Bodhran ~ Instrumentenkunde Teil 1
von kuec
Mit keltischer Musik verbindet jeder einen Sound, der von bestimmten Instrumenten geprägt ist. Bei Live – Auftritten hat sich wohl jeder schon Fragen wie diese gestellt: Braucht man viel Puste, um Dudelsack zu spielen? Wie lange dauert es wohl, um mit den vielen Knöpfen und Tasten eines Akkordeons klar zu kommen? Könnte ich auch Mandoline spielen, wo ich doch ein paar Gitarrengriffe beherrsche?
Diese Fragen nimmt unsere neue Serie “Instrumentenkunde” auf. Wir greifen dabei auf das Wissen von Wikipedia zurück, wollen uns aber auch bei kompetenten Spielern als “Paten” erkundigen, was ihr Instrument so besonders macht. Tipps für Einsteiger sollen Euch ermutigen, selbst aktiv zu werden.
Im monatlichem Abstand werden wir unsere Serie fortsetzen. Wir freuen uns auf Eure Resonanz.
Als ersten Paten konnten wir Rolf Wagels gewinnen, der hier unsere Fragen beantwortet. Mehr über ihm unten.
1. Warum Bodhran?
Wem ist sie nicht schon auf vielen Wegen begegnet, die irische Rahmentrommel Bodhrán: Auf Konzerten und in Pubs natürlich, aber auch auf Briefmarken und Plakaten am Flughafen in Dublin. Sie ist ein spannendes Musikinstrument, weil sie so viele verschiedenen Sounds produzieren kann, vom grummelnden , bassigen „Heartbeat”- Sound bis zum Schlagzeugersatz.
Die Spielweise, wie wir sie heute kennen, hat sich erst in den letzten 50 Jahren entwickelt – eine unglaubliche Entwicklung in Design und Spielweise , und diese Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen. Ich habe das Instrument vor 20 Jahren zum ersten Mal gehört und war sofort Feuer und Flamme und bin es heute immer noch. Sie kann die wunderbare irische Musik untermalen, umrahmen und ergänzen. Sie kann bei Songs und Tunes eingesetzt werden und es gibt viele unterschiedliche, meist sehr persönliche Stile. Oft belächelt und zum Teil nicht zu Unrecht in Sessions gefürchtet kann sie doch in den richtigen Händen einen wertvollen Beitrag leisten. Dabei bleibt sie im Kontext der irischen Musik ein Begleitinstrument, aber ein völlig einzigartiges.
2. Worauf sollten Einsteiger achten?
Eine gute Bodhran zu kaufen ist nicht ganz einfach: In einem großen Auktionshaus werden ständig günstige Trommeln angeboten, aber diese sind leider nicht wirklich zu empfehlen, denn häufig fehlt diesen Trommeln genau das, was der Anfänger sucht: Einen warmen, weichen Bass und viele verschiedene Töne. Daher sollte man sich vor dem Kauf genau informieren: Interessanterweise bekommt man gute Bodhráns selten in Musikläden, sondern entweder direkt vom Hersteller selbst oder über ausgewählte Zwischenhändler. Eine ausführliche Kaufberatung gibt es auf meiner Seite zur Bodhran unter www.bodhran-info.de
Es gibt zum Glück auch gute Bodhrans, die nicht viel teurer sind, als die die sich im großen Auktionshaus finden. Aber diese klingen dafür um Längen besser.
Der nächste Schritt ist das Lernen der Spieltechnik. Heute gibt es viele Kurse und Workshops, in denen man das Bodhránspiel erlernen kann. Die bekanntesten sind die BodhránWeekends, die ich seit fast zehn Jahren zusammen mit Bodhránlehrer Guido Plüschke anbiete.
3. Wo bekommt man Hilfe?
Der erste Anlaufpunkt in Deutschland ist das Forum unter www.bodhran.de. Dort finden sich alle Workshoptermine und es gibt eine spezielle Anfängerecke in der viele Fragen geklärt werden können. Unzählige Links zu Bodhránvideos und zu Soundbeispielen und eine sehr aktive Forumsgemeinde machen das Forum besonders reizvoll. Von dort aus kann man die Welt der Bodhrán sehr gut weiter erforschen.
Über den Autor:
Rolf Wagels spielt seit 1993 die irische Rahmentrommel Bodhran. Er hat mit mehreren eigenen Bands (DeReelium, Steampacket, Cara) und als Gastmusiker diverse Tonträger aufgenommen und tourt mit Cara in ganz Europa und den USA. Auch war er in der Dokumentation des irischen Fernsehsenders TG4 über Bodhranmaker Seamus O’Kane vertreten und wurde 2007 an die renommierte Musikhochschule Royal Northern College in Manchester eingeladen, um dort die Bodhrán in einem Workshop und einem gut besuchten Vortrag vorzustellen.
Als erster und einziger “ausländischer” Bodhrán-Lehrer unterrichtete er 2005 bei der größten Bodhrán-Summerschool “Craiceann” auf den Aran Inseln in Irland, ebenso 2006, 2007 und 2008. Für 2009 wurde er erneut eingeladen. Neben Workshops in ganz Deutschland hat er zusammen mit Guido Plüschke die BodhranWeekends als bundesweiten Treffpunkt mit qualifiziertem Unterricht für Bodhranspieler aller Spielstärken und Rahmenprogramm zur Bodhrán etabliert. Mit Bodhranmaker Christian Hedwitschak hat er eine Signature Line nach seinen Vorstellungen entwickelt – die RWE (Rolf Wagels Edition) ist eines der erfolgreichsten Modelle von Christian Hedwitschak. Unter www.bodhran-info.de betreibt er eine der führenden Seiten in Deutschland zum Thema Bodhrán.
Hier zwei youtube- Videos mit unserem Paten:


Bodhrán
Eine Bodhrán ([ˈbɔːrɑːn] oder [ˈbaʊrɑːn]) ist eine irischeRahmentrommel.
Ihr Durchmesser reicht von 20 cm bei sehr kleinen Exemplaren bis hin zu 50 cm bei sehr großen Exemplaren. Der Rahmen ist mit einem Fell (oft Ziegenfell) bespannt und bei Bedarf mit einem Kreuz verstärkt. Für die Spieler ist das Spielen mit oder ohne Kreuz eine Geschmacksfrage. Ursprünglich sollte das Kreuz die Stabilität der Trommel erhöhen, da der Rahmen möglicherweise unter der Fellspannung nachgeben könnte. Eine „gute“ Bodhrán benötigt also das Kreuz nicht unbedingt. Moderne Bodhráns besitzen ein mechanisches Stimmsystem, mit welchem es dem Spieler möglich gemacht wird, entweder einen eher dumpfen, bassigen Klang (lockeres Fell) oder einen helleren Klang (gespanntes Fell) zu erzeugen.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Die Herkunft des Namens „Bodhrán“, sowie deren Geschichte lässt sich inzwischen besser rekonstruieren als noch vor wenigen Jahren, auch wenn noch nicht alle Fragen beantwortet sind. Der Name stammt vom irischen Wort bodhar ab, welches taub, stumpf, benommen oder auch dumpf bedeuten kann. Das Wort Bodharaí steht für einen hohlen Ton, den Klang einer Trommel und so weiter. Vom Wort bodhar leitet sich übrigens seit dem Mittelalter das engl. Wort „to bother“ ab. Bodhar ist heute nicht mehr im Gebrauch. Der früheste Nachweis eines Gebrauchs des Wortes bhodhrán geht auf eine Schrift aus dem 15. Jh. zurück, eine medizinische Anleitung, in der ein aufgeblähter Bauch mit dem Sound einer Trommel (bhodhrán) beschrieben wird. Auch in alten Lexikaeinträgen zeigt sich, dass das Wort Bodhran vor 1827 schon in Gebrauch war. Auf Abbildungen eines irischen Malers (Maclise), die ca. 1850 entstanden sind, sieht man eine Rahmentrommel, bei der die linke Hand des Spielers innen das Fell berührt und die rechte die typische Bewegung auszuführen scheint. Ein Ursprung aus dem Wort Schellentrommel „Tambourine“ ist unwahrscheinlich.
Die Rahmentrommeln können auf frühen Handelswegen nach Irland gekommen sein. Rahmentrommeln sind weltweit vertreten und haben sich eventuell aus Sieben entwickelt, wie sie in frühzeitlicher Landwirtschaft eingesetzt wurden. Wie weitere Forschungen ergeben haben, fanden sich in einigen Bereichen Kerrys schon in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts einige Bodhranhersteller, die damals nicht nur für die lokalen Musiker, sondern auch schon für Touristen gebaut haben, die Bodhrán war also damals schon ein beliebtes Souvenir. Eine erste Aufnahme ist aus dem Jahre 1927 bekannt, zumindest hört man da Flöte und Trommel, ob es sich um eine Bodhrán mit Schellen oder um ein Tambourine handelt, ist nicht bekannt. Die Popularität der Bodhrán steigt seit den 1950ern und 1960ern durch Bands wie The Chieftains, Planxty und Stockton’s Wing stetig an. Trotz ihrer irischen Herkunft erfreut sich die Bodhrán in Bezug auf keltische Musik besonders in Schottland und Neufundland wachsender Popularität.
Spieltechniken
Normalerweise wird die Bodhrán im Sitzen gespielt, wobei sie auf dem Oberschenkel des Spielers steht. Der Rechtshänder berührt mit seiner linken Hand die Innenseite des Fells und kann so durch Druck und verschiedene Handpositionen die Tonhöhe variieren oder Dämpfungseffekte erzielen. Mit der rechten Hand wird die Bodhrán mit einem Holzschlägel, dem „Tipper“, „Beater“, oder „Stick“, gespielt.
Man unterscheidet bei den Schlägen zwischen „Upstroke“ und „Downstroke“ also „Aufschlag“ und „Abschlag“. Der Tipper wird in einer rotierenden Bewegung über das Fell bewegt; um „Verzierungen“ anzubringen, kann man auch einen Doppelschlag ausführen, bei dem beim Downstroke auch der obere Teil des Tippers das Fell berührt (Roll oder Triplet) und so den unverwechselbaren Klang der Bodhrán erzeugt.
Davon abgesehen variiert die Spielweise eines jeden Spielers im Detail ein wenig. So spricht man zum Beispiel vom
- Kerry-Style, bei dem der Tipper zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger (bzw. Daumen, Mittel- und Ringfinger) wie ein Stift gehalten wird. Außerdem beschreibt dieser Stil eine sich etwas mehr auf bloßen Rhythmus konzentrierende Spielweise als beispielsweise der
- Top-end-Style. Dieser bezeichnet den Anschlagspunkt des Sticks, der bei diesem Style nicht wie bei den anderen eher unten oder in der Mitte des Fells liegt, sondern oben. Außerdem liegt hier eine fast vertikale Stickhaltung vor. Im Allgemeinen ermöglicht dieser Stil eine melodiösere Spielweise mit einem hohen Tonumfang.
Häufig kommen aber auch Mischformen der Techniken vor.
Berühmte Bodhránspieler
Johnny ’Ringo’ McDonagh, Colm Murphy, Jim Sutherland, Tommy Hayes, Seamus O’Kane, Mel Mercier, Junior Davey, Frank Torpey, Eamon Murray, John Joe Kelly, Svend Kjeldsen, Caroline Corr, James McNally, Dave King.
Deutsche Bodhránspieler
Klaus Gehrmann, Esther Kuck, Guido Plüschke, Andreas Schneider, Thórralf Schuh, Rolf Wagels, Stefan Klug
Bodhránbauer
Alfonso, Metloef (jeweils aus den USA), Charlie Byrne, Seamus O’Kane, Darius Bartlett, Malachy Kearns (jeweils aus Irland), David Gormlie (Schottland), Norbert Eckermann (Österreich), Brendan White (Holland), Christian Hedwitschak (Deutschland), David Roman Drums (Deutschland).
Bodhrán von Bob Bales mit Kreuz und Mikrofon von hinten | |||
Literatur
- Long Conor: Absolute Beginner’s Bodhran Tutor. ISBN 1-85720-080-2.
- Michael O’Suilleabhain: The Bodhran: An Easy to Learn Method for the Complete Beginner Showing the Different Regional Styles and Techniques. ISBN 0-7866-1594-X.
- Lucy Randall: Goatwacker’s Guide to Rhythm. Eigenvertrieb.
- Steafan Hannigan: Bodhrán Basics. 1996. ISBN 0-946005-87-7.
Weblinks
- private Informationsseite zur Bodhrán von Rolf Wagels
- private Informationsseite von Guido Plüschke
- private Informationsseite von Thórralf Schuh
- private Informationsseite zur Bodhrán für Anfänger
Quelle:
URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Bodhr%C3%A1n
Stand vom 7. August 2010
Weitere Artikel in dieser Serie:
- Bodhran ~ Instrumentenkunde Teil 1(This post) (28. Mai 2009)
- Keltische Harfe ~ Instrumentenkunde Teil 2 (28. Juni 2009)
- Banjo ~ Instrumentenkunde Teil 3 (28. Juli 2009)
- Great Highland Bagpipes ~ Instrumentenkunde Teil 4 (28. August 2009)
- Akkordeon ~ Instrumentenkunde Teil 5 (29. September 2009)
- Mandoline ~ Instrumentenkunde Teil 6 (29. Oktober 2009)
- Geige ~ Instrumentenkunde Teil 7 (27. November 2009)
- Bouzouki ~ Instrumentenkunde Teil 8 (28. Januar 2010)
- Tin Whistle ~ Instrumentenkunde Teil 9 (28. Februar 2010)
- Querflöte ~ Instrumentenkunde Teil 10 (29. März 2010)
- Concert Flute ~ Instrumentenkunde Teil 11 (29. Juni 2010)
- Akustische Gitarre ~ Instrumentenkunde Teil 12 (29. September 2010)
- Uilleann Pipes ~ Instrumentenkunde Teil 13 (29. Oktober 2010)
- Kontrabass ~ Instrumentenkunde Teil 14 (29. November 2010)


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