Shamrock Castle 2012
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Kontrabass ~ Instrumentenkunde Teil 14

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Unsere kleine Serie “Instrumentenkunde” geht in die nächste Runde. Diesmal konnten wir Marcus Bernhardt, seines Zeichens Multi-Instrumentalist bei den Cobblestones, als Paten für den Kontrabass gewinnen. Er gab uns, wie schon die vielen anderen Musiker zuvor, interessante Einblicke und Informationen über dieses (tiefe) Instrument. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön für diesen interessanten Artikel.


Warum Kontrabass?


Eine gute Frage, warum eigentlich Kontrabass? Sind wir mal ehrlich: Das Ding ist groß und sperrig, nimmt jede Menge Platz in der Wohnung, im Probenraum und im Bandbus weg und ist darüber hinaus schwieriger zu spielen als ein E-Bass! Warum spiele ich dann dieses Musikinstrument mit der Eleganz einer Kommode?

Kurz und knackig: der Kontrabass ist einfach cool! Der Klang eines Kontrabasses hat wesentlich mehr Charakter als der Klang eines E-Basses.

Als ich mich vor langer Zeit als unbedarfter E-Bassspieler, der ich bis dahin war, zum ersten Mal hinter einen Kontrabass quetschte, fiel mir recht schnell auf, dass da etwas wichtiges zu fehlen schien: Die Bünde. Das und die Tatsache, dass das Instument nicht horizontal vor dem Körper hängt, sondern aufrecht neben einem steht, machte es zunächst nicht gerade leichter einen geraden Ton zu spielen. Aber ich war von Anfang an fasziniert von dem durchsetzungsstarken und samtigen Klang, und das Problem der fehlenden Bünde und seltsamen Spielhaltung ließ sich durch einiges Üben überwinden. Die fehlenden Bünde bringen sogar einige Vorzüge. So kann man wunderbar Slides spielen, ohne dass die Saiten über die Bünde „klappern“. Und wenn man mit viel viel Übung irgendwann das Spiel mit dem Bogen beherscht, hat man quasi für jede Ballade eine Gänsehautgarantie.

Wenn man – gerade zu Beginn – nicht jeden Ton 100%ig trifft, zähle ich das jetzt mal großzügig zu den liebenswerten Charaktereigenschaften des Kontrabasses.

Und nicht zu letzt sieht das Ding auf den Bühne einfach klasse aus und hat einen grandiosen Wiedererkennungswert. Mit einem Kontrabass ist sofort jedem auch in der hintersten Publikumsreihe klar, woher die wohlig tiefen Töne stammen. Da besteht nicht die geringste Verwechslungsgefahr mit dem Gitarristen, und wer z. B. einmal einen Rockabilly-Bassisten auf seinem (präparierten) Instrument hat herumturnen sehen, der wird dieses Schauspiel nicht so schnell vergessen.

Im Folkbereich habe ich außer in meiner eigenen Band selten Kontrabässe gesehen. Meistens wird in Folk-Rock-Bands eher dem E-Bass der Vorzug gegeben, viele Akustik-Folk-Gruppen verwenden einen Akustikbass oder verzichten ganz auf eine Bassbegleitung. Dabei kann ein Bass bei schnelleren Stücken sowohl die Melodie als auch den Rhythmus kraftvoll unterstützen, ruhigere Stücke mit einem soliden Klangteppich unterlegen und sogar als Soloinstrument eingesetzt werden.


Worauf sollten Einsteiger achten?


„Was genau möchte ich mit dem Kontrabass machen?“ sollte er/sie sich fragen.

Will ich den Bass eher zupfen (Pizzicatospiel), will ich hauptsächlich mit dem Bogen streichen oder will ich mir beide Optionen offenhalten? Davon hängt ab, welche Form der Steg haben und wie stark die Wölbung des Griffbrettes sein sollte: Je stärker die Wölbung, desto so leichter trifft man mit dem Bogen beim Streichen die richtige Saite ohne dass man die Nachbarsaite mitspielt. Für das Zupfen eignet sich eine flache Wölbung besser.

Nächste Frage: Aus welchem Material soll der Bass sein? Sperrholz? Massivholz? Halbmassiv?

Massivholzbässe klingen in der Regel schöner, sind aber in der Regel recht teuer und empfindlich gegen Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen. Sperrholzbässe sind robuster und vor allem sehr viel günstiger, dafür klingen sie nicht so voll. Ein guter Kompromiss sind halbmassive Bässe, sowohl was den Klang und die Robustheit als auch den Preis angeht.

Es gibt verschiedene Baugrößen mit unterschiedlich langen Mensuren. Am gebräuchlichsten ist der 3/4 Bass. Der 4/4 Bass wird fast nur in klassischen Orchestern gespielt. Für kürzere Mitmenschen gibt es die Version des ½ Basses.

Schießlich noch die Frage nach dem Tonabnehmersystem. Im einfachsten Fall wird einfach ein Mikrophon vor dem Bass aufgestellt. Dabei ist allerdings die Bewegungsfreiheit des Bassisten deutlich eingeschränkt. Besser sind Piezo-Abnehmer, die in oder unter den Steg geklemmt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung der bei E-Bässen üblichen Tonabnehmern. Einige Rockabilly-Kontrabassisten verwenden einen weiteren Abnehmer am Basshals, um das Saitenschlagen beim „Slappen“ abnehmen zu können.

Die Wahl der Saiten hängt wieder von der Spielweise ab, die Hersteller halten Saitensätze für Bogenspiel, Pizzikatospiel und Allroundsaiten bereit.

Und noch ganz wichtig für alle, die es den Rockabilly-Bassisten nachmachen wollen: Klettert niemals (!) auf einen normalen Kontrabass! Die Rockabilly-Bässe sind speziell umgebaut, ein normaler Kontrabass ist doch eher ein Musikinstrument als ein Sportgerät!


Wo bekommt man Hilfe?


Das ist in der Tat nicht ganz einfach. Kontrabassisten sind auch in der Irish-Folkszene nicht all zu dicht gesät. Und nicht jeder Instrumentenladen hat einen Kontrabass im Schauraum oder gar einen kompetenten Verkäufer. Trotzdem lernt man nach meiner Erfahrung wirklich am besten von anderen Kontrabassisten. Also am besten Unterricht in einer Musikschule oder beim freundlichen Kontrabassisten von nebenan nehmen. Auch wenn die Spielweisen sich unterscheiden, ist es hilfreich, wenn man sich schon ein wenig auf dem E-Bass oder Akustikbass mit den Grundlagen vertraut gemacht hat. Es dürfte auch um einiges leichter sein, hierfür einen Lehrer zu finden.

Ansonsten gibt es natürlich auch Hilfe aus dem Internet. Ein Forum bietet zum Beispiel die GEBA (Gesellschaft der Bassisten in Deutschland, http://www.geba-online.de/) an.


Über den Autor:


Marcus Bernhardt spielt seit 1986 Bass. Ersten Bühnenerfahrungen mit Schulprojekten folgten Aktivitäten in Bands verschiedenster Stilrichtungen von Rock- und Pop bis Crossover. Die Faszination für den Kontrabass bestand von Beginn an. Doch erst mit Gründung der Irish and Scottish Folk Band „Cobblestones“ war 2001 der Zeitpunkt gekommen, sich intensiv mit dem Kontrabassspiel zu beschäftigen. Bei den „Cobblestones“ teilt sich Marcus Bernhardt die Position am Kontrabass mit seinem Bandkollegen Martin Lendt, beide spielen außerdem eine Vielzahl weiterer Instrumente.


Links:

http://www.cobblestones.de/
http://www.myspace.com/cobblestonesfolk


Wikipedia-Artikel:

http://de.wikipedia.org/wiki/Kontrabass

Weitere Artikel in dieser Serie:

  1. Bodhran ~ Instrumentenkunde Teil 1
  2. Keltische Harfe ~ Instrumentenkunde Teil 2
  3. Banjo ~ Instrumentenkunde Teil 3
  4. Great Highland Bagpipes ~ Instrumentenkunde Teil 4
  5. Akkordeon ~ Instrumentenkunde Teil 5
  6. Mandoline ~ Instrumentenkunde Teil 6
  7. Geige ~ Instrumentenkunde Teil 7
  8. Bouzouki ~ Instrumentenkunde Teil 8
  9. Tin Whistle ~ Instrumentenkunde Teil 9
  10. Querflöte ~ Instrumentenkunde Teil 10
  11. Concert Flute ~ Instrumentenkunde Teil 11
  12. Akustische Gitarre ~ Instrumentenkunde Teil 12
  13. Uilleann Pipes ~ Instrumentenkunde Teil 13
  14. Kontrabass ~ Instrumentenkunde Teil 14(This post)

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