Wo die Festivalsaison im Januar beginnt
von kuec
Celtic Connections Glasgow 15.1. – 1.2. 2009
Temple Bar Trad Fest Dublin 28.1. – 1.2. 2009
Mit einem Fackelzug geht’s los. Das keltische Festivaljahr beginnt bereits Mitte Januar, und zwar mit einem Großereignis: dem 16. Celtic Connections Festival in Glasgow. Angesichts von 14 Tagen mit vollem Programm und 2000 Musiker/-innen sind hohe Erwartungen berechtigt. Das 80-seitige Programmheft liest sich wie ein Who Is Who (nicht nur) der schottischen Folkszene.
Die Bands: Malinky, Deaf Shepherd, Shooglenifty, Battlefield Band, Blazing Fiddles, Salsa Celtica u.a.m. Einige meiner Lieblingssängerinnen sind versammelt: Kate Rusby, Karine Polwart, Emily Smith, Karan Casey. Aus Irland kommen Lunasa und Dervish, aus England Show of Hands und Richard Thompson sowie Arlo Guthrie aus den USA. Mitteleuropa wird nicht zu den Gegenden mit keltischen Verbindungen gezählt, auch Rockmusik ist nicht so angesagt. Dafür kann man viel schottische Atmosphäre schnuppern.
Die einstmals enge Verbindung zwischen klassischer und schottischer Musik wird wieder aufgenommen. Es gibt die Uraufführung der ‚Homecoming Suite’ mit Orchester und dem Saxophonisten Branford Marsalis. Für ein Ceilidh mit großer live-Band werden in der Royal Concert Hall die Sitze abgebaut, damit man Platz zum Tanzen hat.”Book early to be guaranteed dancing space”. So wird dem 250. Geburtstag des schottischen Nationaldichters Robert Burns am 25. Januar Rechnung getragen.
Neben der Rückbesinnung auf die eigene Kultur wird viel Wert auf Weltoffenheit gelegt. Die Old Blind Dogs z.B.treten mit dem afrikanischen Star Youssou N’Dour auf. Die musikalische Kooperation über den Atlantik hinweg gibt es seit Mitte der Neunziger: Die Transatlantik -Sessions mit Aly Bain und Jerry Douglas, als TV-Serie entstanden, bilden live den krönenden Abschluss.
Vorher sind aber nicht nur Konzerte zu erleben. Erstmals ist auch ein kleines Filmfestival integriert. Ein kostenloses Bildungsprogramm bezieht die Schulen mit ein. Bei den zahlreichen Workshops muss man sich zwischen Bodhran, Fiddle, Ukulele oder Löffeln entscheiden; besonders spannend: „Erlerne das Dudelsackspielen an einem Tag”. Es gibt täglich eine eigene Bühne für den Nachwuchs, die Danny Kyle Open Stage. Wer dort am besten ankommt, darf beim Abschlusskonzert auftreten.

Am schönsten sind bei Festivals ja oft die informellen Sessions zu vorgerückter Stunde. Dem trägt man in Glasgow mit dem Festival Club Rechnung, der abends ab 22.30 geöffnet ist.
Das Festival hat außerdem einen guten Draht zur BBC: Es gibt zahlreiche Direktübertragungen, ein eigenes Festivalradio sendet online.
Homepage: www.celticconnections.com
Eindrücke vom letzten Festival: www.bbc.co.uk/scotland/music/celticconnections
Auch in Dublin hat man einen Weg gefunden, die tote Winterzeit touristisch zu beleben: Das Temple Bar Trad Festival. Hier wird vom 28.1. bis 1.2. ein kompaktes, abwechslungsreiches Programm geboten. Es fand vor vier Jahren zum ersten Mal statt, organisiert von der Einzelhandelsvereinigung des Viertels, und wächst beständig weiter. Die Veranstaltungsorte sind alle fußläufig im innerstädtischen Bezirk Temple Bar zu erreichen. Zielgruppe ist das einheimische ebenso wie das auswärtige Publikum.
Man lockt mit einigen großen Namen: Die Starband Solas aus den USA gehört zu den weltweit bekanntesten im Bereich traditioneller irischer Musik. Flötenspieler Michael McGoldrick aus Manchester ist in verschiedenen musikalischen Projekten aktiv und tritt mit einer Band aus Quebec/Kanada auf.
Zwei ehemalige Mitglieder der einflussreichen Bothy Band sind live zu erleben: der Fiddler Paddy Glackin, mit zwei weiteren Familienangehörigen, sowie Uilleann Pipes – Spieler Paddy Keenan. Ein anderes Abendkonzert stellt den Nachwuchs aus Dublin vor.
Ein Schwerpunkt ist Musik aus der Grafschaft Donegal. Einen besonderen Leckerbissen bietet das Abschlusskonzert mit vier Damen, die Wurzeln im Nordwesten haben: Moya Brennan von Clannad, Mairead Ni Mhaonaigh von Altan sowie die Schwestern Triona und Maighread Ni Dhomhnaill. Triona (Harpsichord, Gesang) wurde mit der Bothy Band und Touchstone bekannt, Maighread als Solosängerin.
Rahmenveranstaltungen mit kleinen Konzerten in den Pubs, Sessions, Filmen, einer Fotoausstellung, einem Umzug und Musik in den Straßen runden das Programm ab.
Wer ein paar Tage länger bleibt, kann am 4.2. noch die Sängerin Cara Dillon in der Button Factory erleben.
Homepage: www.templebartrad.com
Myspace: www.myspace.com/templebartrad
Wer hier noch nicht das Richtige gefunden hat, sollte sich vielleicht das Open House Festival in Belfast vormerken: 23. bis 27. September 2009.
Homepage: www.openhousefestival.com

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