Drever McCusker Talbot Woomble – Kulturhaus Lüdenscheid 6112010
von kuec
Schottland – Lüdenscheid – Schottland. Für einen einzigen Auftritt waren die drei Herren und eine Dame mitten aus ihrer Tour heraus über Amsterdam und Köln ins Sauerland gedüst. Trotz Reisestress boten sie vor fast 500 Besuchern eine überzeugendes Konzert im großen Saal des Kulturhauses.
Wohl nur den wenigsten Kartenkäufern waren die Namen der Musiker vorher schon ein Begriff. Im Vertrauen auf die bisherige Spitzenqualität der vom Kulturverein Kalle getragenen „Folkpack“- Reihe ließen sich die Lüdenscheider unbesehen auf Neues ein. Andere waren aus Hamburg oder Nürnberg angereist. Organisator Markus Scheidtweiler konnte mit berechtigtem Stolz das Quartett bei seinem ersten Deutschlandkonzert im guten gefüllten Saal begrüßen. Die schottische Szene sei zur Zeit als besonders kreativ bekannt, und er habe den Tipp, diese Vier zu holen, vor zwei Jahren von anderen Musikern bekommen. Warum Drever, McCusker und Woomble wiederum als Spitzenkräfte ihres Landes zu sehen sind, machten sie im weiteren Verlauf eindrücklich klar.
Wer Schottenkaro – Folklore erwartet hätte, wäre enttäuscht gewesen. Nationale Selbstvergewisserung stand nicht auf der Agenda, sondern sehr persönlicher Ausdruck. Kris Drever, John McCusker und Roddy Woomble haben gemeinsam Songs für das 2008 erschienene Album Before the Ruin geschrieben und verarbeiten eine Menge Einflüsse, so dass die Herkunft aus dem hohen Norden abgesehen von Sprachakzent nicht sofort ersichtlich wird. Sie sind alle in diversen Einzelprojekten tätig, weshalb man eigentlich nicht von einer Band sprechen kann.
Der Abend beginnt mit einem Solo von Kris Drever. Jeder, der mal eine akustische Gitarre in der Hand gehabt hat, muss von ihm stark beeindruckt sein. Raffinierte Akkorde und Tunings oder ungewöhnliche Melodielinien kennzeichnen seinen enorm vielseitigen Stil. Ihm gegenüber sitzt sein ebenbürtiger Partner John McCusker an der Geige oder Mandola, ihr Zusammenspiel mit perfektem Timing bildet das Gerüst. McCusker stampft oft seinen Rhythmus mit, ein wahres Energiebündel. Mit warmem, kraftvollen Ton und einer etwas unorthodoxen Haltung der Violine gibt er Power. Als Kontrast zu John der eher introvertierte Roddy Woomble. Er sitzt still auf seinem Stuhl, die Hand am Mikro, und schließt beim Singen oft die Augen. Seine Stimme hat viel Ausstrahlung. Sängerin Heidi Talbot, die auch zur Ukulele greift, hält sich im Hintergrund. Erst bei der letzten Zugabe zeigt die Ehefrau von John McCusker die volle Kraft ihrer Sopranstimme. Man kann heraus hören, dass die Irin einige Jahre in Amerika gelebt und gesungen hat.
Überhaupt der Gesang: Woomble und Drever harmonieren wunderbar, mit der Frauenstimme darüber sorgen sie für Gänsehaut. Die Lieder gewinnen gegenüber der mit vielen Gästen produzierten CD durch die Beschränkung auf das Wesentliche. Neben den eigenen Songs gibt es das amerikanische Traditional Shady Grove, Sweet Honey in the Rock und das Duett Talbot/Drever The Blackest Crow.

Vier Instrumente, drei Stimmen, kaum Technik. Spätestens mit dem Dank für das „schottische Wetter“ haben die auf der Bühne Sitzenden die Lacher auf ihrer Seite und das Publikum im Griff. Im großen Saal breitet sich zwischen den gepolsterten Sitzreihen Clubatmosphäre aus. Man fühlt sich mit den Künstlern verbunden und kann miterleben, wie sie in ihrer Musik aufgehen. Jeder Vers ist sorgsam durcharrangiert, dennoch gibt es Freiraum für Soli. Nichts wirkt abgenutzt oder heruntergespielt.
Dank guter Raumakustik und Einsatz des mitgereisten Soundmannes ist der Klang hervorragend. Die Gitarre kann so den großen Raum füllen, bei den Fiddletunes geht richtig die Post ab. Die Zeit verfliegt mit konzentriertem Zuhören im Nu. Nach zwei Stunden sind die Vier mit ihren gemeinsamen Stücken am Ende und auch die lange Reise fordert Tribut.
Bei der zweiten Zugabe, einem Song und ein paar Reels, gibt es stehende Ovationen, das ganze Auditorium steht auf und klatscht mit. Hier hätte sich gegen Zehn gut noch ein „Stimmungs – Teil“ anschließen lassen. Die Musiker waren von ihrer Deutschland-Premiere samt Blumensträußen sichtlich angetan, es wurde was von „noch mal wiederkommen “ gesagt, was das Publikum freudig aufnahm. Beeindruckt und satt von intensiv erlebter, hochklassiger Musik machte man sich auf den Weg nach draußen.
„Happy Birthday Kulturhaus“ zum 29. Geburtstag. Und bitte noch viele solche tollen Folkpack-Konzerte.
Fotos: Marc Dobrick


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Schöner Bericht gefällt mir…und als Fachmann kann ich sagen der Sound war wirklich sehr gut !
Marc ist ausgebildeter Veranstaltungstechniker