IRXN ~ Vogelfrei (2010)
von celtic-rock
Mit einem zwinkerndem Auge könnte man sagen, dass hier auf celtic-rock.de der Monat September ganz im Zeichen der tief verwurzelten Muttersprache in der Musik steht. Ähnlich, wie bei unserer Band (Album) des Monats – De Drangdüwels – ist auch bei IRXN die Herkunft fest in der Musik verankert. Singen De Drangdüwels hoch im Norden noch auf Plattdeutsch, so ist es bei IRXN die Bayerische Muttersprache, welche ein fester Bestandteil der Musik ist – so auch wieder auf ihrem kürzlich veröffentlichten neuen Longplayer ‘Vogelfrei’.
‘Vogelfrei’ schließt nahtlos dort an, wo im Jahre 2008 die erste Platte ‘Wolfspfad’ aufgehört hat. Dem Hörer wird erneut eine bunte Mischung aus Folk Rock, klassischen Rockelementen und bayerischem Brauchtum geboten – all dies verpackt in 13 Songs. Einzig wahre Konstante auf dem Album ist wiedermal nur der Dialekt – fernab dessen spielt man musikalisch erneut mit sämtlichen Emotionen des Hörers und den verschiedenen Stilen der (F/V)olksmusik. Neben klassischen Folk Rock Nummern findet man auf dem Album Balladen, Stücke mit mittelalterlichem Touch, reine Instrumentals und das ein oder andere Traditionals.
Speziell die Traditionals haben es mir etwas angetan – dort zeigt sich die Experimentierfreude der fünf Jungs aus Bayern, die einfach nicht in irgendeine Schublade zu stecken sind. Lieder wie Palästina oder der Veitstanz, deren Melodien jeder kennt, werden kurzerhand (be)textet und mit Sprechgesang und Tuba entfremdet – jedoch ohne dabei ihre Einzigartigkeit zu verlieren. Highlights auf dem Album zu benennen ist nicht so einfach, da jeder Song auf seine Art und Weise besonders ist. Die Interpretation dieser Besonderheiten ist natürlich breit gefächert und bietet für Lob genauso viel Spielraum wie für Kritik. Aufgrund des ungewöhnlichen Hörvergnügens hat ‘Wolfspfad‘ vor geraumer Zeit von mir schon eine positive Kritik erhalten, bei ‘Vogelfrei’ besteht kein Grund von diesem Trend abzuweichen.
Capt B. von De Drangdüwels erzählte uns kürzlich im Interview vom besonderen Stellenwert der Sprache in der eigenen Musik, genauso dürfte es sich bei IRXN verhalten. Nicht, dass es in “fremdsprachigen” Liedern nicht möglich wäre Emotionen, Erfahrungen und Erlebtes zu verarbeiten, manchen Musikern fällt es anscheinend einfacher, eben diese Emotionen und Erfahrungen tiefgehender und authentischer in der (ur)eigenen Sprache auszudrücken. Sicherlich wird man damit nicht die breite Masse ansprechen können, diese Authentizität und die damit in Kauf genommene verbundene Gefahr des Nichtgefallens sollte man diesen Musikern hoch anrechnen.
‘Vogelfrei’ ist alles, aber definitiv kein musikalisches Fastfood. Wer genauso viel Freude an klassichem Rock wie an experimenteller Folksmusik hat, der ist bei IRXN an der richtigen Stelle. Definitiv keine Platte die ein bestimmtes Konzept verfolgt – bei intensivem Anhören und mit einer Portion Offenheit für ‘mal was anderes’ wird man hier so manches interessantes Stück entdecken und die Platte öfter mal in den CD-Player legen…
Trackliste
- Stehaufmandl
- Vogelfrei
- Anders leb’n
- Ewigkeit blüaht
- La Rotta
- Veitstanz
- Babylon
- Palästina-Lied
- Alle Manner
- Pyromanien
- Fremder Inder
- Wuiderer
- Flügelkuss
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