Shamrock Castle 2012
Acoustic Revolution

Celtic Alley auf dem Kiez

von

HSV - Celtic GlasgowGlasgow Celtic spielt in der Europaliga in Hamburg gegen den HSV. Warum sollte man da als Musikjournalist drüber berichten? Ganz einfach: Das Spiel wurde als Anlass genommen, die alljährliche im Februar stattfindenden St. Pauli Celtic Supporters Party in die Woche des Spiels vorzuverlegen; zum einen wegen des Fußballspiels, zum anderen wegen der Tatsache, dass St Pauli im Jahr 2010 sowieso eine große 100 jährige Vereinsjubiläumsparty im Mai veranstalten wird.

Und so hat der St Pauli Celtic Supporters Club zwei Tage lang Programm für die alle aus der ganzen Welt (die meisten allerdings aus UK und Irland, aber auch u.a. aus der Schweiz) anreisenden Celtic Fans auf die Beine gestellt, das wieder einmal ihresgleichen sucht.

Für mich hieß das Motto: „Nur mittendrin ist gut genug für eine richtige Berichterstattung“.

Mittwoch Abend Knust (Tiocfaidh ár lá! Up the Celts!)

Der sympathische und schon etablierte Laden zwischen dem Pferdemarkt und dem Karoviertel ist voll mit fröhlichen Menschen, die es verstehen, zu feiern. Ich bin leider etwas zu spät für den Opener vor Ort erschienen. Auf der Bühne spielen die „Millerntor Brigade“ ihren neuen, dem FC St. Pauli gewidmeten, Song und die Stimmung ist hervorragend. Nach einer kurzen Umbaupause präsentiert der Glasgower Gary Og in Hamburg erstmals seine neue Band, „The Exiles“. Gary Og war vor einigen Jahren bereits solo auf der Supporters Party und spielt heute ein ähnliches Programm, bestehend aus vielen Rebel Song Klassikern und Celtic Hymnen. Die Band ist sehr gut eingespielt und verleiht den Songs den nötigen Druck. Garys Stimme ist herrlich kratzig und melancholisch zugleich. Schade, dass die Exiles noch kein Album auf dem Markt haben.

Ich empfehle deswegen mal bei Youtube zu gucken

YouTube Preview Image

oder Sunday Bloody Sunday.

Nach gut 80 Minuten verlassen sie die Bühne um noch Platz für ihr Kollegen zu machen.

Den Abschluss des Abends macht die bereits etablierte „Republican Band“ „Shebeen“, ebenfalls aus Glasgow. Gleich ihr Opener „The SAM Song“ ist Programm. Partystimmung mit eindeutiger politischer Botschaft: Ein vereintes freies Irland. Das Publikum feiert die Band und singt alle Songs lautstark mit.

Mit den Songs „Back home in Derry“ von Bobby Sands geschrieben oder „Joe MacDonnell“, beide im Hungerstreik gestorben, wird an sie erinnert. „Garvaghy Road“ ist eine etwas abgewandelte Form von „Fields of Athenry“, in dem sich der Ärger über die alljährliche protestantische Parade durch das katholische Viertel in Drumcree ausdrückt.

Die Band überzeugt und das Publikum feiert sie und die von ihnen interpretierten Songs bis zum Ende.

Backstage verschafft mir der Sänger „Podgie“ noch zwei Karten im Celtic-Fanblock für das Fußballspiel am nächsten Tag. Damit hatte ich nicht mehr gerechnet. Kann es besser laufen

Donnerstag Mittag Knust (St Pauli and the Celts are here!)

Da ich noch arbeiten muss, schaffe ich es nicht ganz pünktlich zur Eröffnung des zweiten Tages um 13.00, den Shebeen diesmal beginnen und so erklingt während ich erschein das vor Kraft und Melancholie nur so strotzende großartige Lied „Willie & Danny“ der „The Exiles“ über Daniel Doherty and William Fleming (Mitglieder der Provisional IRA), die im Dezember 1984 von der SAS heimtückisch in Derry erschossen wurden. Das Programm ist ähnlich wie am Vorabend aber ungeheuer intensiv. Die Zuschauer trinken, tanzen und singen erneuet alle Lieder mit und es kommt einem vor, als hätte es gar keine Nachtpause gegegeben. Ein Celtic Fan erzählt von seinem Ausflug über die Reeperbahn, die an diesem Tag in „Celtic Alley“ umgetauft wurde. Gary Og berichtet von einem Glasgower der versehentlich und schockiert bei einer Transe statt einer weiblichen Prostituierten gelandet ist. Die Stimmung ist mal wieder sehr sympathisch und authentisch.

Bevor sich die Fans auf den Weg zur S-Bahn Station begeben, kommen nochmal alle Musiker und sogar der FC St. Pauli Sicherheitsbeauftragte Sven Brux auf die Bühne, um gemeinsam die beste Version von „Celtic Symphonie“ zu singen, die ich je gehört habe. Die Stimmung ist auf dem absoluten Höhepunkt.

Donnerstag Abend im Stadion (Can you hear the Hamburg sing? Noooo)

Gegen 17.00 macht sich dann die 3000 Mann große, grün-weiss-braune Crew auf, um das Spiel im Stadion zu sehen. Es wurde ein Sonderzug eingesetzt, der jedoch nur für ein Drittel der Fans reichte, da der HSV nicht mit einem so großen Ansturm gerechnet hatte (oder bewusst darauf aus war, die Celtic und St. Pauli Fans lieber spät ins Stadion zu lassen).

Und so sind auch wir erst eine Viertelstunde nach Spielbeginn im Stadion. Die Stimmung war jedoch weiterhin phänomenal. Immer wieder und überall wurden Fansongs angestimmt und alle haben mitgegrölt. „Can you hear the Hamburg sing? Noooo, noooo“, “We love you, we love you, we love you and that’s the way we follow, we follow, we follow,…” (übrigens von den FC St. Pauli Ultras übernommen).

Das Spiel auf dem Rasen endet 0:0. 3000 Celtic Fans haben sich jedoch eindeutig gegen alle anderen 42.000 im Stadion mit ihren Songs durchsetzen können. Diese sog. „Fussballstadiongesangskultur“ kann man nur hoch bewerten und mittendrin zu sein ist selbst im „Stadion bei der Müllverbrennungsanlage“ ein Erlebnis.

Hoffentlich bleibt diese Tradition noch lange erhalten und wie gern würde ich selbst mal in den Celtic Park („Paradise“) nach Glasgow.

Fotostrecke

Es wird der Adobe Flash Player benötigt und im Browser muss Javascript aktiviert sein.


Über Marcel

Shamrocknroll, FC St. Pauli, In Search Of A Rose

Autor/in: 57 Beiträge | » Website

Alle Artikel von Marcel

Hinterlasse einen Kommentar

Deine Email-Adresse wird niemals veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.

 

Zum Anfang springen 

Copyright © 2007 - 2012 celtic rock music | Kontakt / Impressum