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Mein Irisches Tagebuch – Tribute to Heinrich Böll

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Cover Irisches TagebuchWahrscheinlich haben schon viele schlaue und intellektuelle, die kleinen und großen Reich-Ranitzkis und Deutschlehrer Abhandlungen über Heinrich Bölls „Irisches Tagebuch” geschrieben. Nun aber, da ich es auch gelesen habe, will ich in ein paar Zeilen auch meinen Senf dazu geben!

Es gibt dieses Irland: wer aber hinfährt und es nicht findet, hat keine Ersatzansprüche an den Autor.

(Zitat aus der Widmung von Heinrich Böll)

Vielleicht ist nicht alles real gewesen. Vielleicht hat die Zeit die von Böll beschriebene Romantik längst aufgefressen und einiges war sowieso nie wahr. Sicherlich wird der Irland-Urlauber von heute auf ein anderes Land, andere Menschen und andere Lebensgewohnheiten treffen, aber in meinem Urlaub im Jahre 2005 habe ich noch ein paar dieser liebenswürdigen Menschen, der verblüffenden Natur und der gelebten Traditionen gesehen. Abseits der grossen Straßen kleine Musiksessions in abgelegenen Pubs.

In Omas Farmhouse ein Frühstück mit zwei Amerikanern, die jedes Jahr eine Woche zum Angeln hierher kommen oder in Dublin von einem Sturmregen erwischt mit ein paar irischen Bankern in einer Suppenbar. Riesige Musiksessions für Touristen, ähnlich einer Après-Ski-Party. Ich habe auch das moderne Irland gesehen, aber dass wird vielleicht ein anderes Mal Thema.

Ihr könnt es noch finden, öffnet Eure Augen und lasst Euch auf das Land Eurer Gastgeber ein, vergesst Eure Erwartungen, vergesst das Irische Tagebuch und lasst Euch treiben…

Hier meine kurze Geschichte:

Auf unserer 14-tägigen Rundreise von Dublin über Galway, den Dingle, Ring of Kerry, Kilkenny, Cork und zurück nach Dublin wollten wir in Killarney eine ältere Auswanderer-Familie besuchen, die in den 80ern den Schritt nach Irland gewagt haben. Sie kauften sich dort ein Stück Grund und Boden, 15 Minuten von der nächsten Landstraße entfernt, mit eigenem Fluss hinter dem bescheidenen Haus. Wie sie später erzählten, war es eine mühsame Zeit, da sie zu Beginn dem Wind und Wetter, der den Boden abtrug, nichts abgewinnen konnten. Die Vorstellung, von den selbst erzeugten Lebensmitteln zu leben, war schnell dahin.

Wir wollten also diese Leute besuchen. Wir hatten einen Leihwagen, eine Adresse, waren zweimal den Ort rauf und runter gefahren und hatten keinen Anhaltspunkt zu unserem Ziel gefunden. Wir stellten unser Auto an den Straßenrand. Der nächst mögliche Passant wurde nach dem Weg befragt. Es war zufällig ein örtlicher Briefträger. Wir hatten ihm mit unserem gebrochen Englisch unser Anliegen formuliert und er war sehr freundlich: „Ja natürlich, die Deutschen mit dem Lenkrad auf der falschen Seite”. Schwups nahm er uns bei der Hand, zog uns zur nächsten Telefonzelle und Schlug das Telefonbuch auf. Hätten wir ihm nicht unsere Münzen aufgedrängt, hätte er auch noch bezahlt. Er kündigte gleich unseren Besuch an und erklärte uns den Weg. Wir fanden es zwar immer noch nicht auf Anhieb, fragten aber noch ein paar Mal, bis wir die richtige Abzweigung fanden.

Dann fuhren wir von der Straße ab, 15 Minuten auf einer Schotterpiste durch Täler und Wiesen. Irgendwann ging es dann nicht mehr weiter, wir waren da. Ein idyllisches Tal, den Fluss gab es wirklich, den Esel, das Pferd und den Schäferhund auch.

Die Eheleute berichteten uns aber auch von den Schwierigkeiten. Das Ersparte hatte nicht lange gereicht. Selbstversorger waren sie nie gewesen und jetzt wo sie knapp über die sechzig sind, öfter mal einen Arzt brauchen und nicht mehr alles so leicht geht, hat dieses kleine Paradies seine Tücken.

Per Telefon besorgten Sie uns kurzfristig eine Unterkunft in einem alten Pfarrhaus.

Auf dem Rückweg erlebte ich dann auch die frei laufenden Tierherden aus Bölls Roman, gigantische Rinder drückten Ihre Hintern an unseren Leihwagen. Wir kamen uns so klein vor. An diesem Tage habe ich vielleicht mehr über Irland erfahren und mehr Irland gesehen, als an den restlichen 13 Tagen auf den Touristenrouten.

Vieles aus Bölls Buch haben wir nicht mehr gefunden, manches konnten wir erahnen, anderes war noch ganz präsent. Auf jeden Fall möchte ich wieder in dieses Land, dass seinen ganz eigenen Charme hat. Auch heute noch.

Und Ihr?

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Fotos: Aus dem Urlaub

Über daniels

Begründer von celtic-rock.de im Sommer 2007.

Im Rahmen der Website übernehme ich zahlreiche Tätigkeiten. Neben den redaktionellen Tätigkeiten sind dies insbesondere technische Administration, Design und Kampagnenoranisation auf Myspace, Twitter und Co. sowie die Radiostation.

Neue Medien beschäftigen mich seit vielen Jahren auch beruflich und die Verbindung mit Musik erscheint mir als besondere Herausforderung.

Aufgewachsen bin ich mit den Pogues und das Konzert in Gießen mit Joe Strummer (1988) zählte zu den Highlights meiner Konzertbiographie. Wieder erweckt wurde die Liebe zu Musik mit keltischen Klängen beim Besuch des Festivals Interceltique de Lorient 2005.

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