Acoustic Revolution
Festival 2012

Mit Hardpolka gegen Backstageversuchungen: Ein Interview mit den Shanes

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Die Zeit bleibt nicht stehen – muss sie aber auch nicht, denn die Shanes wuchsen, reiften und erspielten sich an den exotischten Plätzen der Welt eine altersmäßig bunt durchmischte Fangemeinde. Hätten die altmodischen Uhrwerke simplerweise aufgehört zu ticken, wer weiß, wo sie heute wären – von diesen und anderen  positiven bis paradoxen Auswirkungungen eines kontinuierlichen Verstreichens der Zeit berichten die Shanes in diesem Interview.

Seit Ihr Euer erstes Album 1992 veröffentlichtet, ist eine lange Zeit vergangen. Weitere sieben Alben habt Ihr mittlerweile eingespielt. Wie würdet Ihr Eure Entwicklung beschreiben?

Kornelius Flowers (vocals/guitars/mandolin/banjo): Rein personell hat sich schon einiges verändert. Von der ersten Besetzung bin ich der einzige, der noch in der Band ist. Musikalisch sind wir aber unseren Wurzeln ziemlich treu geblieben, wobei ich aber sagen muss, dass die Band durch die vielen Besetzungswechsel wesentlich besser, tighter, härter und straighter und mit den Jahren auch „erwachsener“ geworden ist. Unser Sound wird nach wie vor geprägt durch akustische Instrumente wie Geige Akkordeon, Banjo, Mandoline, verknüpft mit den Rock´n´Roll-Accessoires Drums, Bass, E-Gitarre.

Euer letztes Album nanntet Ihr „Polka Over Serbja – Live in Chosebuz“. Wie seid Ihr zu diesem doch ungewöhnlichen Albumtitel gekommen?

K.F.: Das Album ist in Cottbus bei einem Konzert zum Festival des osteuropäischen Films aufgezeichnet worden. Dorthin wurden wir eingeladen, weil unsere Musik auch osteuropäische Einflüsse hat und das gut zu einer Party zu diesem Anlass passte. In der Cottbusser Gegend ist uns aufgefallen, dass es dort noch eine andere lebendige Sprache gibt,- und zwar sorbisch. Man nennt die Gegend dort auch Oberlausitz bzw. Niederlausitz und der slawische Volksstamm der Sorben lebt dort, der seine ursprüngliche Kultur aufrecht erhält. „Serbja“ bedeutet soviel wie „Sorbien“ (also nicht „Serbia“ wie „Serbien“) und „Chosebuz“ ist die sorbische Bezeichnung für Cottbus.
Wir fanden, dass das cooler klingt als „live in Cottbus“ oder so was, auch wenn viele glauben, das Ganze sei auf dem Balkan eingespielt und deshalb etwas irritiert sind.

Am Ende dieses Jahres verschlägt Euch Eure aktuelle Tour in den Süden unter anderem nach Tannheim-Egelsee und Schwäbisch Hall. Auf was können sich die Allgäuer und Schwaben besonders bei diesen Konzerten freuen?

K.F.: Da wir im Moment nicht allzu viele Gigs spielen, freuen wir uns selbst immer auf jede Show, was sich in der Spielfreude niederschlägt, die sich hoffentlich auch aufs Publikum übertragen wird. Zudem werden wir die Routine der Livesets etwas aufpeppen, indem wir neue Songs der nächsten CD live ausprobieren. Die Leute sollen sich freuen auf eine recht routinierte und dennoch spielfreudige Band in alter Frische. Möglicherweise sehen wir ja noch bekannte Gesichter von früheren Konzerten in der Gegend.

Die Gerüchteküche brodelt generell rund um Eure Tourpläne. So munkelt man, eine Tour, die unter anderem nach Sibirien führen könnte, sei nicht vollkommen ausgeschlossen, zumal Ihr Euch auch dort eine Fangemeinde aufgebaut hättet. Sind das in der Tat Eure Pläne oder sind die Gerüchte eher übergeschwappt?

K.F.: Es stimmt schon und es freut uns und schmeichelt uns natürlich sehr, dass wir ab und an Anfragen aus aller Welt bekommen. Das Internet und die Globalisierung machen das möglich. Wir haben ja auch schon in einigen Ländern gespielt wie England, USA, Frankreich, Ungarn, Schweiz, Österreich, Belgien, Luxemburg usw. Auf der anderen Seite sind solche Touren aber aus zeitlichen und finanziellen Gründen für die Band kaum machbar, denn die örtlichen Veranstalter im Ausland sind meist nicht in der Lage, alle Kosten zu tragen.

Pflegt Ihr vor einem Auftritt ein besonderes Band-Ritual?

Ritual ist übertrieben! Wir versuchen uns immer gegenseitig vom übermässigen Trinken abzuhalten, damit die Performance nicht zu stark unter Alkohol leidet. Das war nicht immer so. Früher haben wir da weniger drauf geachtet und ich muss zugeben, dass die Band aus diesem Grund ab und an schon mal nicht gerade in Bestform gespielt hat. Ausserdem versuchen wir nicht so viel zu essen, denn Hard-Polka mit vollem Magen ist sehr schwierig. Natürlich müssen wir auch auf unsere Linie achten, denn die Hälfte der Band ist schon jenseits der 40 und da setzt jeder Happen zu viel im Backstage schnell an…

Welche Lieder sind Euch die Liebsten auf Eurer Setlist?

Die Songs, die wir nicht so gerne mochten sind in den vielen Jahren Bandgeschichte von der gängigen Setlist verschwunden. Wir spielen eigentlich nur noch Hits.

Nehmt Ihr bei der Ideensuche für Eure Texte Rücksicht auf die mögliche Popularität unter den Fans oder geht es Euch beim Schreiben in erster Linie um das kreative Verarbeiten von persönlichen Impressionen?

KF: Eine IdeenSUCHE findet an sich nicht statt. Eine Textidee oder überhaupt Songidee kommt meist – wenn sie einigermassen was daher macht – angeflogen oder drängt sich einem auf. Rücksicht auf die „Interessen“ unserer Fans nehmen wir auf keinen Fall. Die sollen sich mit Ihrem Kram befassen! Eigentlich ist es manchmal krotesk, einen Gig vor lauter jungen Leuten zu spielen und dabei Songtexte übers Altern, Desillusioniertheit bis hin zum Tod zu singen. Das gelingt nur, weil bei uns alles musikalisch so verpackt ist, dass es tanzbar und partytauglich bleibt und einer guten Prise Ironie nicht entbehrt.

Besucht man Eure Homepage wird man nicht nur mit den Schriftzügen „The Shanes“ und „Hardpolka“ begrüßt, sondern zugleich auch auf ein Bild von einem Akkordeon, vor dem ein Totenkopf liegt, aufmerksam. Sind der Skull und die süßen, beim Laden der Seite erscheinenden Knochen ein Tribut an das Punk-Polka Element Eurer Musik oder zielt Ihr auf eine Art Vanitas-Symbolik ab?

Ich muss gestehen dass ich nicht weis, was „Vanitas-Symbolik“ bedeutet. Das Skull-Akkordeon-Motiv ziert unser Logo aber schon seit 1991 und steht natürlich auch für die eben erwähnte Kombination aus Euphorie und Morbidität, wobei ersteres letztendlich immer stark im Vordergrund stehen sollte.

Darf man beim MP3-Download auf Eurer Homepage in nächster Zeit auch brandneue, von Euren Saiten gezupfte Lieder erwarten?

KF: Wir nehmen gerade unsere neue Platte auf. Wir haben einige Songs auch schon eingespielt. Für einen Titel der Platte haben wir uns im Moment noch nicht entschieden. Auf jeden Fall wird es diesmal mehr denn je ein Wechselbad der Gefühle (klingt schwülstig,- was?!) geben, da es ungewöhnlich viele ruhige, atmosphärische Songs in Abwechselung mit den Bandtypischen Polka-Krachern geben wird. Erscheinungsdatum der Platte ist der 10.04.09 – aber sicher werden wir vorher was auf der HP oder bei myspace veröffentlichen.

Abschließend nun die existentiellsten und bewegendsten Fragen im Celtic-Rock-Kosmos an die Expertenkommission der Shanes:

CDs oder Vinyl?
KF: Für mich persönlich CDs. Mag sein, dass Vinylplatten hier und da besser klingen und cooler aussehen, aber sie verursachen auch mehr Arbeit und brauchen mehr Platz. Ich finde es aber dennoch cool, dass ein Vinyl-Kult gepflegt wird, der sich in gewisser Weise der Beliebigkeit der Digitalen Medien widersetzt. Von The Shanes gibt es aber nur eine einzige Single-VÖ auf Vinyl.

Gig oder Album?
KF: Eigentlich Gig, jedoch gibt es gute und weniger gute Gigs und auch natürlich Songs, die live schlechter (oder besser) funktionieren als auf einem Studio-Album.

Guinness oder Whiskey?
KF: Eigentlich weder noch. Das sind ja eigentlich Standard-Irish-Folk-Getränke. The Shanes sind aber, obwohl Einflüsse aus diesem Bereich vorhanden sind, keine Irish-Folk-Band. Dafür ist das musikalische Spektrum zu weit gefasst. Dennoch mögen wir beide genannten Getränke, viel lieber aber noch Gin-Orange, Premium-Pils, Vodka, Viez (Trierer Apfelwein) und auch Bio-Limonade und italienischen Café.

Vielen Dank für das Interview!

KF: Ganz meinerseits!

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