Redpipe – der Dudelsack, der nicht einsam macht
von kuec
Vor der Tür steht jemand mit einem prallen Stoffsack unterm Arm – und im Gegensatz zum Nikolaus muss er draußen bleiben, weil das Üben auf dem Dudelsack Freunden und Verwandten mächtig auf die Nerven geht. Aber Abhilfe ist nahe: die Redpipe. Das ist ein elektronischer Dudelsack mit verschiedenen Sounds und Griffweisen. Vorbilder sind Original-Dudelsäcke aus Schottland, Frankreich, Deutschland, Schweden und Spanien. Hörbeispiel.
Für die Highland Pipes brauchte man bisher Gleichgesinnte, um nicht zu vereinsamen. Übungs-Chanter (die Spielpfeife) gab es schon, aber keinen wohnraumtauglichen vollen Satz. Außerdem sind die Sackpfeifen oft nicht mit der 440 Hz-Stimmung anderer Instrumente kompatibel. Dies alles störte den württembergischen Hobbymusiker und passionierten Tüftler Rolf Jost, und er beschloss, den Dudelsack aus seiner Nische zu befreien. Eigentlich wollte er den elektronischen Dudelsack nur für sich selbst entwickeln. Nicht weit von seinem Wohnort entfernt fand er einen Spezialisten, der die Elektronik für Übungs-Spielflöten baut und ließ sich von ihm die Platinen für den Redpipe-Prototypen nach seinen Vorgaben machen. Wichtig war ihm: der Klang des elektronischen Dudelsacks sollte so nah wie nur möglich am Original sein und das Instrument sollte in jeder Tonart zu spielen sein.
Der Spanier Hevia („Busindre Reel“) war vor zehn Jahren an der Entwicklung eines Instruments beteiligt, das über Midi synthetisch erzeugte Klänge auf externen Soundemulatoren wie Synthesizer ansteuert. Hierzu mehr auf wikipedia.
Mit solchen vom Synthesizer erzeugten Klang-Imitationen wollte sich Jost nicht zufrieden geben und so wurden zwei Originaldudelsäcke Ton für Ton gesampelt und abgespeichert.
Gut aussehen sollte die Redpipe dann auch noch und so wurde aus dem, was ursprünglich mal eine tote Ziege war, durch den Entwurf einer Leder-Designerin ein schicker roter Dudel-Sack, dem eine gewisse erotische Ausstrahlung nicht abzusprechen ist. Als der Prototyp dann fertig war, steckte so viel Arbeit und Herzblut in dem Instrument, dass Jost von begeisterten Freunden gedrängt wurde, mehr daraus zu machen.

Konan von der Gruppe Skilda
Im Innern befindet sich die kompakte Elektronik und eine Luftblase, die es ermöglicht, dass die Redpipe genau so wie eine richtige Sackpfeife durch Druck auf den Luftsack gesteuert werden kann. Die einzelnen Spielflöten, die den typischen Klang-Hintergrund erzeugen, lassen sich einzeln dazu schalten. Schließlich sollte das Spielgefühl auf der Redpipe – mal abgesehen vom nicht mehr nötigen Blasen – dasselbe sein, wie bei einem originalen Dudelsack.
„Ich hab den Redpipe-Prototyp immer wieder Dudelsack-Spielern gegeben, um ihn zu testen und die haben das Ding unter den Arm genommen und konnten es sofort spielen“, sagt der Erfinder, der stolz darauf ist, dass sein Instrument auch bei den Schotten gut angekommen ist. Bei zwei Besuchen in Schottland ließ er unter anderem die Profis von den Red Hot Chilli Pipers die Redpipe testen – mit großem Erfolg.
„Dies ist der erste elektronische Dudelsack, der für den Live-Einsatz geeignet ist!“,so Bandmitglied Stuart Cassels. Einfache Bedienbarkeit, Ton für Ton gesampelte Originalklänge der Great Highland Bagpipe und der Scottish Smallpipe und dazu die Möglichkeit in jeder beliebigen Tonart zu spielen machen die Redpipe zu einem Profi-Instrument, das alle Anforderungen für den Einsatz im Studio und auf der Bühne erfüllen sollte.
Obwohl auch ein Midi-Anschluss integriert wurde, mit dem sich die unterschiedlichsten synthetischen Klänge ansteuern lassen, ging es dem Erfinder der Redpipe vor allem darum, möglichst nah am Klang und Spielgefühl der Original-Dudelsäcke zu bleiben. Das Blasen entfällt zwar bei der Redpipe, aber das Hinzuschalten der verschiedenen Spielflöten erfolgt wie beim Original über den Druck auf den Sack.
Die in Schottland von einem der führenden Hersteller spezial angefertigten Chanter sind mit hochempfindlichen Sensoren ausgestattet, die eine authentische Griffweise inklusive Vibrato-Spiel ermöglichen. Unter den Modellen fehlen bislang die irischen Uillean Pipes, da es sich um einen etwas anderen Instrumententyp handelt.
Durch die vielfältigen Varianten von Mittelalter bis Metal wird ein großer Kreis von Bands angespochen. Natürlich ist das Instrument für die ebenso gekleidete Fraktion auch in schwarz erhältlich. Akustische Highland Pipes sind gleichfalls nicht billig, aber bei Preisen zwischen 1000 und 1500 Euro ist die Redpipe wohl eher was für Leute, die damit Geld verdienen.. Die Elektronik bietet neben der Lautstärkeregelung und leichterer Tonabnahme die Möglichkeit, die „Macken“ eines Rohrblattinstruments (schwankende Tonhöhe, Klimaempfindlichkeit) auszugleichen und die Einsatzmöglichkeiten durch Auswahl der Tonarten zu erweitern.
Eine (englischsprachige) Stellungnahme von Eluveitie findet sich auf den Seiten von metal underground. Über weitere Erfahrungsberichte würden wir uns freuen.
Ein Tipp zum Schluss: die Weihnachtverlosung. Über die Homepage des Herstellers gibt es ein ‚wireless system’ zu gewinnen, das sich auch mit anderen Instrumenten, z.B. E-Gitarre, einsetzen lässt. Teilnahmeschluss ist der 15. Dezember. Man braucht nur auf die Kontaktseite zu gehen und unter ‘Nachricht’ das Stichwort ‘Caledonia’ einzugeben.


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