Irish Folk Balver Höhle 06/07082010
von kuec
Moderator Sean Reeves wollte „dort weiter machen, wo wir gestern Abend aufgehört haben“. In Bezug auf Qualität war das richtig, zum Glück nicht, was den Massenandrang betraf. Die Frage, ob der kostenlose Donnerstag den beiden folgenden Konzerten zu viele Zuschauer wegnehmen würde, hat sich dennoch erledigt. Die Höhle war gut besucht, aber nicht überfüllt.
Freitag gab es zunächst drei akustische Gruppen auf der großen Bühne.
Celtic Chakra aus dem Rhein-Main-Gebiet waren für mich die Entdeckung des Freitags. Anders als die dem Namen nach zu befürchtende new-ageige Beliebigkeit gab es sehr bodenständige, handwerklich erstklassig gemachte Musik auf irischer Grundlage. Mit einem Sänger, der Gälisch als Muttersprache hat, ließen sich auch schottische Mouth Music oder eine Clannad-Nummer überzeugend interpretieren. Duette zwischen zwei Zupfinstrumenten mit vertrackten Rhythmen und Melodien erinnerten an Planxty. Als Gastgeiger wirkte der junge Mich Neumaier mit, einer der Besten im Lande. Leider war der Sound suboptimal, da zu leise, so dass die Tune-Sets nicht die mögliche Publikumswirkung erzielten.
Solide und druckvoll spielten Tailteann aus Irland. Das Quartett hat internationale Erfahrung und kommunizerte in fließendem Deutsch. Bei ihnen steht ein diatonisches Akkordeon im Mittelpunkt. Der junge, in Texas geborene Geiger agierte zurückhaltend, war technisch aber bewunderungswürdig. Songs wie Missing You oder It’s Good to see You waren mit warmer, voller Stimme gesungen. Spätestens mit ihren Polkas hatten Tailteann das Publikum gewonnen.
Die jungen Überflieger von der Paul McKenna Band hatten den Spot zur besten Abendzeit. Das Quintett aus Glasgow und Umgebung ist dabei, sich international einen Namen zu machen. Verglichen mit dem Auftritt in Witten vor einem Jahr haben sie eine stärkere Bühnenpräsenz entwickelt. Songs und Tunes kommen mit enormer Energie und viel Tempo. Paul McKenna singt mit einer hohen, aber tragenden, markanten Stimme. Auch Songs, die man als ruhige Balladen kennen gelernt hat, bekommen von Bouzouki, Gitarre und Perkussion eine Rhythmusbegleitung im dreifachen Tempo unterlegt. Die Wirkung bei Ballad of Accounting und The Terror Time von Ewan MacColl war sehr intensiv. Publikumsliebling war der knubbelige, aber agile Fiddler, der sich Duelle mit seinem Nachbarn an den Flöten lieferte. Abgesehen von der Songauswahl und dem Akzent bei den Ansagen war im Stil kein Unterschied zu den irischen Topbands wie Grada auszumachen. Einziges „Problem“: die PaulMcKenna Band spielt schneller, als der normale Mensch zuhören kann.
Den schottischen Schwerpunkt des Tages unterstrichen die 1st Sauerland Pipes and Drums, rundherum stilecht gekleidet und präsentiert. Präzise und eindrucksvoll zelebrierten sie im Zuhörerraum Amazing Grace oder Mull of Kinyre.
Daran konnte die Connemara Stone Company mit ihren beiden Gast-Pipern anknüpfen. Die CSC braucht man auf diesen Seiten wohl nicht mehr vorzustellen. Eine ganze Menge Fans waren aus dem Ruhrgebiet rübergekommen, so dass jetzt gegen Zwölf vor der Bühne etwas mehr Bewegung aufkam. Vom Moving On Song über Whiskey in the Jar bis Red is the Rose gab’s ein Wiederhören mit Titeln der Live-CD vom letzten Jahr. Die Band hatte sichtlich Spaß, die Fiddle-Tunes kamen sehr flott,so dass viele Bogenhaare dran glauben mussten. Zum Abschluss gab es mit The Gael noch einmal eine Hymne mit den Pipes. Ein schöner Abschluss eines achtstündigen Spitzen-Programms.
Rockig begann der Samstag Nachmittag mit einer mir bislang unbekannten Combo, Irish Stew aus Köln. Sie punkteten mit dreifacher Frauenpower, einer superschnellen Fiddlerin, einer guten Sängerin und nicht nur als Hingucker einem E-Cello als Bass. Toll der zweistimmige Song for Ireland und das vom Frontmann textlich abgewandelte The Devil went down to..Ireland. Die Arrangements führten auf kleinen überraschenden Ausflügen über Grenzen hinweg, mit Kalinka, James Bond oder der Insel mit zwei Bergen. Unabhängig von der Herkunft der Stücke blieb der ausgewogene Sound ziemlich gleich. Etwas eindeutiger keltisch der Irish Rover und das abschließende Leis A Lurrigan.Irish Stew kamen gut an.
Craic schafften es auf der kleinen Bühne in den Umbaupausen, die Leute auf der Tribüne zu begeistern. So lobenswert die Überbrückung durch Live-Musik ist, entsteht hier doch eine ungute Konkurrenz, wenn die „kleine Band“ auf Kommando ihren Set ganz schnell beenden muss.
Aus Kilkenny eingeflogen waren die Keltic Kats. Als Quartett mit den zwei singenden Brüdern Bob und Danny erinnern sie etwas an die Clancy Brothers, die heute sicher auch mit E-Bass spielen würden. Was sie ungewöhnlich macht, ist die Kombination mit Joe, der zu den besten Banjospielern des Landes zählen dürfte. Mit Seven Drunken Nights gewannen die Kats die Sympathien, ließen dem aber ein Flötensolo folgen, das eher an Pink Floyd erinnerte. Joe O’Farrell ist nämlich auch studierter Flötist und Komponist. Mit raffiniertem Echo-Effekt malte er akustisch eine Meereszenerie samt Walgesängen und endete mit Finbar Fureys Lonesome Boatman. Die Höhlenbesucher waren stark beeindruckt. Die Schubladen-sprengenden Kombination der vier Musiker ergab sich aus gemeinsamen Sessions. Die Band besteht in dieser Kombination seit 2003 und ist mehrfach in den USA auf Tour gewesen.
Die drei irischen Tänzerinnen von Rince begeisterten mit ihrem kurzen Set. Federleicht und akrobatisch fegten sie über die Bühne. Moderator Sean Reeves meinte, da sei dann doch ein Unterschied im Temperament zu den deutschen Tänzerinnen. Jedenfalls war es großer Sport.
Als Überraschung gab es noch den Heiratsantrag eines Walisers, im schottischen Outfit auf der Bühne, an seine deutsche Freundin, oben auf der kleinen Bühne. (Sie hat Ja gesagt).
Caladh Nua gehören zu den jungen akustischen Top-Bands. Sie bestehen erst seit 2009 und sind aus Sessions im irischen Südosten hervorgegangen. Sie können einen mit Reels im Spitzentempo schwindlig spielen, haben aber auch gute Stimmen. Frontfrau Lisa mit ihrem Retro- Mikrofon sang ihre Balladen mit viel Ausdruck, kam aber zu leise rüber. May You Never von John Martin und Richard Thompsons Beeswing, beides Klassiker von britischen Songwritern, gefielen mir besonders.
Akkordeonspieler Derek und Fiddler Paddy, beide in einer musikalische Familientradition aufgewachsen, sorgten bei den Tunes für den richtigen Session – Sound. Banjospieler Eoin glänzte mit einem swingenden By Heck im Stil von De Dannan. Als eine gerissene Gitarrensaite gewechselt werden musste, legte er ein tolles Tinwhistle-Solo mit Bodhran – Begleitung hin. Gitarrist Colm machte nicht nur Rhythmus, sondern spielte auch mal einen Soloreel oder eine Fingerpicking-Begleitung. Die Fünf genossen offenbar den großen Rahmen und wurden gut aufgenommen.
Der Abschluss gehörte den Kilkennys, vormals schon mit dem sperrigen Namen Uisghe Beatha in der Höhle zu Gast und auf vielfachen Wunsch wieder eingeladen. Das Ziel war klar: die Höhle rocken. Das funktionierte auch. So voll war es vor der Bühne seit Donnerstag nicht gewesen, die Phonzahl stieg und damit die Partystimmung. Leider hörte man außer Bass, Bodhran- Rhythmus und Gesang kaum etwas. Der Akkordeonist hätte genauso gut einen trinken gehen können. Schade. Zwischen Dirty Old Town und einem weiteren Wild Rover kehrte ich nach sechs im Flug vergangenen Stunden der Höhle den Rücken.
Balve hat auch dieses Jahr mit bislang wenig bekannten, aber guten Bands gepunktet. Die ziemlich einmalige Location ist wetterunabhängig und seit 2009 rauchfrei, Service und Getränkeauswahl sind sehr gut. Last not least gibt es dauerhaft installierte, sauber gehaltene Toiletten. Die Entscheidung wiederzukommen ist unter diesen Bedingungen so gut wie schon gefallen. Wenn es jetzt noch ein paar informelle, allgemein zugängliche Kneipensessions gäbe…

Mai 2012:
April 2012:
März 2012:













Moin,

das freut uns aber sehr, das wir gut ankamen
Dann hoffentlich bis zum nächsten Mal – sagen wir in drei Wochen auf Burg Windeck:?:
Vielen Dank noch einmal an das tolle Publikum & die ganzen ehrenamtlichen Helfer!
Â
Irish Stew