Vier australische Gentlemen – Ein Interview mit The Rumjacks
von Roisin Dubh
Will von den Rumjacks (Australien) berichtet in einem E-Mailinterview über die Pläne einer Europa-Tournee, der Suche nach einem Vertrieb, Rauchzeichen als Alternativen zum Handy, Liedern die Landschaften beschreiben und den Ursprüngen der Band.
Roisin Dubh: Hast Du Lust die Rum Jacks unseren Lesern kurz vorzustellen? Ich habe gelesen ihr habt vorher alle schon in vielen anderen Bands gespielt. Habt ihr damals schon ähnliche Musik gemacht oder war es etwas völlig anderes?
Will: Als Johnny und ich uns kennen gelernt haben hat er in einer Rockabilly Band gespielt und sich gerade dazu entschlossen das zu gründen, was jetzt The Rumjacks sind. Als ich in Melbourne gelebt habe war ich kurz Mitglied bei Mutiny, und ich habe dort unten eine eigene Folkpunk Band gegründet. Anthony war in der Punk Band Bastard Squad aus Melbourne (und ist zu ihnen auf die Bühne gesprungen als die Rumjacks neulich mit ihnen gespielt haben.).
Roisin Dubh: Wann wurde die Band gegründet wie und habt ihr zueinander gefunden?
Will: Johnny und ich haben uns in Sydney getroffen. Wie sich heraus gestellt hat lebten wir beide in der gleichen Gegend, ungefähr eine Stunde außerhalb der Stadt. Frankie haben wir in unserer Stammkneipe gefunden. Er war ein Stammgast der mit der Idee spielte eine Folk Rock Band zu gründen. Also haben wir ihn eingefangen. Man muss über Johnny wissen das er wirklich jeden in der Sydneyer Band Szene kennt, und er kannte Anthony, der uns bei einer unseren frühen ‘road-test’ Shows in der größten Gemeinde der Blue Mountains, Katoomba, gesehen hatte. Als wir einen Schlagzeuger gesucht haben ist er direkt eingestiegen. Unseren Gittaristen Gabriel haben wir bei einer Tattoo Messe in der Stadt, bei der wir gespielt haben, gefunden.

Roisin Dubh: Wie kam es zum Bandnamen? Dazu gibt es doch bestimmt eine interessante Story
Will: Naja, hinter dem Namen verbirgt sich keine wirklich Geschichte. Eines Nachts im Pub habe ich den Vorschlag gemacht und er schien wirklich zu funktionieren.
Roisin Dubh: Welche Bands haben euch beeinflusst?
Will: The Pogues, The Clash, The Corries, The Dubliners, Steeleye Span, Flogging Molly, Darkbuster, Weddings, Parties, Anything, Roaring Jack, Mutiny, Dropkick Murphys, Rancid, Tom Waits, Bombshell Rocks, Billy Bragg, The Real McKenzies, Kate Rusby, The Tossers, The Clancy Brothers, The Popes, Mr Irish Bastard, Against Me!, Blood Or Whiskey
Roisin Dubh: Du hast ein paar, mehr oder weniger, neue europäische Bands erwähnt. Wie gut kennst Du die europäische Musikszene?
Will: Ich bin mir nicht sicher wie gut ich die Szene kenne, aber ich habe jede Menge europäischen Folk Rock und Folk auf Seiten wie Paddyrock Radio und Shite’n'Onions gefunden. Ich habe mir sogar ein Mr Irish Bastard T-Shirt gekauft. Das war noch in der selben Woche in der ich auf sie gestossen bin!
Roisin Dubh: Ihr habt bis jetzt zwei EPs veröffentlicht, wie kommen wir in Europa daran?
Will: DERZEIT kann man sie online bei Pug Music bestellen (www.pugmusic.com)
Roisin Dubh: Das ist klasse, es ist hier manchmal sehr schwer an australische Sachen ran zu kommen. Aber Du hast „derzeit“ betont?
Will: Falls jemand einen Vertrieb für uns kennt lasst es uns so schnell wie möglich wissen!
Roisin Dubh: Wie viele Shows habt ihr bis jetzt gespielt und wie viele Leute kommen zu euren Shows?
Will: Wir spielen immer, es gibt kaum einen Freitag oder Samstagabend an dem wir kein Konzert geben. Ich bin nicht gut im Schätzen von Besucherzahlen, die variieren natürlich. Wir haben Konzerte gegeben bei denen Leute nicht mehr reingelassen wurden weil es so voll war. Aber natürlich geben wir auch kleinere Konzerte, wir nennen das „Familien Konzerte“
Roisin Dubh: Eure aktuelle Tour führt euch durch halb Australien. Bei den gewaltigen Entfernungen kann ich mir fast nicht vorstellen, dass ihr nur im Van unterwegs seit, wie reist ihr?
Will: Wir fliegen, dank zweier Fluggesellschaften die sich einen Preiskampf liefern
Roisin Dubh: Ich kenne viele Bands und eigentlich alle haben ein paar Anekdoten auf Lager, was ihnen schon alles Verrücktes auf Tour passiert ist. Wie sieht es bei euch aus?
Will: Ja und nein. Wir haben weite Parameter was als verrückt zählt. Glaube es, oder glaub es nicht, wir sind sehr zivilisiert (individuell und zeitlich, das war nicht immer so) Gabriel and Anthony sind immer ausgesuchte Gentleman. Ich trinke nie. Johnny und Frankie trinken wie Farmer, nicht wie Banditen. Macht das Sinn für Dich?
Roisin Dubh: Das macht Sinn. Punk Rock ist mehr als Dir die Haare bunt zu färben, ständig betrunken zu sein und Leute zu ärgern. Das mag ab und zu recht lustig sein, vielleicht sogar eine ganze Zeit lang, aber es wäre es nicht qualvoll dieses Klischee ein ganzes Leben lang zu leben? Die meisten (Punk)-Musiker die ich kenne sind die umgänglichsten und zuverlässigsten Menschen die ich je getroffen habe. Hast Du also vielleicht eine lustige Geschichte die nichts mit völlig besoffen sein zu tun hat?
Will: Johnny lässt, wenn er nüchtern ist, seine Hosen genauso oft runter wie wenn er besoffen ist. Ich weiss nicht wie viele Leute das lustig finden, vielleicht ist das eine Verhaltensstörung. Ich finde es jedenfalls sehr lustig. Eigentlich sind Stories über den betrunkenen Johnny McKelvey, oder vielmehr die seines betrunkenen Alter-Egos ‘Wild Ronald’ McKelvey, sehr unterhaltsam.
Roisin Dubh: Als Europäer interessiert mich natürlich ob ihr Pläne habt auch in Europa auf Tournee zu gehen.
Will: Ja, die Planungen laufen langsam zusammen. Da sind ein paar sehr gute Band Line-ups im Gespräch, aber das werden wir später bestätigen
Roisin Dubh: Wow, das klingt wirklich vielversprechend. Und Du machst mich mit den möglichen Band Line-ups ziemlich neugierig. Wollt ihr euch mit anderen Australischen Bands zusammen tun oder wird es ein internationales Line-up? Kannst Du schon sagen um welche Jahreszeit das sein soll oder ist es noch zu früh um darüber zu reden
Will: Anthony ist unser Internationaler Band- Verbindungs- Beauftragter. Ich höre die Sachen immer nur zwischen Tür und Angel…
Roisin Dubh: Habt ihr einen Lieblingsort an dem ihr am liebsten spielt und an welchem Ort würdet ihr gerne einmal auftreten?
Will: Hier unten spielen wir unwahrscheinlich gerne in Brisbane und natürlich haben wir unsere Lieblings Clubs in Sydney. Wir sind heiß darauf in Japan zu spielen und das liegt nächstes Jahr auch im Bereich des Möglichen.
Roisin Dubh: Das klingt richtig cool. Japaner scheinen Folk-Punk zu lieben. Ich verstehe eigentlich gar nicht so richtig warum, aber dort muss es ein riesiges Interesse an dieser Art von Musik geben. Hast Du eine Erklärung?
Will: Ich habe den Eindruck dass die Japaner einfach sehr offen gegenüber allen möglichen Musikstilen sind. Und sie scheinen wirklich viel von High-Energy Musik von Rockabilly über Punk bis zu Psycho-Ceilidh zu verstehen.
Roisin Dubh: Um was geht es in euren Texten und von was lasst ihr euch inspirieren oder beeinflussen wenn ihr Songs schreibt?
Will: Frankie schreibt unzüchtige Lieder die eigentlich sehr australisch sind im Bezug auf ihr Wortspiel. Er schreibt über schlechtes Benehmen, Frauenzimmer und Alkohol und sowas, obwohl er auf der neuen EP auch einen sehr eindringlichen Song hat. Das ist die Kehrseite der Medaille zu Liedern wie ‘I Belong To Glasgow’ und diesen ganzen Sachen. Es ist ein Proletariats Lied aber nicht auf die stumpfsinnige “ Ich bin ganz unten aber stolz” Tour. Ich finde es sehr düster. Es handelt von einem Mann der sich mit seiner passiven Existenz abgefunden hat, der das gleichzeitig akzeptiert und doch sauer ist, aber nie auch nur irgendwie die Absicht hatte etwas dagegen zu tun. Ich mag die Tatsache, dass das eine Variation des Themas ist.
Meine eigenen Lieder sind mehr Geschichten als reale Erzählungen. Ich plane das nicht, aber ich kann keine „und dann hat er / sie das getan“ Lieder schreiben. Gut, ich habe das früher gemacht, aber jetzt schreibe ich Sachen die das Wesen des Characters mit der Landschaft, seiner Umgebung oder was auch immer kombinieren
Roisin Dubh: Welche Musik / welche Bands hörst Du im Moment?
Will: Eins meiner Lieblingsalbums ist Grant Lee Buffalo’s ‘Mighty Joe Moon’, I habe das immer dabei. Wenn es jemals eine Aufnahme mit Liedern gegeben hat, die die inneren und die äußeren Landschaften verschmelzen, dann ist es dieses.
Roisin Dubh: Noch zwei Fragen kurz vorm Schluss: Weißt Du noch welches Dein allererstes Album war?
Will: Das erste Album an das ich mich erinnern kann, von dem ich gesehen habe das es gekauft wurde, war The Dubliners, ‘Dubliners Now’. Das war als Jim McCann in der Band war. Ich war ungefähr drei Jahre alt und bin mit meinem Vater zum Konzert in der Sydney Town Hall gegangen. Ich kann mich immer noch an die Mystik des Ganzen erinnern.
Roisin Dubh: Was ist der Klingelton von Deinem Handy?
Will: Ich habe kein Handy. Ich lehne es ab Geld für diese Scheiß Mobilfunk Anbieter durchs Klo zu spülen. Ich schicke Rauchzeichen mit meinen Zigaretten.
Roisin Dubh: Möchtest Du unseren Lesern noch etwas mitteilen?
Will: Nur dass wir hoffen, dass ihr unsere Musik mögt. Und wir hoffen inständig zu euch zu kommen und viele Freunde zu gewinnen.
Roisin Dubh: Ich drücke euch die Daumen, dass ihr sehr bald die Chance habt nach Europa zu kommen und ich habe keinen Zweifel daran, dass ihr hier viele Freunde gewinnen werdet.
Vielen Dank für das Interview.
Will: Cheers, Roisin Dubh!
Das Interview führte Roisin Dubh mit Will Swan, The Rumjacks
Homepage | Myspace
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