Acoustic Revolution
Shamrock Castle 2012

Brutus’ Daughters ~ When the pubs are dying (2010)

von

Wie wir in der Vergangenheit schon festgestellt haben und uns Musiker teilweise auch berichteten, ist die spanische Szene eher überschaubar und übersichtlich. Bis auf ein paar junge aufstrebende Bands hat die Folk Punk- und Celtic Rock Szene der iberischen Halbinsel nicht viel zu bieten. Einzig Bands wie Bastards on parade oder Skontra halten die Fahnenstange ein wenig hoch. Eine neue Formation, die beim Halten der Fahne seit geraumer Zeit behilflich ist, ist Brutus’ Daughters.

Brutus’ Daughters ist eine sieben köpfige Folk Punk Band aus einem südlichen Landkreis von Madrid. Nach eigenen Angaben liegen ihre Anfänge im klassischen Punk Rock. Recht zügig führte man allerdings Instrumente wie den asturischen Dudelsack und die Geige in die Musik ein, so dass sich der heutige Stil schnell etablierten konnte. Neben klassischen Folk Punk Klängen ist die erwähnenswerte Besonderheit dieser Band, dass den Gesangspart eine junge Frau übernimmt. Normalerweise bin ich bei Sängerinnen immer ein wenig skeptisch, diese Skepsis ist hier aber überhaupt nicht angebracht. Die notwendige Aggression im Gesang kommt jederzeit voll zur Geltung, so dass diese Platte keinen mädchenhaften Charme versprüht.

Schon im ersten Song “Born a girl” nimmt man sich dieser Problematik an und zeigt, dass Frauen nicht nur “pink” sondern auch “punk” sein können und so manchem männlichen Gegenstück in nichts nachstehen. Auch das Cover hat man dementsprechend gestaltet. Auf ihm sieht man – comichaft gezeichnet – wie sich eine junge Frau gegen einen Kerl im Armdrücken behauptet. Song zwei – eine flotte, dennoch melodische Folk Punk Nummer wird, im Gegensatz zum ersten Stück, in spanischer Sprache vorgetragen. Diese Sprachvarianz setzt sich auch bei den anderen sechs Lieder durch – sämtliche Stücke werden in englischer oder spanischer Sprache dargeboten.

Dominantestes Instrument auf dieser Platte ist eindeutig der Dudelsack. Er gibt in vielen Liedern die Melodie vor, gemeinsam mit dem (teilweise zweistimmigen) Gesang geht er eine sehr gute Symbiose ein, wodurch zwischenzeitlich allerdings die Gitarre und Drums ein wenig in den Hintergrund geraten. Die Stimme von Sängerin Paula besitzt, wie bereits erwähnt, die notwendige Härte – teilweise erinnert sie einen sogar ein wenig an die Stimme von Sandra Nasić (Guano Apes). Highlight der Platte ist für mich persönlich Time has gone by. Dieser Song spiegelt im Großen und Ganzen das wieder, was Brutus’ Daughters auf dieser Platte ausmacht. Schneller Folk Punk Rock, Frauengesang, Mehrstimmigkeit, melodisches Geschick und die notwendige Portion Aggression.

Mit ihrem Erstlingswerk “When the pubs are dying…” erklimmen Brutus’ Daughters sicherlich nicht den Thron der Folk Punk Szene, auch mit Preisen werden sie nicht überhäuft werden. Vielmehr zeigen sie, dass es unter den über 40 Millionen Spaniern auch immer wieder ein handvoll Musiker gibt, die sich “unserer” Musikrichtung annehmen und diese auch in die weite Welt transportieren wollen.


Trackliste

  1. Born a girl
  2. La hermandad de la costa
  3. Fake pot of gold
  4. Sigue sonando
  5. Time has gone by
  6. Empire of crime
  7. Barrios mestizos
  8. Old drunken jig

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