Festival 2012
Festival 2012

The Dubliners (2/2)

von

Die Mitglieder

Hinter den Bärten stecken und steckten recht unterschiedliche Charaktere und ausgeprägte Persönlichkeiten. Das sollen die folgenden Steckbriefe der wichtigsten Mitglieder verdeutlichen.


Name: Ronnie Drew

geboren: 1934 in Dublin
gestorben: 16. August 2008

musikalischer Beitrag: Gesang, Gitarre

bei den Dubliners: 1962-1974; 1979-1995

Ronnie geht Mitte der Fünfziger Jahre für drei Jahre nach Spanien. Er lernt die Sprache, unterrichtet Englisch und beginnt, Flamencogitarre zu spielen. Zurück in Dublin, hört er den Dramatiker und Liedermacher Dominic Behan singen und wendet sich den irischen Liedern zu. In den Pausen von Theater-Shows tritt er als Sänger von Balladen auf. Seine tiefe Stimme ist unverwechselbar. „Ich weiß nicht, ob sie ein Segen oder ein Fluch ist, aber ich verdiene mein Geld damit,” meint er einmal. Beschreibungen reichen von „Kieselsteine in der Kehle” bis „wie ein Stück Koks, das unter einer Tür zerquetscht wird”. Seine Lieder sind Finnegan’s Wake, McAlpine’s Fusiliers oder Seven Drunken Nights. In der Gruppe ist er der Älteste und hat den meisten Einfluss.

Der Ausstieg 1995 bedeutet keine Untätigkeit. Er nimmt Soloalben auf und tourt mit verschiedenen, nicht nur irischen, Musikern. Trotz einer Krebsbehandlung 2006 macht er  2007 eine Studioaufnahme mit den Dropkick Murphys für ihr Album Meanest of Times.


Name: Luke Kelly

geboren: 1940 in Dublin
gestorben: 1984

musikalischer Beitrag: Gesang, 5-saitiges Banjo

bei den Dubliners: 1962-1963; 1964-1984

Luke stammt aus einer Arbeiterfamilie und wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Er verlässt mit 13 die Schule und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch. 1958 geht er nach England, wo er neben Arbeit auf dem Bau Kontakt zur Folkmusik-Bewegung bekommt. Als Straßensänger und in Folkclubs entwickelt er sein Talent und erfährt Anerkennung. Bald nach seiner Rückkehr trifft er 1962 auf Ronnie Drew und Barney McKenna. Mit seinem wilden roten Lockenschopf trägt er wesentlich zum Bild der Dubliners bei, aber nicht nur optisch, sondern vor allem musikalisch.

Luke hat eine tragende, warme Stimme und eine intensive Vortragsweise. Auf der Bühne versprüht er Energie, privat liest er viel. 1964 zieht es ihn wieder nach England, wo er unter zahlreichen anderen Musikern den von ihm bewunderten Ewan MacColl trifft. Mit MacColl verbindet ihn nicht nur das Interesse an der Musik der einfachen Leute, sondern auch die politische Einstellung. Sein Credo als radikaler Linker behält er sein Leben lang bei.

Seine Lieder sind Raglan Road, Song for Ireland oder The Town I Loved So Well. “Ronnie war das Herz, Luke die Seele der Gruppe”, meint John Sheahan später.

1972 spiel er den Herodes in einer Theaterproduktion des Musicals Jesus Christ Superstar.

1980 bricht Luke bei einem Konzert in Cork auf der Bühne zusammen. Trotz seiner Erkrankung an einem Hirntumor nimmt er weiter an Tourneen teil, so lange es geht. Er stirbt mit nur 43 Jahren. Die irische Hauptstadt benennt 2004 eine Brücke in der Innenstadt nach ihm.


Name: Barney McKenna

geboren: 1939 in Dublin
gestorben: 5. April 2012 in Howth bei Dublin

musikalischer Beitrag: Tenorbanjo, Mandoline, Melodeon, Gesang

bei den Dubliners: 1962 -

Barney ist ein Naturtalent. Bereits mit sechs Jahren beginnt er, Geige und Mandoline zu spielen. Dazu kommen später das Knopfakkordeon und natürlich das Banjo, das er früh meisterhaft beherrscht. Bis heute kann er keine Noten lesen. Er verlässt mit 14 die Schule und verdient sein Brot als Glasbläser, Bauhelfer oder Möbelpacker. Nebenher tritt er mit dem Banjo auf und spielt sogar mit Martin Fay und Paddy Moloney zusammen, die später die Chieftains gründen. Er trifft Ronnie Drew nach einer von dessen Theatershows.

Barney wird mit seiner Natürlichkeit und seiner großen Begabung ein Publikumsliebling. Er prägt den Sound der Gruppe maßgeblich, auch bei der Liedbegleitung. Die Mitspieler schätzen seine entspannte Art, seinen verschmitzten Humor und die Fähigkeit, über sein Instrument mit dem Publikum zu kommunizieren. Seine Soli wie Mason’s Apron sind immer noch beeindruckend. In den letzten Jahren lassen die andern ihn auch singen, was etwas an die Rolle von Ringo Starr bei den Beatles erinnert. „Wenn es Barney nicht gäbe, hätten wir ihn erfinden müssen”, soll Luke Kelly über ihn gesagt haben.


Name: Ciarán Bourke

geboren: 1935
gestorben: 1988

musikalischer Beitrag: Gesang, Gitarre, Tin Whistle, Mundharmonika

bei den Dubliners: 1962 – 1974

Der Arztsohn besucht als einziger der Dubliners die Uni, bricht aber bereits nach einem Jahr sein Studium ab. Er schlägt sich mit allen möglichen Jobs durch, auch als Straßensänger. Dabei stoßen Luke und Barney auf ihn. Ciarán spricht gälisch und liebt alles, was mit irischer Kultur zu tun hat. Auch den irischen Getränken ist er besonders zugetan. Er hält sich musikalisch meist im Hintergrund, trägt aber viele kleine, wichtige Feinheiten zum Gruppensound bei. Seine Lieder sind Peggy Lettermore und Preab san ol. Bis zu seinem krankheitsbedingten Ausstieg prägt er das Bild der Dubliners maßgeblich mit. Den Fans bleibt er als Mitglied der Kernformation in guter Erinnerung.


Name: John Sheahan

geboren: 1939 in Dublin

musikalischer Beitrag: Geige, Tin Whistle, Mandoline, Concertina, Gitarre

bei den Dubliners: 1964 -

John ist der einzige, der klassischen Musikunterricht bekommen hat, was man deutlich hören und sehen kann. Mit seinem Geigenspiel gewinnt er bei Wettbewerben einige Auszeichnungen und spielt in Ceili Bands die traditionelle Tanzmusik. Eines Tages ruft Ronnie Drew ihn an. Mit seinem Partner Bobby Lynch soll er die Pausen bei Dubliners-Auftritten füllen. Dies kommt gut an. Die beiden bleiben schon mal für den 2. Teil des Konzerts auf der Bühne und wachsen so in die Gruppe hinein. Barzahlung am Ende des Abends ist üblich, also wird er als Nicht-Trinker für die gemeinsamen Finanzen zuständig. John spielt sehr klar, ausdrucksvoll und sicher, er ist vielseitig und ergänzt sich gut mit Barney. Privat beschäftigt er sich gern mit anderen Stilen wie der Barockmusik und komponiert. Seinen Marino Waltz (nach dem Stadtviertel, aus dem er kommt)hat er zusammen mit André Rieu samt Orchester auf die Bühne gebracht.


Name: Sean Cannon

geboren: 1940 in Galway

musikalischer Beitrag: Gesang, Gitarre

bei den Dubliners: 1982 -

Sean reist als Jugendlicher per Anhalter quer durch Europa, er ist ausgesprochen sprachbegabt und spricht u.a. fließend Deutsch. Sean lässt sich in England nieder und singt landauf, landab in zahlreichen Folkclubs. Mit zwei weiteren Iren und einem Schotten gründet er 1969 The Gaels, die eine LP herausbringen. Kontakt zu den Dubliners hat er schon länger, als sie ihn in der Zeit von Luke Kelly’s Erkrankung bitten, mit ihnen auf Tournee zu gehen. Diese gemeinsame Zeit zählt er zu seinen wichtigsten Erfahrungen. Seine Stimme und seine Ausstrahlung sind eine ganz andere als die von Luke, aber er etabliert sich dennoch durch sein Können bei den Fans. Seine Lieder sind The Newry Highwayman, When The Boys Come Rolling Home oder The Sick Note.

Sean hat mehrere Soloalben veröffentlicht und geht in diesem Jahr zum wiederholten Mal mit seinem Sohn James auf Tour.

Fotostrecke Dubliners 1995

Fotos: Willie Burger

Weitere Artikel in dieser Serie:

  1. Clannad
  2. Die Clancy Brothers & Tommy Makem
  3. The Dubliners (1/2)
  4. The Dubliners (2/2)(This post)
  5. The Chieftains
  6. Planxty
  7. Moving Hearts
  8. The Horslips
  9. The Bothy Band

Über kuec

Zwei Dinge faszinieren mich an Folk-Musik besonders: die mündliche Überlieferung mit ihren verschlungenen Wegen und der Einblick in andere Lebenswelten aus der Perspektive der Betroffenen. Neben meiner Leidenschaft für live-Musik habe ich mich immer wieder mit den Hintergründen dieser „Kultur von unten“ beschäftigt. Ich bin mit gemeinsamem Musizieren aufgewachsen. Meine Instrumente sind Geige, akustische Gitarre und E-Bass. Gespielt habe ich in Orchestern, Folk-Gruppen und Oldie-Bands. In den Neunzigern habe ich Konzertberichte für eine südwestfälische Lokalzeitung verfasst und freue mich, dem Schreiben über Musik jetzt online nachgehen zu können. Hier bei celtic-rock.de pflege ich seit 2008 die Wissens-Abteilung. Schaut doch mal bei den classics oder in unserer Bücherecke vorbei. Und nicht vergessen: keep music live!

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2 Kommentare
  1. Funkfuzzi sagt:

    …vielleicht als klitzekleine ergänzung zu diesem ausführlichen portrait…durfte barney und sean interviewen…war ein cooles erlebnis !!

    http://funkfuzzi.de/MEDIA/DUBS interview.mp3

    tooraloo,
    robin

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