Acoustic Revolution
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Tin Whistle ~ Instrumentenkunde Teil 9

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Bei jedem der vergangenen Instrumente unserer kleinen Serie “Instrumentenkunde” unterstütze uns jedes Mal ein Musiker. Diesmal haben wir zwei Musiker gefunden, die unsere Fragen beantworteten und euch ein wenig über die Tin Whistle berichten. Zum einen unterstützte uns Birgit Muggenthaler von Schandmaul, zum anderen half unsThomas Rünker von Kings and Boozers. Interessant an dieser Kombination ist der unterschiedliche Background der beiden Musiker – Birgit Muggenthaler der Profi und Thomas Rünker der Autodidakt. Bei beiden Musikern bedanken wir uns an dieser Stelle recht herzlich.


1. Warum Tin Whistle?

Birgit Muggenthaler

Der Name “Tin Whistle” leitet sich ab vom engl. “tin” = Blech. Ab und an findet man auch Bezeichnungen, wie “Penny Whistle” (hier bestehen 2 Theorien: entweder weil ein Penny für das Spiel des Whistlers als Straßenmusiker bezahlt werden sollte, oder weil die Whistle sehr günstig zu kaufen gewesen ist und unter Bettlern verbreitet war) oder “Pocket Whistle”. Die Bezeichnung “Tin Whistle” ist erst ab ca. 1825 gebräuchlich.

Die Tin Whistle gehört zur Familie der Holzblasinstrumente: was wie ein Widerspruch in sich klingt, leitet sich aus der Entstehungsgeschichte ab: genauso wie bei der Blockflöte oder beim bis ins 19 Jh, hinein gebräuchlichen Flageolet (dieses wird irrtümlich oft als Vorläufer der Tin Whistle bezeichnet, da diese im 18 Jh. auch Flageolet genannt wurde, bildet aber eine eigene Instrumentengruppe mit 8 Front- und 2 Daumenlöchern, für die auch viel romantische Literatur geschrieben wurde) wird Luft in ein Mundstück, dort durch einen Luftkanal bis hin zum Labium (eine Art Scheide) geblasen, wo eine Spaltung des Lufstroms erfolgt, Verwirbelungen entstehen und so der Ton erzeugt wird.

Begibt man sich auf historische Spurensuche, werden die ältesten Funde ca. auf 40.000 vor Christus datiert: Knochenflöten, die genau nach obigem Prinzip funktionieren. In jüngerer Geschichte gibt es in der irischen Literatur Hinweise auf Whistlespieler schon ab ca. dem 3. Jh. nach Christus. Die sog. “Tusculum” – Flöte aus dem 14 Jh. liefert als konkret erhaltenes Stück einen Anhaltspunkt: sie ist aus Metall gefertigt, 14 cm lang und mit 6 Fingerlöchern versehen. Ca. 1840 begann die maschinelle Produktion von Tin Whistles durch Robert Clarke in Manchester (Weißblech mit Holzblock im Mundstück).

Heute gibt es vor allem Tin Whistles aus verschiedenen Metallen, Metallen mit Plastikmundstücken, Holz- oder Plastik. Gegriffen wird auf 6 Fingerlöchern (keine Daumenlöcher) und die Whistle ist praktisch diatonisch (bis auf die Variationsmöglichkeit zwischen kleiner und großer Septe). Neben der gängigsten Tonart D sind mittlerweile auch zahlreiche andere Tonarten erhältlich. Die große Schwester der Tin Whistle ist die Low Whistle und sie erklingt eine Oktave tiefer.

Folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Tonarten: (Tonumfang der Whistle beachten!)

Tonart
der Whistle

Dur
Tonarten
Moll
Tonarten
C
C/F
d/a
D
D/G
e/h
E
E/A
fis/cis
F
F/B
g/d
G
G/C
a/e
A
A/D
h/is
Bb
Bb/Eb
c/g
H
H/E
gis/cis


Thomas Rünker

Angefangen hat es bei mir, sicherlich wie bei vielen anderen Folk-Fans auch, mit den Pogues. Als ich damals die Musik zum ersten mal gehört habe, war ich fasziniert von dem Klang der Flöte. Ich habe dann des öfteren versucht mit einer Blockflöte diverse Stücke mitzuspielen, bin aber schnell an meine Grenzen gestoßen. Konnte ja auch nicht wirklich funktionieren. Nach diversen Recherchen bzgl. Typ und Tonarten der Tin Whistle habe ich mich dann für eine D- und C-Dur Flöte entschieden. Eigentlich auch die gängige Tonart für Folk-Songs. Ihr könnt auch eigene Songs in verschiedenen anderen Tonarten schreiben (z. B. Es-Dur), müsst dann die Tonart der Flöte anpassen. Danach war lustiges mitspielen kein Problem mehr. Noten für die Flöte konnte ich nie. Habe immer alles nach Gehör gespielt und wenn die Finger einmal am Laufen waren ging alles von alleine.


2. Worauf sollten Einsteiger achten ?

Birgit Muggenthaler

Die Wahl der Whistle ist sehr stark abhängig von Geschmacksfragen des Klangs und der Spielgewohnheiten. Welchen Klang bevorzuge ich? Sehr hauchig oder direkter? (Instrumente mit zylindrischem corpus und aufgesetztem Mundstück haben meist einen direkteren Klang, als jene aus einem Stück und konischem Verlauf); Weicher oder härter? Lauter oder leiser? Welche Art Spieler bin ich: der “Kräftigbläser” oder der Schwächere? Kräftiger zu blasende Instrumente haben den Nachteil des höheren Luftverbrauchs, lassen dafür aber mehr Gestaltungsmöglichkeiten des Tons (Zwerchfellarbeit) zu und klingen oft lauter. Wie und wo will ich das Instrument einsetzen? die Tin Whistle ist nicht als stimmbares Instrument gedacht, jedoch gibt es mittlerweile Instrumente mit beweglichen Mundstücken, so kann in gewissem Umfang gestimmt werden, was in live Situationen oft von großem Vorteil sein kann.

Für jeden Anfänger ist wichtig, die Intonation der Flöte zu überprüfen, d.h. bei kontinuierlichem Luftstrom sollten die gegriffenen Töne innerhalb einer Oktave einigermaßen sauber erklingen. Leider gibt es hier manchmal Defizite und ab einem gewissen Tempo lassen sich die Unsauberkeiten nicht mehr durch Blasdruck ausgleichen. Auch sollte das Verhältnis der überblasenen Oktave zur unteren stimmen, d.h. nicht viel zu hoch oder tief sein. Darüber hinaus gelten dieselben optischen Kriterien, wie bei anderen Flöten auch: Löcher sauber gearbeitet, keine Spreisel in der Flöte, keine Verarbeitungsreste (Plastikfetzen etc. ) im Mundstück (einfach von oben reinschauen), keine Risse im Holz. Also, es geht nichts über Ausprobieren. Vorsicht: billiger Preis heißt hier auf keinen Fall schlechte Flöte!

Folgendes richtet sich an Anfänger mit Blockflötenkenntnissen: Ihr habt den Vorteil, dass Eure Finger trainiert sind und Ihr wisst, wie man einen Ton definiert beginnt, beendet und auch gestaltet. ABER: vergesst die allzu engagierte Artikulation und die klassische Korrektheit. Irisch folk wird meist in langen Legatobögen gespielt und im herrlich unkorrekten “jazzy feeling” gefühlt. Also, man kann den großen Meistern des Folk nie lange genug zuhören und davon lernen und im Zweifelsfall lieber mal ein Pint mehr getrunken – für´s legäre Feeling!


Thomas Rünker

Günstige Flagolets findet man in jedem guten Musikladen für kleines Geld. Mit 8 bis 10€ Euro ist man meistens dabei. Reicht völlig aus und als Tonarten würde ich D- und C-Dur empfehlen. Wer noch ein paar Euros über hat, kann sich gerne noch eine G-Dur Flöte mitnehmen. Ist aber nicht unbedingt notwendig. Vom Klang her habe ich immer die messingfarbenen mit rotem Mundstück gewählt. Die chromfarbenen klingen härter.


3. Wo bekommt man Hilfe ?

Birgit Muggenthaler

Unter www.tinwhistlekurse.de (Herbert Bartmann) und www.tinwhistle.de/ (Tin Whistle Zentrum) bleibt fast keine Frage offen. Auch unter www.tin-whistles.de findet Ihr Infos. Gute Lehrbücher und Tutorien zu fairem Preis gibts z.B. bei www.folkfriends.de.


Über die Autoren

Birgit Muggenthaler

Birgit_MuggenthalerBirgit Muggenthaler ist ausgebildete Landschaftsarchitektin. Sie singt und spielt Blockflöte, Whistle, Dudelsack, Rauschpfeife, Schalmei und Drehleier, daneben Klavier, Querflöte und Kontrabass. Ab 1997 trat Muggenthaler mit der Band „Flansch“ auf, die französische Tanzmusik spielte. Kurze Zeit später gründete sie die Folkbands „Faun“ und „Schandmaul“ mit. Während bei Faun mit historischen Instrumenten zunächst Volksliedhaftes, später so genannter Paganfolk gespielt wurde, ist Schandmaul aufgrund der Verwendung elektrisch verstärkter Gitarren dem Folkrock zuzuordnen. 2000 verließ Muggenthaler Flansch und Faun; 2004 gab sie ihren ursprünglichen Beruf auf und studierte an der Berufsfachschule für Musik in Plattling Blockflöte und Ensembleleitung. Neben ihren Musikprojekten unterrichtet sie Dudelsack und Flöte. Zusammen mit Ulrike Fritsch veranstaltet sie „Spielkurse“ in Agatharied in Oberbayern. Bisher sind mit „Schandmaul“ sechs Alben erschienen. Seit 2004 arbeitet Birgit Muggenthaler erneut mit Oliver Pade von „Faun“ unter dem Namen „Sava“ zusammen und hat zwei Alben mit neuer Folkmusik herausgebracht. Nach dem ersten, Aire (2004), liegt der Schwerpunkt bei Metamorphosis (2008) mehr auf alter Musik.

Links:

www.schandmaul.de
www.sava-music.com
www.spielkurse-agatharied.de

(Quelle: Wikipedia)

Thomas Rünker

Thomas_RuenkerHilfe liegt meistens in Form von kleinen Liederfibeln bei den Flöten bei. Auch bekommt man im Handel komplette Sets mit Übungs CD’s. Allerdings sind die Flöten klanglich nicht so toll. Und natürlich bietet das Internet viele Infos an. Die beste Übung ist immer noch: CD seiner Lieblings-Folk-Band einlegen und lustig mitspielen. Bei den Dubliners und Pogues funktioniert dies am besten. Das hat bei mir auch hervorragend geklappt. Danach kamen 12 Jahre Praxis bei LADY GODIVA. Nach Gründung der Band habe ich dort die Tin Whistle gespielt und teilweise den Gesang übernommen. Unter www.ladygodiva.de gibt es reichlich Infos und diverse lustige Musikstücke. Als wir uns dann 2006 aus beruflichen Gründen aufgelöst haben, wurde 2007 die Band Kings & Boozers gegründet.  Hier trafen sich einige Mitglieder von Lady Godiva wieder und ich wurde an den Gesang verbannt.

So, ich hoffe das ich euch weiterhelfen konnte und vielleicht sieht man sich ja mal auf einem unserer Konzert. Ihr seid recht herzlich eingeladen.


Wikipedia

Weitere Informationen: http://de.wikipedia.org/wiki/Tin_Whistle

Weitere Artikel in dieser Serie:

  1. Bodhran ~ Instrumentenkunde Teil 1
  2. Keltische Harfe ~ Instrumentenkunde Teil 2
  3. Banjo ~ Instrumentenkunde Teil 3
  4. Great Highland Bagpipes ~ Instrumentenkunde Teil 4
  5. Akkordeon ~ Instrumentenkunde Teil 5
  6. Mandoline ~ Instrumentenkunde Teil 6
  7. Geige ~ Instrumentenkunde Teil 7
  8. Bouzouki ~ Instrumentenkunde Teil 8
  9. Tin Whistle ~ Instrumentenkunde Teil 9(This post)
  10. Querflöte ~ Instrumentenkunde Teil 10
  11. Concert Flute ~ Instrumentenkunde Teil 11
  12. Akustische Gitarre ~ Instrumentenkunde Teil 12
  13. Uilleann Pipes ~ Instrumentenkunde Teil 13
  14. Kontrabass ~ Instrumentenkunde Teil 14

Autor/in: 186 Beiträge | » Website

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