Mandoline ~ Instrumentenkunde Teil 6
von celtic-rock
Als Instrumentenpate für die Mandoline steht uns erneut Gran E. Smith von Mr. Irish Bastard zur Verfügung, welcher uns vor geraumer Zeit schon tatkräftig beim Banjo unterstützte.
1. Warum Mandoline?
Die Idee, dieses Instrument erlernen zu wollen, hatte ich 1992 während eines Levellers-Konzerts. Zu sehen und zu hören wie Simon Friend aus diesem kleinen Ding so coole Sounds rausholt hat mich sehr begeistert. Da war es nicht schwer die Frage nach meinem Geburtstagwunsch zu beantworten. Meine erste Mandoline war (und ist) eine der Firme Aria. Auch heute noch ein schönes Teil. Das Besondere an Mandolinen ist, dass jede der vier Saiten doppelt vorhanden ist. Dadurch entsteht der charakteristische Klang dieses Instruments. Aufgrund der geringen Saitenlänge produziert eine Mandoline vor allem Töne im höheren Frequenzbereich, was sie zu einer sehr runden Ergänzung jeglicher Musik macht. Wer sich nichts unter einer Mandoline vorstellen kann – „Losing My Religion“ von REM wird wahrscheinlich jeder kennen. Das tragende Instrument in diesem Lied ist eben eine Mandoline.
2. Worauf sollten Einsteiger achten?
Die Entscheidung Mandoline zu erlernen ist ein recht risikoloses Unterfangen. Bereits für eine Hand voll Euros gibt es recht ansprechende Instrumente. Für den Einsteiger nicht zu empfehlen sind jedoch die bei eBay oft sehr günstig angebotenen gebrauchten Mandolinen mit bauchigem Resonanzraum. Die Dinger lagen oft jahrelang in Kellern oder auf Dachböden; der Hals verzogen, die Saitenlage für den Eimer, von Bundreinheit gar nicht zu sprechen. Daran hätte man sicherlich keine Freude. Heutzutage gibt es zwei bevorzugte Varianten dieses Instruments, die beide einen flachen Resonanzraum aufweisen. Die einfachen tropfenförmigen A-Mandolinen und die teilweise aufwändig verzierten F-Mandolinen. Letztere sind an der charakteristischen „Schnecke“ und Cutaway am Korpus, sowie am deutlich höheren Preis zu erkennen. F-Mandolinen findet man vor allem in Bluegrassbands. Klanglich habe ich zwischen beiden Varianten noch keinen ernsthaften Unterschied festgestellt. Für den Einsteiger reicht in jedem Fall eine günstige A-Mandoline. Ob mit oder ohne Tonabnehmer bleibt einem selbst überlassen. Es ist ohne weiteres möglich eine akustische Mandoline nachträglich mit einem Tonabnehmer auszustatten. Ich selber spiele live eine Godin-A8-Mandoline. Dieses Instrument ist allerdings für den Live-Einsatz optimiert. Sie hat einen hervorragenden Tonabnehmer und produziert absolut keine Rückkopplungen. Für Studioaufnahmen oder kleinere Sessions, bei denen keine Verstärkung benötigt wird, nehme ich eine Morgan Monroe MFM-300 Mandoline. Diese Firma bietet hervorragende Instrumente zu einem sehr guten Preis an. Leider gibt es zurzeit (soweit ich weiß) noch keinen deutschen Vertrieb, so dass man sich bei Interesse direkt an die Firma wenden muss.
3. Wo bekommt man Hilfe?
Ich hatte zum Erlernen der Mandoline nur eine Grifftabelle und ein paar Platten mit irischer Musik, die ich dann mehr oder weniger erfolgreich versucht habe nachzuspielen. Deshalb hat es dann einige Zeit gedauert, bis ich meinen Mitmenschen etwas auf diesem Instrument vorspielen konnte ohne ernsthaftes Entsetzen auszulösen. Gerade bei der Mandoline ist es sehr wichtig, dass die Saiten nicht im Geringsten verstimmt sind. Ein wenig daneben und es klingt sehr hässlich. Aber heutzutage gibt es ja zum Glück das Internet. Dort findet man Grifftabellen für die Akkorde (eine Mandoline hat nur vier Doppel-Saiten – dadurch sind die meisten Griffe sehr einfach) und sehr gute Lehrvideos auf YouTube. Fleissige Mandolinenspieler haben dort Videos hochgeladen und zeigen wie man eine Mandoline stimmt, wie man Akkorde greift und Einzeltöne spielt, bis hin zu schnellen Jigs und Reels. Sehr empfehlenswert! Eine Internetseite möchte ich dem geneigten Leser noch empfehlen: www.mandolincafe.com. Dort gibt es tonnenweise Informationen, Hörproben, gebrauchte Instrumente, Tabulaturen usw. usw.
Über den Autor:
Gran E. Smith spielt seit 1992 die Mandoline. Von 1992 bis 2002 war er Mitglied der Punkband „Haufen“, wo er die E-Gitarre und Mandoline spielte sowie 1995 Gitarrist in der Hardcore/Metalband „SMABP“. Von 1996-2006 war er Mitglied der Irish-Folk Band „One 4 The Road“, wo 5-String Banjo sowie wiederum die Mandoline bedient wurden. Ab dem Jahre 1999 kam zusätzlich das Tenorbanjo zum Einsatz. Seit 2006 spielt er bei „Mr. Irish Bastard“ Banjo und Mandoline. Die Band hat eine EP und ein Album in Europa sowie je eine Best-Of-Album in China und Japan veröffentlicht. „Mr. Irish Bastard“ ist kontinuierlich auf Tour. Neben den eigenen Bandverpflichtungen ist er gelegentlich als Produzent, Komponist und/oder Gastmusiker diverser Filmvertonungen, Werbespots oder Musikproduktionen zu hören.
Wikipedia
~GetWIKI(Mandoline)~
Weitere Artikel in dieser Serie:
- Bodhran ~ Instrumentenkunde Teil 1 (28. Mai 2009)
- Keltische Harfe ~ Instrumentenkunde Teil 2 (28. Juni 2009)
- Banjo ~ Instrumentenkunde Teil 3 (28. Juli 2009)
- Great Highland Bagpipes ~ Instrumentenkunde Teil 4 (28. August 2009)
- Akkordeon ~ Instrumentenkunde Teil 5 (29. September 2009)
- Mandoline ~ Instrumentenkunde Teil 6(This post) (29. Oktober 2009)
- Geige ~ Instrumentenkunde Teil 7 (27. November 2009)
- Bouzouki ~ Instrumentenkunde Teil 8 (28. Januar 2010)
- Tin Whistle ~ Instrumentenkunde Teil 9 (28. Februar 2010)
- Querflöte ~ Instrumentenkunde Teil 10 (29. März 2010)
- Concert Flute ~ Instrumentenkunde Teil 11 (29. Juni 2010)
- Akustische Gitarre ~ Instrumentenkunde Teil 12 (29. September 2010)
- Uilleann Pipes ~ Instrumentenkunde Teil 13 (29. Oktober 2010)
- Kontrabass ~ Instrumentenkunde Teil 14 (29. November 2010)

Mai 2012:
April 2012:
März 2012:













Schöner Beitrag “Grammy Smith”. Ohne die Mandoline von Rudi hätten wir In Search Of A Rose erst später gründen können. Das Ding war der Anfang. The Waterboys Frontman Mike Scott spielt sie sehr oft. Das sollte hier noch erwähnt werden finde ich. Ausserdem wurde die Mandoline schon in den frühen 70ern bei Yes und Led Zeppelin eingesetzt. Beste Grüße aus Hamburg, Marcel
Ja, toller Artikel!
Wenn eine komplette Band am spielen ist, finde ich es teilweise schwierig rauszuhören, was Mandoline und was Banjo ist. Bei den Pogues z.B. ist die Mandoline doch meistens für die Begleitung (Akkorde) und das Banjo für Melodien zuständig, oder???
@Marcel ; Ist das in dem Song “I Danced With John Travolta” eine Mandoline oder ein Banjo (gemeinsam mit der Geige im Refrain)? Ich kann den Song inzwischen auf der Mandoline spielen, bin mir aber nicht sicher, womit ihr das eingespielt habt….
da hat ISOAR ja bald einen Auswechselspieler
I Danced With John Travolta wird nur mit Banjo gespielt. Ein Banjo klingt in der Regel tiefer als eine Mandoline. Wenn du ISOAR mal live erlebt hast, wenn sie das Akustik-Set spielen, kannst du hören, wie Banjo und Mandoline nebeneinander als Melodie-Instrumente klingen.
Bei den Pogues kann man das schwer verallgemeinern. Ausserdem spielt Jem Finer meist ein 5 String Banjo, welches im Bluegrass gespielt wird und nicht das irische Tenor Banjo. Terry Wooeds spielt häufig eine Mandola, die ist eine Oktave tiefer als die Mandoline oder ein Bouzuki.
hoffe, das hilft ansatt zu verwirren
Jo, dat hilft! Vielen Dank! ISOAR möchte ich gerne mal live sehen. Ich kontaktier dich demnächst mal, ich veranstalte ja auch gelegendlich Konzerte…
