Festival 2012
Festival 2012

“ein vor sich hingilbender Zeitungsausschnitt von einer Sportveranstaltung namens Sportsday at Killaloe”

von

Fiddler's Green 2009Interview mit Fiddler’s Green Sänger Albi

Unser Mann im Norden, Marcel, besuchte die netten Franken vor ihrem Konzert in Hamburg in der Fabrik vor ihrer Show und hat so einiges Interessantes von Sänger Albi erfahren.

Moin Albi, herzlichen Glückwunsch zur eurer bisher besten Chartplatzierung (Albumcharts Nr. 52 in Deutschland)!

Warum glaubst du, ist dieses Album das erfolgreichste von euch?

Vielen Dank! Ich denke, weil wir unser neues Konzept zum zweiten Mal umgesetzt haben, im Studio die Songs live einzuspielen und danach erst zu bearbeiten. Das haben wir so auch beim letzten Album gemacht, wobei Pat, unser Gitarrist, damals erst ein paar Monate dabei war. Inzwischen sind wir aber seit zwei Jahren eine eingespielte Band, so dass es einfach noch besser groovt.

Jeder schreibt Songs, wir haben Vertrauen in das Songwriting und wir arbeiten alle super zusammen. All diese Dinge führten dazu, dass wir ein sehr gutes Album gemacht haben und die Leute merken auch, dass sich etwas Grundsätzliches geändert hat.

Wo verkauft ihr neben Deutschland noch eure Alben?

Da habe ich gar keinen Überblick, aber ich weiß, dass es demnächst einen Japan Release geben wird, da wir in der japanischen Rolling Stone Ausgabe eine sehr gute CD Kritik bekamen. In den USA verkaufen wir auch gut über den „CD Baby” Shop und die bekannten Downloadplattformen.

Welches ist dein Lieblingssong auf Sportsday at Killaloe?

Das ist schwierig zu sagen, wechselt auch und derzeit ist es wohl mein ganz eigener Song „Down by the Hillside”, aufgrund meiner derzeitigen Stimmung.

Inwiefern war die kleine Irlandtour inspirierend für das Album?

Naja, der Titel stammt zumindest daher. Auf dem Weg von Dublin nach Kenmare haben wir in diesem Dorf eine Kaffeepause gemacht. In einem Pub war ein vor sich hingilbender Zeitungsausschnitt von einer Sportveranstaltung namens „Sportsday at Killaloe”, wo auch alle Teilnehmer einzeln aufgeführt worden waren. Rainer stand vor diesem Artikel und meinte, ja, so nennen wir die nächste CD. Ich hab ihn für komplett verrückt erklärt und fand es auch abwegig, nur Anfang des Jahres brauchten wir dann Titel und Konzept und der Titel kam uns wieder in den Sinn und dann haben wir alles auf diesen Titel hin konzipiert. Also zusammenfassend kann man sagen, dass der Titel wohl das Inspirierendste der Tour gewesen ist.

Worum geht es inhaltlich in den neuen selbstgeschriebenen Songs?

Es geht um Melancholie aber auch ums Trinken. Pat hat seine fiktionalen Verlierergeschichten erzählt. Die Charakterzüge einzelner Musiker spiegeln sich häufig in den Texten wieder, wenn man weiß, wer was geschrieben hat.

Was war dein musikalischer Beitrag?

Gar nix bis auf „Down by the Hillside”. Doch schon, da ja alles eine Gemeinschaftsproduktion war. Also habe ich auch Anteile.

Wenn Pat mit einem Song ankommt, singt er diesen dann auch automatisch?

Nein, das ist nicht so. Wir probieren immer aus, bei welchem Song welche Stimme besser passt. Z.B. ist der Reggae „Change” von Pat, aber ich singe ihn. Er singt halt mehr so die punkig-rotzigen Songs.

Wie kommt es, dass Pat diesmal so viele Lieder singt?

Ja, sein Einfluss innerhalb der Band ist sowieso deutlich gewachsen. Das ist aber gar kein Nachteil. Ich schätze seine Herangehensweise sehr. Er hat Musikwissenschaften studiert und hat echt einen Überblick über Strukturen und Harmonien, was sehr hilfreich ist.

Inwiefern wird die Show, einen Song live zu spielen, bereits im Studio in der Produktion berücksichtigt? Ich denke da an das Beispiel vom Mittelteil von „Life full of Pain”?

Ja, bei diesem Lied speziell ist es schon so, dass man dachte, oh ja, das ist was,  man hebt die Hände und alle machen mit. Aber generell spielt das für die Produktion keine große Rolle und wir arbeiten nicht auf Effekte hin. Meistens ist es so, dass sich im Laufe der Tour etwas entwickelt, das sich dann fest etabliert. Ich bin auch überrascht, wie viele solcher Gimmicks jetzt doch wieder zustande gekommen sind. „Bugger Off” zum Beispiel, wird am Ende des Konzerts eine Art Publikumsbeschimpfung, wobei sich das Publikum das bitte nicht gefallen lassen soll.

Welche Bedeutung hat das Bühnenoutfit für dich?

Oh, das habe ich früher sträflich vernachlässigt und hat mittlerweile eine große Bedeutung. Auch um in eine Rolle zu schlüpfen. Ich trage eine Bondage Jacke aus Amsterdam, die im normalen Leben komisch aussieht, aber auf der Bühne super wirkt. Ich habe eine Zeit gebraucht, um das so anzuerkennen.

Was ist das Geheimnisses euren Erfolgs?

Inzwischen sind wir eine Band, bei der jeder Lust hat, mit dem anderen zu spielen. Es gibt keinen mehr, der seine Ego-Show auf Kosten anderer durchzieht und negative Energien versprüht Das merken die Leute, sowie die Tatsache, dass wir gute Songs schreiben. Ich mach das jetzt 20 Jahre und hab natürlich auch einen inneren Abstand zu dem Genre bekommen, aber mit Fiddler’s auf der Bühne stehen, ist natürlich fantastisch.

Welche Philosophie verfolgt ihr?

Wir wollen uns gegenseitig fördern und nicht das einer seine Ideen um jeden Preis versucht durchzudrücken.

Wir versuchen das Beste aus allen Ideen zu machen mit Spaß und Engagement. Früher hatte ich beim Proben nie Spaß, aber das hat sich auch geändert. Wir haben erst Anfang des Jahres 2008 begonnen, überhaupt uns richtig für das neue Album reinzuknien. Aber wir hatten bereits nach wenigen Monaten so viele Songs, dass man hätte eigentlich selektieren müssen.

Inwiefern bedient sich Fiddler’s Green aus deiner Sicht an den irischen Klischees?

Wir versuchen spielerisch damit umzugehen und versuchen nicht, wie traditionelle Bands in Fischerhemden und Hosenträgern aufzutreten. Natürlich zitieren wir Elemente aus der Kultur aber wir sind uns auch bewusst, dass wir keine Iren sind und wollen es auch nicht sein. Wir wollen eher das unterbringen, was wir selbst als Künstler sind und ich denke, das gelingt uns ganz gut.

Glaubst du, dass ihr noch mit 60 gemeinsam Musik macht?

Das weiß ich nicht und ich wage auch keine Prognose. Jetzt haben wir zwanzig Jahre und das wären ja noch mal zwanzig Jahre.

Aber ich weiß zumindest, dass die Musik uns so viel Energie gibt, dass das nicht ein Grund zum Aufhören wäre.

Erlebt ihr noch verrückte Sachen auf Tour?

Ja, immer wieder mal zum Beispiel bei diversen After-Show Partys passieren schon mal skurrile Sachen, aber ich möchte gar nicht ins Detail gehen. Eine gewisse Kindsköpfigkeit wollen wir uns ja auch bewahren und das Musik machen stellt für uns auch immer einen gewissen Schutzraum vor dem endgültigen Erwachsenwerden dar. Tja und da passieren halt lustige Dinge.

Wie viel Routine hat sich bereits bei euch eingeschlichen? Wie viel Routine ist gesund?

Große Routine und ich find es gut. Aber nervös oder innerlich erregt bin ich schon noch kurz vor der Show.

In eurem Gästebuch steht ein Eintrag: ich war echt enttäuscht von eurem Konzi im K17. Ich hab euch vor 3 Jahren das letzte mal live gesehen und die damaligen Konzerte waren allesamt großartig. Aber das K17 Konzert … kein einziger Song der ersten Alben, zuviel Gelaber – hat mir nicht gefallen. Den neuen Songs fehlt meiner Meinung nach der Speed im Folk. Klang für mich teilweise wie jede beliebige Folkband – schade! – Das ist doch das Gegenteil von dem , was du behauptet hast.

Das sind subjektive Meinungen und ist auch falsch Außerdem hören wir seit zehn Jahren, dass wir doch mal wieder alte Lieder spielen sollen und wir spielen immer ganz alte Lieder. Das sind Kommentare, die sich stets wiederholen.

Inwiefern hebt ihr euch von anderen Bands dieses Genres (Irish Folkrock) ab?

Ich halte meinen Gesang schon für recht individuell und halte unsere Songs für besser, als die manch anderer Bands, wobei ich mich gar nicht so mit der Szene beschäftige. Wir haben einen anderen Sound, der sich von anderen abhebt, wobei, wenn man ehrlich ist, das auch nur Leute von außen beurteilen können.

Ihr habt noch zwei Shows, dann ist Pause bis April. Was machst du in der Zeit?

Ich werde zunächst andere Jobs machen. Andere fahren in den Urlaub. Nach sechs Wochen Tour ist eine längere Pause mehr als angebracht. Daheim zu sein und entspannen ist gut aber irgendwann fehlt die Droge Musik wieder.

Wer beeinflusst dich musikalisch?

Nickel Creek und Colin Hay find ich sehr gut, sowie die Barenaked Ladies.

Du hast letztes Jahr ein rein akustisches Soloalbum veröffentlicht, sowie eine kleine Tour gemacht. Wie läuft deine Solokarriere, wie lief die Tour und dein Soloalbum?

Nee, nicht so gut, ehrlich gesagt. Es kamen nur ca. 30-50 Leute pro Show und es ist auch ein hartes Brot, da man alles selber machen muss und man steht ausserdem ganz allein auf der Bühne mit Gitarre. Das Spielen hat allerdings sehr viel Spaß gemacht. Das war eine gute Erfahrung.

Was verbindest du mit Hamburg?

Hamburg war die Geburtstunde meines zweiten Standbeins, weil ich ja hier mein Soloalbum aufgenommen habe. Die „Fabrik” ist einer meiner Lieblingsorte. Wir spielen hier seit 1996, die Shows sind immer gut besucht und die Stimmung ist gut hier. Die Leute sind spitze. Aber auch die Stadt und das Schanzenviertel z.B. sind schon sehr speziell..

Was macht eigentlich euer damaliger sympathischer Geiger Tobias Schäfer?

Der ist seit einiger Zeit glücklicher Pfarrer in einem kleinen Dorf, das aussieht, wie aus dem Bilderbuch mit Kirche in der Mitte, daneben das Pfarrhaus und da wohnt er. Da haben wir letztes Jahr auch gespielt.

Vielen Dank für das nette Gespräch und viel Spaß und Erfolg euch heute bei der Show, Albi.

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Bugger Off – Acoustic Waltz Version

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Über Marcel

Shamrocknroll, FC St. Pauli, In Search Of A Rose

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