Acoustic Revolution
Shamrock Castle 2012

Talking Water, Ibachhaus Schwelm 06112009

von

titel

Talking Water – das ist Musik für die ruhigen Momente, aber weder einschläfernd noch banal, sondern voll Abwechslung und Überraschungen. Das Quartett war am Freitag im Saal des Schwelmer Ibachhauses zu erleben. Mal still und unergründlich, mal fließend und lebhaft: das Bild vom Wasser im Gruppennamen ist ziemlich passend.

Kerstin Blodig und Ian Melrose waren mir als herausragende Musiker der akustischen Szene bekannt. Unter dem Namen Kelpie spielen der in Berlin lebende Schotte und die Deutsch-Norwegerin keltisch-skandinavische Musik. Bei Norland Wind treten sie u.a. mit zwei Clannad-Mitgliedern auf. Beide Formationen hatten mich live bereits überzeugt. Mit Talking Water war es nicht anders. Dort haben sie sich mit zwei Multi-Instrumentalisten zusammengeschlossen, die eher aus dem Pop-Bereich kommen. Sie alle verbindet die Freude am Experimentieren und Arrangieren. Das ergab einen entspannten Abend mit sehr vielfältigen Klangeindrücken.

Urs Fuchs ist dem einen oder anderen vielleicht als Bassist von Farfarello bekannt. Am Mini-Schlagzeug wechselte er sich ab mit Wolfram Cramer v. Claussbruch, der ansonsten sein Keyboard, aber auch Akkordeon oder Kleinst-Harfe sehr geschickt einsetzte. Alle Vier sangen außerdem, wobei mir die unbegleitete Mouth Music aus Schottland besonders gut gefiel. Kerstin Blodigs Stimme ist betörend schön. Sie interpretiert  eigene Lieder, die in verzauberte Welten entführen, ist aber auch eine gute Gitarristin.Von traditionellen Balladen wie dem House Carpenter bis zur freien Improvisation spannte sich der Bogen. Bekannte Reels wie Flowers of Edinburgh oder Jenny Nettles waren als Duett von Low Whistle und Mandoline zu hören.

Den einzelnen Künstlern wurde am Anfang des 2. Set viel Raum für Soli gegeben. Ian Melrose hat sich als Fingerstyle-Gitarrist einen Namen gemacht und nimmt hörbar Einflüsse anderer in Berlin anzutreffender Musikkulturen auf. Seine Dobro war leider nur bei einem Stück im Einsatz. Kerstin Blodig setzte ein Loop-Gerät ein, um ein norwegisches Tanzlied mehrstimmig live zu singen. Die Zuhörer waren spürbar beeindruckt.

Wohl kaum jemand hatte vorher ein “Hang” gesehen oder gehört, eine Kreuzung aus Ufo, Wok und Steeldrum, dem Wolfram C. mit den bloßen Händen interessante Melodien entlockte. Mit Cajon und Bodhran bis hin zu Schüttelglöckchen hatte die Perkussion erheblichen Anteil an den Arrangements. Insgesamt war die Musik eingängig und strahlte Wärme aus, Sonnenstrahlen im trüben November.

Jörg Surrey am Mischpult sorgte dafür, dass das vielfältige Instrumentarium und der Gesang mit genau der richtigen Dosis Soundeffekt ausgestattet waren. Dem altersmäßig eher gesetzten Publikum gefiel es bestens; es ließ sich sogar gegen Ende zum genau getimtem Einsatz der „Perkussionsorgane“ animieren.

Der geräumige Veranstaltungsort in einer restaurierten Klavierfabrik erwies sich als sehr angenehm. Kein Getränkeverkauf störte den Musikgenuss, Wein und Wasser gab’s im abgetrennten Foyer. Die Sitzreihen im 400 Besucher fassenden Saal waren knapp zur Hälfte besetzt. Es wäre nicht verwunderlich, wenn  beim nächsten Auftritt von Talking Water erheblich weniger Plätze frei blieben.

Noch ein Tipp für die Weihnachtszeit: Am 19.12. tritt Tom Daun (Harfe) im Ibachhaus auf.

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Über kuec

Zwei Dinge faszinieren mich an Folk-Musik besonders: die mündliche Überlieferung mit ihren verschlungenen Wegen und der Einblick in andere Lebenswelten aus der Perspektive der Betroffenen. Neben meiner Leidenschaft für live-Musik habe ich mich immer wieder mit den Hintergründen dieser „Kultur von unten“ beschäftigt. Ich bin mit gemeinsamem Musizieren aufgewachsen. Meine Instrumente sind Geige, akustische Gitarre und E-Bass. Gespielt habe ich in Orchestern, Folk-Gruppen und Oldie-Bands. In den Neunzigern habe ich Konzertberichte für eine südwestfälische Lokalzeitung verfasst und freue mich, dem Schreiben über Musik jetzt online nachgehen zu können. Hier bei celtic-rock.de pflege ich seit 2008 die Wissens-Abteilung. Schaut doch mal bei den classics oder in unserer Bücherecke vorbei. Und nicht vergessen: keep music live!

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