Flogging Molly Fanclub Deutschland
Firkin - The Crazy Irish Band

The Chieftains

von

Die wollen nur spielen..

..das Singen oder Tanzen überlassen sie gerne anderen. Zwischen Ceilidh Band und Kammerorchester haben die Chieftains als Instrumentalgruppe eine Einzelstellung. Mit den Dubliners verbindet sie das gemeinsame Gründungsjahr 1962, das Herkunftsland und der internationale Ruhm. Ihr Image ist aber ein ziemlich anderes. Die Herren um Paddy Moloney wirken brav und kultiviert, übermäßigen Alkoholgenuss kann man sich bei ihnen kaum vorstellen. Trotzdem scheinen sie an ihrem Job eine Menge Spaß zu haben: möglichst vielen Menschen auf der ganzen Welt die irische Musik nahe zu bringen.

Die Chieftains verfolgen einen musikalischen Ansatz, der auf den Komponisten und Orchesterleiter Seán Ó Riada zurückgeht. Dieser verfolgte das Ziel, die keltische Kultur wiederzubeleben. Er hatte Musik und Komposition studiert und stellte 1961 ein Ensemble zusammen, das seine Arrangements traditioneller Musik umsetzte. Die späteren Ur-Chieftains waren schon dabei. Seine Gruppe  „Ceoltóirí Cualann” funktionierte wie ein Kammerorchester und erregte einiges Aufsehen, da irische Musik bislang eher eine Angelegenheit von Solisten gewesen war. Das Zusammenbringen von irischer Tradition und europäischer Klassik war ein Novum. Der wichtigste Komponist des Landes war bis dahin der blinde Harfenspieler O’Carolan (1670-1738) gewesen. Ó Riada gebührt das Verdienst, außer Carolans Musik die fast vergessene Rahmentrommel Bodhrán wieder ins Bewusstsein gerückt zu haben.

Paddy Moloney hatte bereits mit acht Jahren angefangen, den irischen Dudelsack, die Uilleann Pipes, spielen zu lernen. Seine Eltern drängten ihn zu einer Ausbildung als Buchhalter. Ó Riada war aber bald auf sein Talent aufmerksam geworden und hatte ihn engagiert.

1962 holte Moloney seinerseits Kollegen von den Ceoltóirí Cualann zusammen, um seine eigenen musikalischen Vorstellungen zu verwirklichen. Nach der Debüt-CD The Chieftains passierte zunächst nicht viel. Traditionelle Instrumentalmusik  lag nicht im Trend. „ Es gab zu der Zeit zwar die Musiker, aber nicht die Zuhörer”, meinte Matt Molloy später einmal.

In ihrer Selbstdarstellung setzen sich die Chieftains heute noch von dem “glatten kommerziellen Output” ab, der den größten Teil der irischen Musik damals bestimmt habe. Nicht schwer zu erraten, wer damit gemeint ist.

Nach der Auflösung von Ceoltóirí Cualann 1969 verstärkten sich die Chieftains mit einem weiteren Geiger, so dass für das 2. Album  die spätere Kernbesetzung stand:

Paddy Moloney (Uilleann Pipes, Tin Whistle), Martin Fay (Geige), Michael Tubridy (Holzquerflöte, Tin Whistle), Sean Potts (Tin Whistle), Peadar Mercier (Bodhrán), Seán Keane (Geige).

Auf Chieftains 4 war erstmals der klassisch ausgebildete Musiker Derek Bell aus Belfast zu hören. Er spielte Harfe, Oboe und das irische Hackbrett Tiompan. Bell ist 2002 verstorben.

Allmählich änderten sich die Zeiten, die Popularität der Gruppe stieg mit gutem Grund. An allen Instrumenten waren Spitzenkönner zu hören. Sie zeigten sich in der Lage, eine Melodie blitzschnell zu variieren, zu improvisieren und Harmonien zu spielen. Es fehlte bei den Jigs und Reels auch nicht an Temperament. Ihr Klang wurde unverwechselbar. Chieftain bedeutet  übrigens (keltischer) Häuptling.

Bereits als semiprofessionelle Gruppe traten sie 1972 erstmals in den USA auf. Ein erfolgreiches Konzert in der Londoner Albert Hall markierte den Zeitpunkt, als die Chieftains 1975 ins Profilager wechselten. Moloney war bis dahin noch bei der Plattenfirma Claddagh tätig gewesen. Im gleichen Jahr nahmen sie den Soundtrack zu Stanley Kubricks Film Barry Lyndon auf; für die Single Women Of Ireland erhielten sie einen Academy Award. Sechs Grammies und weitere Ehrungen folgten.

Als 1976 Kevin Conneff Peadar Mercier an der Bodhran ablöste, hatte man zusätzlich einen Sänger gewonnen. Eine weitere prägende Umbesetzung geschah, als die Chieftains nach dem Ausscheiden von Michael Tubridy 1979 mit Matt Molloy den wohl besten irischen Flötenspieler engagieren konnten. Die Besetzung blieb über viele Jahre hinweg stabil.

Ihre vielseitigen Aktivitäten führten sie weit über Europa hinaus. Die Chieftains spielten an der chinesischen Mauer und im Washingtoner Capitol, vor einer Million Menschen beim Papstbesuch in Irland oder in Roger Waters’ Aufführung von „The Wall” in Berlin 1990. Wahrscheinlich sind sie die bekannteste irische Band der Welt.

Berührungsängste sind ihnen offenbar fremd:  Sie machten die Vorgruppe bei einem Rolling-Stones Konzert in Dublin; Eric Clapton und Paul McCartney zählten früh zu ihren Fans. In den Neunzigern begannen sie verstärkt, mit Musikern anderer Genres ins Studio zu gehen. Dass die Zusammenarbeit mit Country- oder Bluegrass- Stars funktioniert, verwundert wegen der historischen Wurzeln nicht (Down the Old Plank Road). Aber auch zu Rock- und Popsängern fanden die Chieftains einen guten Draht. Auf ihrem Album The LongBlack Veil sind u.a. Sting, Tom Jones und Mick Jagger zu hören. Besonders interessant ist noch Tears of Stone, wo ausschließlich weibliche Gaststars sich die Ehre geben: Loreena McKennitt, Joni Mitchell oder Mary Chapin Carpenter.

Die Chieftains stehen mit beiden Beinen fest in der Musiktradition ihres Landes und können sich deshalb ihre Offenheit erlauben, ohne beliebig zu wirken. Die Iren sind für ihre Gastfreundlichkeit bekannt, was die Chieftains auf die Bühne übertragen haben. Sie gestatten andern gerne, vor und mit ihnen zu glänzen. Schon vor Riverdance holten sie SteptänzerInnen zu sich auf die Bühne.

Die gegenwärtige Besetzung besteht nur noch aus einem Quartett: Moloney, Keane, Molloy und Conneff sind geblieben. Ein gern gesehen Gast ist der galizische Piper Carlos Nunez.

Homepage | Myspace

Motor ist sicher immer noch der Gründer Paddy Moloney. Mit seiner etwas gnomenhaften, lebendigen Art bringt er die Begeisterung für seine Musik immer noch rüber. Er ist aber auch Produzent und ein hervorragender Arrangeur.

Es gibt Kritiker, die seine Zusammenarbeit mit bekannten Namen aus dem Popbusiness als Marketingtrick sehen. Wenn dabei aber so geniale Aufnahmen herauskommen wie Sinead O’Connor’s Foggy Dew, kann uns das ziemlich egal sein.

Weitere Artikel in dieser Serie:

  1. Clannad
  2. Die Clancy Brothers & Tommy Makem
  3. The Dubliners (1/2)
  4. The Dubliners (2/2)
  5. The Chieftains(This post)
  6. Planxty
  7. Moving Hearts
  8. The Horslips
  9. The Bothy Band

Über kuec

Zwei Dinge faszinieren mich an Folk-Musik besonders: die mündliche Überlieferung mit ihren verschlungenen Wegen und der Einblick in andere Lebenswelten aus der Perspektive der Betroffenen. Neben meiner Leidenschaft für live-Musik habe ich mich immer wieder mit den Hintergründen dieser „Kultur von unten“ beschäftigt. Ich bin mit gemeinsamem Musizieren aufgewachsen. Meine Instrumente sind Geige, akustische Gitarre und E-Bass. Gespielt habe ich in Orchestern, Folk-Gruppen und Oldie-Bands. In den Neunzigern habe ich Konzertberichte für eine südwestfälische Lokalzeitung verfasst und freue mich, dem Schreiben über Musik jetzt online nachgehen zu können. Hier bei celtic-rock.de pflege ich seit 2008 die Wissens-Abteilung. Schaut doch mal bei den classics oder in unserer Bücherecke vorbei. Und nicht vergessen: keep music live!

Autor/in: 158 Beiträge | » Website» facebook

Alle Artikel von kuec

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird niemals veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.

 

Zum Anfang springen 

Copyright © 2007 - 2012 celtic rock music | Kontakt / Impressum