführung in die keltisch-iberische Musik ist mir noch nirgends sonst untergekommen.
Wie der Titel nahelegt, sind die Texte auf das käuflich zu erwerbende Produkt hin ausgerichtet und daher eher ein Konsumentenführer. Der “Hörbegleiter“ stammt noch aus der youtube-losen Zeit und bezieht sich daher auf CDs. Man kann das Buch aber auch nutzen, um gezielt im Netz nach Bild und Ton zu forschen. Trotz Tags und Kategorien bei dem Videoportal ist es gut, ein gedrucktes Werk als Wegweiser parat zu haben.
Ein Künstler -Register rundet den Band ab. Nicht grade das aktuelle Nachschlagewerk, aber als Einstieg in die akustische keltische Musik durchaus empfehlenswert. Wer tiefer in die Materie eindringen will, findet anderswo mehr historischen Hintergrund.
Erschienen: 04.2001
ISBN-10: 0-87930-623-8
Seitenzahl: 192
Sprache: Englisch
Erschienen bei: Backbeat Books
Bestellen | Medienbox | Über Rezensionen
Weitere Artikel in dieser Serie:
- Nuala O'Connor ~ Bringing It All Back Home (22. November 2010)
- Celtic Music - The Essential Listening Companion(This post) (29. Januar 2011)
- June Skinner-Sawyers ~ Celtic Music, A Complete Guide (29. März 2011)
- Gearóid Ó hAllmhuráin ~ Pocket History of Irish Traditional Music (1998) (29. Juli 2011)
- Richard Schuberth ~ CrossRoots (2002) (29. November 2011)
- Marc Slobin ~ Folk Music - A Very Short Introduction (2011) (29. Dezember 2011)

Mai 2012:
April 2012:
März 2012:












