Schotten im Stadion und Belgier in der Bar – drei Tage in Schottland!
von Jessy
Bei unserem Trip nach Schottland konnten wir unter anderem sportliche und musikalische Highlights verbuchen.
Tag 1
Unsere Reise startete im verregneten Deutschland und bei Ankunft in Edinburgh erwartete uns strahlender Sonnenschein. Ja, richtig gelesen, Sonnenschein in Schottland! Ein Geldautomat bescherte uns dann noch einen kurzen Schockmoment, weil er entgegen der Auskunft unserer Bank in Deutschland keine britischen Pfund ausspucken wollte. Nach einer kurzen Unterhaltung am „Changing point“ konnte dann aber dank Visa doch noch das wertvolle bedruckte Papier ausgezahlt werden. Die Uhren wurden noch kurz umgestellt und schon konnten wir den Flughafen mit Vorfreude bewaffnet verlassen.
Unsere Laune hätte uns nur ein schlechtes Hotel vermiesen können. Doch obwohl dieses an einer zentralen Straße lag, konnten wir den Eingang erst nach einigem Suchen ausfindig machen. Der erste Blick in das Zimmer entlarvte dieses dann eher als Appartement mit allerlei verwinkelten Geheimtüren und einem grandiosen King Size Bett im beinah feudalen viktorianischen Stil. Wir hatten also auch diesmal ein glückliches Händchen bei der online gebuchten Unterkunft gehabt. Auch wenn die zentrale Lage – inklusive hoher Autofrequenz – gelegentlich den Schlaf störte, überwogen die Vorteile, die der prominente Standort bot. So konnten wir trotz Müdigkeit direkt am ersten Tag unserer Neugier freien Lauf lassen und nach einer Nahrungsaufnahme im majestätischen „goldenen M“, einen sonnigen Spaziergang durch die Straßen und Parks Edinburghs unternehmen. Der Blick auf das Castle und die entfernten Highlands waren in jedem Fall unbezahlbar.
Tag 2
Da uns die Hauptstadt nicht genug war, hatten wir uns entschlossen die Gelegenheit zu nutzen, um einen Abstecher nach Glasgow zu machen. Dort stand ein Fußballspiel zwischen Celtic Glasgow und Hibernian Edinburgh auf dem Plan. Die Zugreise dauerte nur 45 Minuten und schon waren wir an unserem Ziel angekommen. Sören nutzte die Chance, seine Englischkenntnisse zu testen und fragte einen Polizisten nach dem Weg zum Stadion. Dieser wurde mit 20 Minuten deklariert. Entweder können die Schotten sehr schnell laufen, oder diese Zeitangabe war ein bisschen nach unten korrigiert. Jedenfalls liefen wir schon ein ganzes Stück, als wir so durch die Straßen schlenderten und wir beide gleichzeitig aufhorchten. Uns passierte ein Auto, aus dessen Innenraum sehr vertraute Klänge kamen. Tatsächlich waren es die „The Wakes“, die mit ihrem Song “James Connolly’s Ghost” hier für ein Lachen auf unseren Gesichtern sorgten. Hatten wir doch in Deutschland noch (ohne Erfolg) nach einem möglichen Gig während unseres Aufenthalts gesucht – ja, wir sind verrückt, aber es ist schön so…
Nach einiger Zeit wollten wir uns doch noch einmal bei einem Passanten nach dem Weg erkundigen. Der Mann bot uns kurzer Hand an, uns in seinem Auto direkt zum Stadion zu fahren. Wir nahmen dieses Angebot dankend an und bekamen noch eine kleine Rundfahrt zum „People’s Palace“. Wir waren immer noch durch die Fahrt auf der linken Sraßenseite verwirrt und mussten mit reflexartigen Panikattacken beim „falschen“ Einfahren in den Kreisverkehr kämpfen, kamen aber dann natürlich wohlbehalten beim Celtic Park an.
Wir bekamen gute Plätze und sehr sympathische Nachbarn, die wir im Gegensatz zu den meisten anderen Einheimischen auch relativ gut verstanden. Wir bekamen spontan einen Schal in den Mannschaftsfarben der Celtics geschenkt und ein paar Cottage Pies spendiert. Eine sehr erfrischende Offenheit, die man in Deutschland nur selten so antrifft. Unser Nachbar zur rechten Seite bewies dagegen, was ein richtiges „schottisches Raubein“ ist. Die Leistung der Mannschaft schien ihn nur wenig zu überzeugen. Jedenfalls „verwöhnte“ er uns mit allen Varianten des „F- Wortes“ und das in einer beeindruckenden Lautstärke. Dennoch gewannen die Celtics 2:1.
Auf der Rückfahrt sprachen wir im Zug mit einem Iren, der Rugby spielt. Er erklärte uns seine Sichtweise des Fußballspiels: „Rugby is a sport for hooligans played by gentlemen. Football is a sport for gentlemen played by hooligans.“
Tag 3
Nach dem sportlichen Ereignis gingen wir am Sonntag dann ganz unserer „alten Leidenschaft“ nach: der Musik. Wir hatten „Henry’s Cellar Bar“ und den dort stattfindenden Gig des Black Tartan Clans ins Auge gefasst. Da wir noch ein bisschen Zeit hatten, ging es in das über der Bar gelegene „Lebowskis“. Für mich als Fan des Films und Genießerin des White Russian, war das ein Geschenk. Unter gut einem Dutzend verschiedener Varianten konnte man sich einen White Russian aussuchen. Zu unserem Glück machte die Bedienung ein Versehen und brachte einen falschen Drink, den wir dann gratis bekamen. Da lachte der Schwabe in Schottland gleich doppelt.
…zu meinem Leidwesen spielten vor dem Black Tartan Clan noch zwei Vorbands, von denen mir nicht viel Gutes in Erinnerung geblieben ist. Die menschliche Psyche wendet ja bekanntlich bei traumatischen Erlebnissen auch gerne den Mechanismus der Verdrängung an, also sprechen wir einfach nicht weiter darüber.
Die im eigenen Bus angereisten Belgier machten dafür umso mehr Eindruck. Wir haben sie das erste Mal live gesehen und auch wenn das Set sehr „hart“ war und viele Stücke schneller gespielt wurden als auf CD, war es ein schöner Gig in passender Atmosphäre. Eine kleine, enge Bar im Untergrund, eine handvoll Zuschauer und hämmernde Bagpipes, das wirkt überall auf der Welt. Hätte ich an diesem Tag keine Rückenschmerzen gehabt, hätte ich den Gig bestimmt noch mehr genießen können, aber trotzdem war es ein gelungener Abschluss für drei sehr schöne Tage voller Sonnenschein. Der wurde nämlich wie bestellt erst am Tag der Abreise vom Regen abgelöst.
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