Von Motorrikschas, Lammspießen, Dirty Old Town, dem Sensemann und spontanen unplugged Konzerten
von daniels
Mr. Irish Bastard China-Tour-Tagebuch 2009
Im Mai 2009 rockten Mr. Irish Bastard von Peking über Shanghai, Wuhan, Zhengzhou, Anyang, Tianjin bis Beijing. Sagt Euch nichts? Wir waren auch mal wieder nicht dabei, dafür schrieb Jan fleißig Tour-Tagebuch und läßt uns mit seinen Texten und Fotos an der Reise teilhaben.
Wie es dazu kam
Wir haben im Mai 2009 ein Album bei dem chinesischen Label „Proletopia Records” veröffentlicht. Deren Angebot, parallel dazu eine Tour in China zu spielen, konnten wir nicht ausschlagen. Hier kommt das Tourtagebuch. Der erste Teil wurde direkt vor Ort geschrieben, der zweite Teil wurde Zuhause ergänzt.
Viel Spaß beim lesen.
Peking
Der Flug war überraschend angenehm. Emirates ist eine Fluglinie, die allerhand Komfort bereit hält.Es gibt ständig was zu essen und jeder Sitzplatz hat einen Monitor mit Spielkonsole und diversen Filmen.So vergehen 13 Stunden wie im Flug…
In Peking angekommen wurden wir mit Umarmungen von Dee und Joe von Gum Bleed und deren Onkel abgeholt. Der Onkel hat einen grossen Wagen, in den wir dann doch nicht alle rein passten. Deshalb wurde zusätzlich ein Taxi gechartert. Die 1 stündige Fahrt zum Hotel kostete dann tatsächlich schlappe 10 Euro. So kann man es aushalten.
Das Hotel liegt direkt im ältesten Teil von Peking, was extrem spannend ist. Es ist alles ziemlich heruntergekommen, bzw. für unser Auge ärmlich aber dennoch sympathisch.
Wir wurden dann um 0 Uhr noch zu köstlichem Essen und Bier auf der Strasse eingeladen. Es gab gegrilltes (Hund, Katze, Maus?) und Gurke und Erdnüsse. Gegen halb drei wollten wir dann doch endlich ins Bett fallen.
Was für ein famoser erster Abend.
Nach zillionen Stunden Schlaf wurde die nahe Umgebung erkundet. Viele kleine Hinterhöfe und Kleinküchen und nach 10 Minuten waren wir schon am Platz des himmlischen Friedens. Riesig!
Extrem ist allerdings der Smog, der über der ganzen Stadt hängt. Die Pekinger sind sehr freundlich und humorvoll und wir haben großen Spaß, hier zu sein.
Den Rückweg zum Hotel haben wir in einer Motorrikscha bestritten. Da wird nicht gebremst, nur gehupt.
Jetzt sitzen wir im Internetcafe und warten auf unser erstes Konzert im D22.Das Cafe ist rappelvoll. Die Pekinger sitzen hier am Freitagabend und spielen irgendwelche Computerspiele.
Tianjing.
Tianjing ist eine riesen Stadt mit einem unglaublichen Smogproblem. Es ist quasi dunkel, was aber nur an den Abgasen liegt. Ansonsten alles sehr beeindruckend.
Die letzten 3 Tage haben wir in Peking verbracht. Es gibt so viele Eindrücke, dass es schwer fällt, einen Bericht in geordneter Reihenfolge zu schreiben.
Chinesen sind sehr freundlich, humorvoll und hilfsbereit. Außerdem kommunizieren sie sehr gerne. Selbst die, die kein Englisch können, erzählen uns einfach was, wenn sie was sagen wollen und stören sich nicht daran, dass wir kein Wort verstehen.
Das erste Konzert im D22 war extrem heiß. Wir waren nass geschwitzt aber glücklich, dass wir auf einer Pekinger Bühne stehen und die Leute mit uns abfeiern.
Danach gab es wieder leckere Lammspieße mit Reis und Gemüse. Für 13 Personen kostet das umgerechnet 25 Euro inkl. reichlich Bier. Ein Doppelzimmer in unserem Hotel kostet 15 Euro….
Am nächsten Abend haben wir im Mao live house gespielt, dem beliebtesten Club der Stadt und vielleicht sogar der beste, in dem wir je waren. Perfekte Technik, eine große Bühne und toller Sound.
Es war auch super besucht und die Stimmung war nicht zu toppen. Besonders Dirty old town ist hier sehr populär. Ein großartiges Konzert, vielen Dank!
3 Leute der Band haben dann bis 8 Uhr morgens gefeiert und sehen jetzt dementsprechend aus.
Nach Tianjing sind wir mit dem Zug gefahren, was ein ordentliches Abenteuer ist. Die Züge sind sehr voll aber es herrscht eine interessante Stimmung. Wenn jemand etwas laut erzählt hören alle interessiert zu und mischen sich ein. Es wird gelacht und ruck zuck sind 2 Stunden vergangen.
Jetzt bringen wir die Zeit bis zum nächsten Soundcheck rum. Vermutlich gehen wir nochmal Lammspiesse essen.
Eine spannende Reise geht weiter, wir melden uns. Leider können wir noch keine Bilder schicken.
Wo war ich stehen geblieben?
Das Konzert in Tianjing war leider nur mäßig besucht aber die Anwesenden haben eine riesen Stimmung gemacht. Der Veranstalter hat sogar vor Glück geweint – wann erlebt man das schon mal?
Peking
Am nächsten Tag ging es mit einem Hochgeschwindigkeitszug mit 330 km/h zurück nach Peking, wo wir 2 freie Tage verbracht haben.
Wir haben gegrillte Skorpione und (Peking-) Ente gegessen.
Es ist unglaublich heiß bei schönstem blauen Himmel. Wir haben die verbotene Stadt besucht und garantiert echte Rolex Uhren für 7 Euro gekauft. Celvin Klein Unterhosen (tatsächlich mit “e”) kosten 70 Cent.
Das Fahren mit den Motorrikschas ist ein neues Hobby von uns geworden. Brandgefährlich aber sehr spaßig.
Morgen geht es nach Wuhan, was eine Zugreise von 6 Stunden bedeutet. Da soll es noch heißer sein. Vielleicht hätte ich doch eine kurze Hose einpacken sollen…
Unser Trommler Ivo ist hier übrigens ein totaler Exot. Ständig wollen sich Leute mit ihm fotografieren lassen. Die Mädchen kreischen vor Begeisterung. Er genießt es still.
So, das war es für heute. Ach so, ein Sack Reis ist noch umgefallen.
Anyang
Habe ich geschrieben, wir fahren nach Wuhan? Stimmt nicht, es ging nach Anyang. Das ist eine mittelgroße Industriestadt mit ca. 7 Millionen Einwohnern, die anscheinend noch nie Leute wie uns gesehen haben. Wir werden bestaunt wie Außerirdische. Der Zirkus ist in der Stadt!
Die Luft hier ist unglaublich schlecht. Man könnte meinen, es wäre neblig, aber tatsächlich nehmen einem die Abgase die Sicht und man hustet mit den Eingeborenen. Wer hier kein Lungenleiden bekommt ist mächtig hart im nehmen. Auf der 6,5 stündigen Zugfahrt von Beijing hierher war es wieder einmal interessant zu beobachten, wie wildfremde Menschen auf einmal miteinander ins Gespräch kommen und so wirken als wurden sie sich schon ewig kennen. Es wird munter geplaudert und zwischendurch heißes Wasser für die obligatorischen Nudeln besorgt, die lautstark geschlürft werden. Sind alle Chinesen einfach eine große Familie? Das Konzert im 5 Star Club war extrem verrückt. Als offensichtlich erste westliche Band waren alle Anwesenden sehr aufgeregt. Die Mädchen kreischten und jeder hatte eine Kamera mit und hat uns fotografiert oder gefilmt. Es wurde trotz fehlender Englischkenntnisse mitgesungen und fleißig applaudiert. Nach der Show wollte jeder noch ein Foto mit den großen Menschen mit den riesigen Nasen machen. Lustig!
Um 2 Uhr waren wir dann im Hotel. Für 17 Euro gibt es ein tadelloses Doppelzimmer. Sagt es eigentlich etwas über die Qualität eines Hotels aus, wenn man beim Einchecken Kondome bekommt?
Eben haben wir noch CDs gekauft, die ca. 1 Euro kosten. Rammstein und Sarah Connor werden auch angeboten.
Chinesen scheinen nachts wenig zu schlafen. Dafür nutzen sie tagsüber jede Gelegenheit um kurz einzunicken: Die Verkäuferin mit dem Kopf auf der Ladentheke, die Dame vom Hotel auf einer Pritsche hinter der Rezeption. Stress, Hektik und Aggression scheinen hier unbekannt zu sein. Dennoch sind die Chinesen sehr geschäftstüchtig. Jeder hat irgendwas zu verkaufen und versucht, besonders den Touristen die Waren schmackhaft zu machen. Um alles wird aber erst mal gefeilscht. Den ursprünglich genannten Preis kann man um mindestens 50% drücken. Angetrunken auf dem nächtlichen Weg nach Hause werden wir allerdings jedes mal wieder beim Kauf von Wasser und Schokolade übers Ohr gehauen…
In den riesigen Bahnhöfen werden am Eingang alle Koffer und Taschen durchleuchtet. Auf die Frage, ob das ein Schutz gegen Terroristen sein soll, antwortet unser chinesischer Begleiter “Was sind Terroristen?” Interessant.
Das Thema Schweinegrippe wird hier sehr ernst genommen. Am Flughafen wird man mit Wärmekameras gescannt und wir haben einen Deutschen kennengelernt, der aufgrund einer leicht erhöhten Temperatur rausgewunken wurde um 7 Tage seines 2 wöchigen Urlaubs in Quarantäne zu verbringen.
Die Jungs von Gum Bleed (die Band, mit der wir hier unterwegs sind) finden, dass unser Banjospieler aussieht wie Monkey King. Monkey King ist Chinas famosester Cartoon Held. Er ist stärker als alle bislang bekannten Superhelden und sogar mächtiger als die Götter. Ungewöhnlich ist, dass diese erwachsenen Menschen ernsthaft an Monkey King und seine Fähigkeiten “glauben”. Immer, wenn wir fragen, ob dieser oder jener stärker als Monkey King sei, heißt es empört “No, No! Monkey King is stronger than everyone!” und “Monkey King never dies!”
Zhenzou
Am nächsten Tag geht es mit dem Zug nach Zhengzhou. Wieder über 6 Std. Einmal Münster – Zürich.
Das 7 live house ist ein guter Laden. Leider spricht der Techniker auch kein Wort Englisch, so dass mit Händen und Füssen und mit der Hilfe unserer chinesischen Kollegen von Gum Bleed erklärt werden muss, dass wir eigentlich diverse DI Boxen für Banjo und Mandoline etc. brauchen . Da es diese aber leider nicht gibt muss improvisiert werden, was auch gut funktioniert.
Den meisten Chinesen fehlt ein Enzym zum Abbau von Alkohol. Deshalb hat Chinesisches Bier nur 3,3 % Alkohol. Da es uns damit dann doch etwas mühsam wurde, haben wir uns am Kiosk Whisky gekauft. Der ist allerdings mit knapp 20 Euro sehr teuer.
Das Konzert war besonders interessant, da ein Chinese mittleren Alters fast pausenlos einen Hitlergruss präsentierte. Nicht, um uns zu provozieren, sondern weil er es damit todernst meinte.
Das kam beim Gespräch nach dem Konzert raus, in dem er erzählte, was für ein großer Freund des Faschismus er wäre. Das schmeckte uns nicht sonderlich und den Jungs von Gum Bleed erst recht nicht und so wurde der Herr einmal durch den Saal gekickt und nach draußen befördert. Dann sollten wir schnell unsere Sachen packen und uns aus dem Staub machen. Es wäre nämlich gut möglich, dass der Hitlerjunge gleich mit seinen Froinden wieder käme. Das hätten wir gerne erlebt! „Deutsche Band von chinesischen Nazis bedroht!” Das wäre doch mal eine Schlagzeile gewesen. Es tat sich aber nichts.
Gegen 0 Uhr gab es dann Essen in einem klitzekleinen Lokal neben dem Club. Ich rate mal auf insgesamt 12 qm. Draußen regnete es inzwischen ganz ordentlich und es tropfte durch das Dach auf die Tische. Lauschig.
Während ich diese Zeile schreibe kann ich mich nicht erinnern, wo wir übernachtet haben. Wir sind aber bestimmt mit dem Taxi dort hin gefahren…
Wuhan
Die nächste Zugreise führt uns nach Wuhan. Übrigens können wir nicht bestätigen, dass Chinesen drängeln oder sich rücksichtslos benehmen, wie in Reiseführern beschrieben wird. Das Einsteigen lief immer ganz gesittet ab.
Da alle Sitzplatzreservierungen haben, gibt es auch keine Diskussionen.
Wir überqueren den „langen Fluss”, der auch noch SEHR breit ist.
In Wuhan werden wir von Freunden von Gum Bleed abgeholt und wieder in Taxen verfrachtet. Wuhan ist RIESIG und hat was von Las Vegas. Ich war noch nie in Las Vegas aber so stelle ich mir das vor. Überall Lichter und Geblinke und Glückspielwerbung.
Wir fahren ca. 40 Minuten mit dem Taxi und landen dann beim Vox, einem recht grossen Club, der viel versprechend aussieht und es auch ist.
Wir überspringen Soundcheck, eine talentfreie Lokalband und den famosen Auftritt von Gum Bleed und entern gegen 22 Uhr die Bühne. Es erwarten uns über 300 Zuschauer, die richtig Lust haben, Alarm zu machen. Der Applaus ist atemberaubend und wir fühlen uns sehr erfolgreich. Es wird getanzt und rumgeschrien, als würde es morgen verboten. Eins der besten Konzerte überhaupt.
Wu-hei, der Sänger von SMZB, einer der erfolgreichsten Chinesischen Punkbands betreibt nebenan eine Irish Bar und überredet uns, anschließend noch ein unplugged Konzert in seinem Laden zu spielen. Na, warum auch nicht?! Es wird Whiskey gereicht und die Songs werden irgendwie neu interpretiert. Lustig war´s auf jeden Fall.
Übernachten sollten wir irgendwo außerhalb in einem Hinterhof in einem Matratzenlager, in dem schon Leute lagen und diverse Hunde und Katzen wohnten.
Wir mussten leider riskieren, unsere Gastgeber maximal zu beleidigen und das Angebot abzulehnen. Das war uns doch eine Spur zu siffig. Also wurde die bandeigene Kreditkarte gezückt und das nächste Hotel aufgesucht.
Das war doch eher was für uns. Gute Nacht!
Da es nach Shanghai kein Katzensprung ist, wollten uns die Gum Bleed Boys am nächsten Morgen um 9 Uhr abholen. Inzwischen war es 4 Uhr nachts. Was machen die Deutschen also? Sie sitzen um 9 Uhr abholbereit im Eingangsbereich und warten. Warten etwas länger. Auf einmal kam die Dame von der Rezeption, die übrigens auch kein Englisch sprach, mit einem Telefon zu unserer Whistle Spielerin Lily. Am anderen Ende der Leitung war ein völlig fremder Mann. „Ihr wollt also zum Vox Club, um Euro Sachen zu holen?” „Äh ja, aber wer sind sie denn?” „Sagen wir, ich bin ein Freund!” Das ganze zog sich eine Weile hin und dann konnte der Herr der Dame vom Hotel die chinesischen Schriftzeichen diktieren, die uns zum Vox führen sollten. Das ist deshalb so wichtig, da die Taxifahrer weder englisch sprechen, noch mit den uns geläufigen Schriftzeichen etwas anfangen können. Die Gentlemen von Gum Bleed hatten sich nämlich bislang nicht blicken lassen.
Wir überspringen die Taxifahrt zum Vox, die Erkenntnis, dass Gum Bleed wohl verschlafen haben und die Erkenntnis, dass wir den Schnellzug nach Shanghai nicht mehr erwischen würden.
Wir schalten wieder ein, als ich im Taxi mein Testament schreibe. Das geht Gott sei dank sehr schnell, da ich nichts zu vererben habe. Ich übertreibe nicht, wenn ich von ernsthafter Todesangst spreche! Die Fahrerin versucht den Stau zu umgehen, indem sie mit Vollgas auf die Gegenspur fährt, auf der natürlich auch reichlich Verkehr unterwegs ist. Auf die warnenden Lichtsignale der entgegenkommenden Autos reagiert sie mit Dauerhupen. Ich rufe Dee, der ebenfalls unangeschnallt auf dem Beifahrersitz sitzt, zu, dass ich noch nicht sterben will. Er lächelt entspannt. Wie macht er das nur?
Immer wieder gelingt es der Fahrerin, ihren Wagen in letzter Sekunden wieder in die rechte Spur einzufädeln und dem Sensemann ein ums andere mal von der Schippe zu springen. Ich habe bereits mit allem abgeschlossen. Wenn es also in Wuhan mit mir zuende gehen soll, in Ordnung. Da ich davon berichten kann, scheinen wir überlebt zu haben. Aber knapp!!
Shanghai
Wir überspringen die Erkenntnis, dass wir den Zug tatsächlich verpasst haben und neue Tickets gekauft werden müssen und besteigen den nächsten Schnellzug. Den haben wir tatsächlich komplett für uns. Will niemand nach Shanghai?Die Ausstattung ist einem ICE ähnlich. Sehr angenehme 6 Stunden warten auf uns. Es wird ein wenig Schlaf nachgeholt.
Dann: Shanghai.
Waren die anderen Städte schon RIESIG, dann ist Shanghai RIESIG RIESIG!
Die Taxifahrt vom Bahnhof zum Club dauert 1 Std.. Schon mal versucht, ab dem Münsteraner Bahnhof 1 Std mit dem Taxi zu fahren? Dann ist man aber schon mindestens in Dortmund.
Gewaltige Hochhäuser und blinkende Werbetafeln von internationalen Konzernen machen klar, dass das hier wohl nicht Wanne Eickel sondern eine ernstzunehmende Weltstadt ist.
Da selbst diese gewaltige Stadt dem Verkehr nicht mehr gewachsen ist, verlaufen die Strassen teilweise auf 3 Ebenen. Wir ziehen unsere Hüte vor den Stadtplanern.
Das 021 rick ist ein charmanter kleiner Club mit improvisiertem Equipment, das aber erstaunlich gut klingt.
Wir treffen Sota, unseren Labelboss aus Japan, der extra von Tokyo nach Shanghai geflogen ist um uns zu sehen. Was für ein netter Kerl…und er hat auch noch Sake mitgebracht!
Das Konzert war eher mäßig besucht, was für einen Samstagabend natürlich schade ist. Allerdings sehen wir zu ersten Mal erwachsene Herren, die vor Begeisterung kreischen!
Nach dem Konzert spricht mich ein Chinese an. Wir hätten seine Meinung über Deutsche verändert. Er war sich sicher, dass Deutsche immer ernst sind und nie sonderlich viel Spaß haben. Wir hätten das widerlegt. Das hört sich gut an und wir haben ihm natürlich nicht erzählt, dass die meisten Deutschen so sind, wie er sich das vorstellt.
Der Besitzer des Ladens entert später auch noch die Bühne um ein paar Songs zum Besten zu geben. Er möchte gerne unsere Gitarre haben, da seine total verstimmt ist. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man keine neue Gitarre braucht, sobald die alte verstimmt ist und helfen ihm schnell dabei, seine wieder flott zu kriegen. Die Songs werden dadurch nicht besser, so dass wir uns recht bald höflich verabschieden.
Unser Hotel ist direkt eine Strasse weiter und nachdem die Koffer verstaut sind geht es nochmal los um ein paar Lammspiesse mit Reis zu essen.
Gut ausgeschlafen entern wir am nächsten Tag Downtown Shanghai. Ein marokkanischer Basar ist ein Witz dagegen. Ständig wird man von Händlern angesprochen „Want a watch? DVD? Cheaper, cheaper!” Wir flüchten erst zu Starbucks, dann zu Pizza Hut.
Der erste Eindruck bleibt: Shanghai ist einfach ZU GROSS!
Abends treffen wir auf Sham 69, mit denen wir heute das letzte Konzert im Yu Yintang spielen. Nette Leute, die tatsächlich schon seit 1975 in Sachen Punkrock unterwegs sind.
Der Laden hat eine Art Biergarten in dem man prima unter Bäumen sitzen kann.
Wir spielen als erste von 3 Bands. Der Laden ist rappelvoll und gut dabei. Besonders Sota ist wieder sehr textsicher und gibt alles. Der Sound auf der Bühne ist ziemlich matschig und wir hauen ein paarmal daneben aber das scheint niemand zu merken. Dee von Gum Bleed unterstützt uns bei „Let go” und es wird ein famoses letztes Konzert.
Anschliessend sitzen wir in grosser Runde im Biergarten und bringen den Chinesen allerhand nutzloses auf Deutsch bei. „Prost, Alter” sitzt auf Anhieb! Wir haben alles gefilmt, freut euch auf die Beweise auf Youtube!
Wir überspringen 38 Dosen Bier und 0,33 Erdinger für 4 Euro, Verabschiedungen von Sota und landen erschöpft aber glücklich wieder in einem Restaurant bei Lammspiessen und Reis.
Der nächste Tag kann noch einmal für Shopping und Sightseeing genutzt werden. Den krönenden Abschluss bildet ein Abendessen „on the bund”, also direkt am Fluss mit Blick auf die Skyline. Atemberaubend! Sowas hat keiner von uns je zuvor gesehen und wer weiss, wann man so etwas nochmal zu sehen bekommt?
Vielleicht nächstes Jahr in Tokyo?!
Wir überspringen 15 Stunden Rückflug incl. Diverser Fläschchen Rotwein und landen im verregneten Düsseldorf.
Was für eine grossartige Reise! Vielen Dank an alle, die das möglich gemacht haben. Wir können jedem raten, der kein Asthma hat: Fahrt nach China!
Fotostrecke
Text und Fotos: Mr. Irish Bastard


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