Von einer “unangepassten, rohen Live-Band, die CD’s veröffentlicht mit mehr als nur zwei guten Songs”
von daniels
Ein Interview mit Kölsch von Across The Border
Heute, am 16. Januar 2009, erscheint offiziell das neue Album „Loyalty” von Across The Border. Nach längerer Schaffenspause und kleineren Umbesetzungen sind sie wieder da. Wir sprachen vorab mit Kölsch (Akkordeon und Gesang) über das neue Album, harte Zeiten, Familie und eine Reunion wie aus dem Bilderbuch.
celtic-rock: Vor zwei Jahren konnte niemand damit rechnen, dass wir uns zu diesem Anlass hier heute wieder unterhalten. Wie lange bist Du schon bei Across The Border und was war passiert?
Kölsch: Jochen (Jake) und ich haben 1991 Across The Border gegründet. Wir haben uns dann 2002 getrennt. Die Gründe waren zum einen, dass unser Schlagzeuger “Fezzo” nach Sambia ausgewandert und Jake nach Freiburg gezogen ist. Und dann haben 11 Jahre Across The Border auch Spuren hinterlassen. Die Doppelbelastung Job und Band war z.B. für mich nicht mehr (er)tragbar.
Es herrschte dann erstmal 3 Jahre totale Funkstille, bis wir uns Ende 2005 zu ein paar Konzerten mit den Irischen Kollegen “Big Bag of Sticks” wieder zusammen fanden. Das sollte eigentlich eine einmalige Sache sein und nur zum allgemeinen Amüsement beitragen. 2006 haben wir uns dann wieder breitschlagen lassen und gaben ein Konzert in der ausverkauften Pforzheimer Jahnhalle. Danach hat es uns dann wieder gepackt und wir haben uns zu einer Reunion entschlossen und auch so langsam mit dem Songwriting für “Loyalty” begonnen, da wir nicht nur die alten Songs wieder bringen wollten, sondern auch die Kreativität und Motivation für neue Songs wieder da war.
celtic-rock: Mit Nicole habt ihr jetzt auch eine Lady an Bord. Kannst Du uns etwas über sie erzählen und wie ihr sie kennen gelernt habt?
Kölsch: Da kamen einige Zufälle zusammen. Als David ausgestiegen ist, hat uns Nicole ein paar Tage vorher über myspace eine “Freundesanfrage” geschickt. Ich habe ihr dann zurückgeschrieben, ob sie nicht jemand kennt, der bei Across The Border als Geiger/in einspringen könnte. Sie hat geantwortet, dass sie das selbst gerne machen würde. Wir telefonierten dann und erfuhren, dass sie gerade mal 10km von uns entfernt wohnt. Nach einer gemeinsamen Probe war klar, dass sie die neue an der Fiddle ist.
celtic-rock: Wie kommt es eigentlich, für einen Rheinländer wie mich von besonderer Brisanz, zum Namen “Kölsch”?
Kölsch: Der Name Kölsch? Tja, Nomen est omen! Nein, eigentlich ist das ganz einfach mein tatsächlicher Familienname.
celtic-rock: Insgesamt scheint mir die Gegend um Karlsruhe herum eine Folk-Punk und Rock Hochburg zu sein. Ich denke da an Ahead To The Sea, The Krusty Moors, Das Easter Rising, Jamie Clarke und die Scatterbrains. Ist das Zufall? Habt Ihr alle untereinander Kontakt?
Kölsch: Ja, wir kennen uns alle. Unser Sänger Jochen singt ja auch bei Ahead to the sea, Nicole hat schon bei Jamie Clarkes “perfect” gespielt und wir haben schon mit den Scatterbrains und schon öfters mit den Krusty Moors Konzerte gegeben.
celtic-rock: Jetzt kommen wir endlich zum neuen Album. Lange haben wir drauf warten müssen und können am Ende froh sein, dass es überhaupt dazu gekommen ist. Es heißt “Loyalty”. Wofür steht der Name?
Kölsch: Das wir uns selbst treu geblieben sind und man an seinen Idealen festhalten soll.
celtic-rock: Das hört sich gut an und an welchen Idealen haltet ihr fest?
Kölsch: Wir bleiben eine unangepasste, rohe Live-Band, die CD’s veröffentlicht mit mehr als nur zwei guten Songs. Wir nennen die Dinge beim Namen und reden nicht um den heißen Brei.
celtic-rock: Nachdem ich das Album nun ein paar Mal angehört habe, finde ich Euch gar nicht so roh
Ihr habt viel Energie und Geschwindigkeit, teilweise einen fetten Sound, der mich an die guten alten Liquido erinnerte und sehr abwechslungsreiche Lieder eingebracht. Wie sind diese Songs zustande gekommen? Wie entstehen Eure Lieder?
Kölsch: In der Regel kommt Jochen mit der Idee einer Gesangsmelodie in den Proberaum. Den Rest arbeiten wir dann gemeinsam aus. Nicole oder ich bauen noch ein oder zwei Soli ein. Der Ablauf und die Arrangements, Geschwindigkeit und ob mit E-Gitarre oder mit A-Gitarre gespielt wird, wird im Team entschieden. Da wir fast alle einen Punk-Rock Background haben, klingen einige Songs eher nach Punk-Rock als nach Folk, das war auch so gewollt. Wir sind eigentlich eine Punk-Rock-Band mit Akkordeon und Geige, die sich auch mal in Folk-Gefilde vorwagt.
celtic-rock: Punk-Rock ist ein gutes Stichwort. Nun habt Ihr auf Eurer Release-Party am 27.12. in Karlsruhe die Songs auch live präsentiert, wie hat es sich angefühlt? Wie war die Stimmung?
Kölsch: Die neuen Songs sind sehr gut angekommen. Wir haben aber auch genügend altes Material gespielt, so dass es ein ausgewogenes Programm war. Wir waren sehr zufrieden und die 950 Besucher ebenfalls. So kann es weitergehen.
celtic-rock: Wow, das ist eine stolze Zahl und zeigt wohl, wie sich die Leute drauf gefreut haben. Mir gefallen “If I can’t dance”, “Störbeker” Outside The Wall ganz gut. Hast Du auch einen oder mehrere Lieblingssongs auf “Loyalty”?
Kölsch: Ich finde “Alerta Antifascista”, “Störtebeker” und “Shame on you” am besten.
celtic-rock: Wie sehen die Pläne für das kommende Jahr aus? Sehen wir Euch auf Tour oder dem einen oder anderen Festival?
Kölsch: Wir hoffen auf 2-3 gute Festivalauftritte. Eine zusammenhängende Tour wird es aufgrund Job und Familien nicht geben können. Wir werden uns auf Wochenendauftritte beschränken.
celtic-rock: Kölsch, zum Schluss noch die obligatorischen Fragen für die Profiler unter uns. Vinyl oder Digital?
Kölsch: Beides! Es wird von “Loyalty” auch eine Doppel 10-inch Vinyl Ausgabe geben. Ich höre momentan allerdings nur CD’s, da ich meinen Plattenspieler und die Platten vor meinem kleinen Sohn in Sicherheit bringen musste.
celtic-rock: Live oder Album?
Kölsch: Rock’n'Roll passiert auf der Bühne. Nicht im Radio und nicht im CD Player und schon gar nicht auf MTViva. Mir macht die Arbeit im Studio allerdings sehr viel Spaß. Es ist einfach interessant, was man aus ein paar Proberaumideen alles machen kann. Also auch hier: Beides!
celtic-rock: Guinness oder Whiskey?
Kölsch: Auch beides! Das eine schließt das andere ja nicht aus.
celtic-rock: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für uns genommen hast. Für 2009 wünsche ich Euch nur das Beste…
Das Interview führte Daniel.

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