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Irish Folk Balve, Opening 06.08.2009

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balve1Ein herrlicher Sommerabend im Sauerland. Trotzdem drängen sich rund tausend Menschen in eine Höhle, um zwei unbekannte Gruppen zu erleben, die Irish Folk spielen. Das ist Balve am vergangenen Donnerstag – wohl doch keine „Randgruppenmusik“. Der freie Eintritt mag seinen Teil dazu getan haben, dass Leute aus dem weiten Umkreis unter der Woche die Fahrt nach Balve unternahmen, am kostenpflichtigen Freitag und Samstag fiel der Besuch aber kaum schlechter aus. Das jährliche Festival hat sich offenbar den Ruf geschaffen, dass gute Stimmung herrscht, egal ob bekannte Namen auf dem Programm stehen oder nicht.

Meine Wahl war auf den Eröffnungstag gefallen, da ich auf beide Bands neugierig war. As Seirbhis aus Bochum hatten vor zwei Jahren als Nachwuchsband die Umbaupausen auf der kleinen Bühne überbrückt und einen guten Eindruck hinterlassen.

seanÜber die Whiskey Kings war nur in Erfahrung zu bringen, dass sie aus Kilkenny stammen und letztes Jahr in Rüsselsheim aufgetreten sind. Fotos zeigten Akkordeon und Bouzouki, so dass trotz des Namens nicht mit einem Dubliners-Abklatsch zu rechnen war.
Programmgestalter Sean Reeves, dem auch bei Sommerhitze die Tweedkappe fest auf dem Kopf sitzt, hatte mal wieder ein gutes Händchen.


In Dublin sieht man viele Busse, die scheinbar dorthin unterwegs sind, da sie „As Seirbhis“ anzeigen. Das bedeutet aber „außer Dienst“. Die Bochumer Gruppe dieses Namens war 2003 entstanden, um eine Abi-Feier zu umrahmen. Durch verschiedene Studienaufenthalte war das Quintett zeitweise „out of service“, ist jetzt aber wieder komplett.

Die Besetzung:

Vera – Gitarre, Bodhran
Jan-Peter -  Flöten,  Mandoline, Banjo, Mundharmonika
Marc – Gesang, Bodhran
Jelena – Geige, Gesang, Schlüsselfiedel
Michael – Gitarre, Knopfakkordeon

Die Fünf schienen sich auf der großen Bühne recht wohl zu fühlen und lieferten eine beachtliche Leistung ab. Die ruhigen Töne standen im Mittelpunkt. Auch bei bekannten Songs brachten sie eigene Interpretationen; Ride On ist sicher noch nicht oft mit Tenorblockflöte instrumentiert worden. Die Schlüsselfiedel, ein Kreuzung aus Geige und Schreibmaschine ;-) , hatte die Geigerin aus Schweden mitgebracht.  Besonders gelungen waren der Blacksmith mit interessanter Zupfbegleitung  und der Galway Farmer von Show of Hands. Spätestens bei dem bretonisch/deutschen Was sollen wir trinken hatten sie die Höhlenbesucher auf ihrer Seite. Frontmann Marc Linstädter blieb locker und überzeugte als Sänger. Mit dem a capella von allen Fünfen gesungenen  Parting Glass (wow!) war noch nicht Schluss, erst nach zwei Zugaben wurden As Seirbhis entlassen.

Der Umbau zog sich etwas in die Länge, so dass die Whiskey Kings erst zur besten irischen Abendstunde, nach zehn, loslegen konnten. Und das taten sie dann so richtig. Die Jig- und Reel-Sets wechselten sich ab, bekannte und unbekanntere Songs, viel geredet wurde nicht. Es gab weder Flöte noch Geige, was da zum Einsatz kam, war schon ein wenig lauter. Knopfakkordeon, Banjo und Bouzouki trugen die Melodie, Gitarre und Bodhran sorgten für den rhythmischen Drive. Kompakt und immer geradeweg. Dazwischen mal ein Slow Air, das unbegleitet gesungene Skibbereen oder ein allerliebster französischer Walzer. Dann ging es wieder zur Sache, etwa mit Music for a found Harmonium. In Jeans und Hemd saßen die Herren unschätzbaren Alters auf ihren Stühlen und waren über den freudigen Empfang in Germany wohl etwas verwundert. Die Leute kamen in Bewegung, sogar ein Stage-Diver aus dem Publikum enterte die Bühne. Die Band verzichtete weitgehend auf Showeinlagen, allein den barfüßigen Bodhran-Spieler aus der Nähe zu beobachten, war unterhaltsam genug. Wie lässig kann man ein Schüttel-Ei schütteln?
Die hinteren Ränge leerten sich, als es auf Mitternacht zuging, was der Stimmung keinen Abbruch tat. Man rückte eben weiter zur Bühne auf. Und so mag es noch ein Weilchen weitergegangen sein, entspannt, mit Spaß und der Kraft der Musik vertrauend. So lieben wir sie, die Iren.


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Über kuec

Zwei Dinge faszinieren mich an Folk-Musik besonders: die mündliche Überlieferung mit ihren verschlungenen Wegen und der Einblick in andere Lebenswelten aus der Perspektive der Betroffenen. Neben meiner Leidenschaft für live-Musik habe ich mich immer wieder mit den Hintergründen dieser „Kultur von unten“ beschäftigt. Ich bin mit gemeinsamem Musizieren aufgewachsen. Meine Instrumente sind Geige, akustische Gitarre und E-Bass. Gespielt habe ich in Orchestern, Folk-Gruppen und Oldie-Bands. In den Neunzigern habe ich Konzertberichte für eine südwestfälische Lokalzeitung verfasst und freue mich, dem Schreiben über Musik jetzt online nachgehen zu können. Hier bei celtic-rock.de pflege ich seit 2008 die Wissens-Abteilung. Schaut doch mal bei den classics oder in unserer Bücherecke vorbei. Und nicht vergessen: keep music live!

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