Acoustic Revolution
Shamrock Castle 2012

Interview mit Mark von The Currency (Australien) während eines Europa Aufenthaltes

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Ich saß gemütlich im Bistro eines ICE auf dem Rückweg nach Mannheim als plötzlich mein Handy klingelte. Die Nummer kannte ich nicht und war nicht schlecht überrascht als sich Mark von The Currency meldete. Er war gerade in Frankfurt gelandet und auf dem Weg nach Stuttgart. Da meine Heimatstadt Mannheim auf seinem Weg lag, fragte er ob ich Zeit für ein Treffen hätte. Na klar doch!

So hatte ich die einmalige Gelegenheit mich bei einem leckeren Glas Guinness mit Mark zu unterhalten. Da das Gespräch äußerst interessant war habe ich mich entschlossen daraus ein Interview zu machen. Nach Marks Rückkehr nach Australien haben wir das Gespräch per Email fortgeführt da mich natürlich auch seine Eindrücke von Europa sehr interessiert haben. Hier ist das Ergebnis:

Ute: Mark, Du spielst Mandoline bei “The Currency” aus Melbourne in Australien. Erzähl mir wann die Band gegründet wurde und wie sich die Bandmitglieder zusammen gefunden haben.

Mark: Die Band wurde vor drei Jahren gegründet. Ich, Greg, Alice und Michelle hatten bereits in einer Band namens “Mutiny” zusammen gespielt und haben Travis im örtlichen Schlagzeugladen immer wieder bedrängt. Wir wussten, dass er einen soliden “Train Beat” spielen kann, was bei Punkrock Drummern eher selten zu finden ist. Nach unserem Sänger Justin haben wir sehr lange gesucht aber nach dem ersten Jam mit ihm wussten wir, dass er der perfekte Frontmann für uns ist.

Ute: Warum habt ihr diesen Namen für die Band gewählt?

Mark: Als die Kolonialisierung in Australien begann wurden viele Sträflinge, in der Regel als Sklaven, hierher gesandt. Man sagt, dass die herrschenden Engländer sich selbst als “Sterling” bezeichneten und den Bergriff “Currency” (frei Übersetzt Wechselgeld*) als Beleidigung für die neue, in Australien geborene, Generation verwendeten. Jedenfalls änderte sich die Bedeutung dieser Bezeichnung nach einiger Zeit und wurde die stolze Bezeichnung für die tougheren Jungs und Mädels die nicht der Oberschicht angehörten

Ute: Wie viele Shows habt ihr bis jetzt gespielt?

Mark: es müssen so um die 50 sein, wir versuchen nicht zu oft zu spielen, so wie einige andere Bands das tun, damit die Leute nicht irgendwann genug von uns haben.

Ute: Spielt ihr meistens in der Region Melbourne oder in ganz Australien?

Mark: Wir spielen meistens hier, gehen aber auch gerne nach Sydney. Diesen Sommer touren wir auf dem Folk und Rock Festival Circuit. Wir haben das Glück, dass wir das Set ein bisschen verändern können, so dass es den meisten Leuten gefällt. Jedenfalls solange es für das Publikum spät genug am Tag ist um betrunken zu sein.

Ute: Australien ist ein sehr großes Land in dem man weite Distanzen zurück legen muss um von einem Ort zum anderen zu kommen. Ist es für eine Band einfacher zu fliegen oder sich mit dem Tourbus auf Reisen zu begeben?

Mark: Ja, das ist wirklich blöd. Meistens fliegen wir, aber manchmal ist es besser den Van zu nehmen, vor allem weil wir dann das Glückspiel vernünftiges Equipment zum Mieten oder Leihen vor Ort zu finden, vermeiden können. Wenn wir in einer anderen größeren Stadt spielen wollen bedeutet das eine Fahrt von mindestens 10 Stunden. Kannst Du uns nicht einen ICE zum mieten besorgen?

Ute: Könnt ihr schon von eurer Musik leben oder habt ihr noch Jobs?

Mark: Ein paar von uns unterrichten Musik aber die Band ist immer noch an ihren Anfängen deshalb arbeiten wir alle noch.

Ute: Stimmt, im Moment gibt es ja auch nur ein 3 track Demo von euch, trotzdem wart ihr schon Vorgruppe von Flogging Molly und den Dropkick Murphys. Wie habt ihr das geschafft?

Mark: Irgendwie hatten diese Bands von uns gehört und sich mit uns in Verbindung gesetzt – ich wünschte, ich wüsste wie sie von uns gehört haben. Wir waren jedenfalls hoch erfreut.

Ute: Wie viele Leute waren bei den Shows?

Mark: so um die 2000

Ute: Wie war es vor so einem großen Publikum zu spielen?

Mark: Es hat sehr viel Spaß gemacht weil das Publikum sehr loyal uns gegenüber war und uns das Gefühl eines Heimspiels vermittelt hat. Matt Hensley ist zu uns auf die Bühne gekommen und hat ein Lied mit uns gespielt. Das war besonders toll für uns weil wir schon immer große Fans seiner Arbeit waren. Die technischen Dinge waren stressig weil du als Vorgruppe keine nicht geprüften Kabel oder Pedale benutzen kannst und nicht viel Zeit zum Stimmen der Instrumente zur Verfügung hast. Das war ein steiler Weg des Lernens den ich erklimmen musste, aber jetzt verstehe ich warum größere Bands so viele Roadies und Gitarrentechniker haben. Ich habe vorher immer gedacht, das wäre ein bisschen affig.

Ute: Du hast den Juli in Europa verbracht. Welche Eindrücke hast Du mitgenommen?

Mark: Ich habe vor bald zurück zu kommen, hoffentlich zusammen mit der Band. Ich habe großartige Verwandtschaft und Freunde in Europa und habe mich sehr zuhause gefühlt. Das nächste Mal will ich ein Motorrad erbetteln, borgen oder stehlen und Richtung Osten fahren.

Ute: Wo bist Du dieses Mal gewesen und gibt es Favoriten?

Mark: Es ging alles sehr schnell und ich hatte nicht genug Zeit um wirklich alles zu sehen. Barcelona und Berlin waren sehr cool und natürlich Mannheim.

Ute: Ja, von Mannheim hast Du ja auch unwahrscheinlich viel gesehen. Aber der Biergarten vom Murphys Law ist natürlich unschlagbar. Gibt es große Unterschiede zwischen Europa und Australien?

Mark: Ich finde die Städte ähneln sich sehr, aber unser Outback ist sehr schwer mit irgend etwas anderem zu vergleichen. Vom sozialen Aspekt her finde ich, dass generell gesehen, hier alles irgendwie ein bisschen konservativer ist. Die jungen Leute in Europa scheinen besser über politische und soziale Angelegenheiten informiert zu sein. Ich verstehe gar nicht wie das möglich ist, wo doch Alkohol bei euch so billig ist, dass ihr alle ständig sturzbetrunken sein solltet.

Ute: Du bist genau rechtzeitig zur Veröffentlichung eurer neuen Single nach Australien zurück gekehrt. War es eine große Party? Erzähl mir darüber.

Mark: Nunja, hier ist es fast Winter deshalb sind alle zu einer großen “stumble home drunk night” gekommen. Der Song heisst “Eight Eight Eight” und handelt vom mutigen Einsatz der Gewerkschaftsbewegung für den 8 Stunden Tag in der Vergangenheit. Heutzutage gibt es ein neues Gesetzt für industrielle Beziehungen das besagt, dass man einen persönlichen Vertrag mit dem Arbeitgeber unterschreiben muss. Deshalb ist es sehr schwierig einen gut bezahlten Job mit einer guten Arbeitszeit zu bekommen und vor allem auch zu behalten. Sie können dich einfach rausschmeißen wenn Du zu pingelig bist.

Der Song endet übrigens mit einer Art Hymne mit der wir dem klassischen “punchy oz-rock sound” so nahe gekommen sind, wie wir nur konnten. Ich glaube die älteren Folk Fans halten sich die Ohren zu und gehen einen Trinken während wir das spielen.

Ute: Ich habe gehört es gibt auch bald ein Video von euch?

Mark: Ja, es ist fertig und inzwischen veröffentlicht. Es geht um ein Jack Russel Terrier aus Amerika. Er kam beim Gassi gehen täglich bei uns vorbei und wir haben seinem Besitzer 50 Dollar angeboten um ihn zu mieten. Wir haben den Hund gefilmt wie er auf den Stufen des “Eight Hour Monument” sitzt, was wie Du hören wirst, der Refrain unseres Liedes ist. Unser Freund Paul Williams hat viele Stunden damit verbracht klasse live Mitschnitte für das Video zusammenzustellen.

 

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Ute: Gibt es Pläne für ein komplettes Album ?

Mark: Das Album ist sogar schon fast fertig. Wir hoffen, dass es Ende des Jahres raus kommt. Außerdem haben wir noch eine CD EP, die vorher schon über ein japanisches Label veröffentlicht wird.

Ute: Du hast vorhin gesagt, Du würdest am liebsten schon bald mit der Band zurück nach Europa kommen. Heißt das die europäischen Fans dürfen sich darauf freuen euch bald live zu sehen?

Mark: Ja, wir haben noch nichts gebucht aber Europa steht fest auf dem Plan.

Ute: Welche Musik / welche Bands hörst Du im Moment?

Mark: Ich bin ein Fan melodischer Musik wie zum Beispiel Leatherface, Jawbreaker und Will Oldham und ich bin dabei Bruce Springsteen neu zu entdecken. Die Leute lachen wenn ich das sage, aber der Kerl ist ein Mords Songwriter. Es gibt außerdem noch eine legendäre örtliche Band namens “Weddings Parties Anything”, in deren Vorprogramm wir kürzlich spielen durften, die ich sehr mag.

Ute: Hast Du Idole?

Mark: Keine Idole aber ich bin inspiriert von meinem Freund Robbie Thorpe. Er ist seit vielen Jahren Eingeborenenaktivist und arbeitet daran, den Völkermord der in Australien statt gefunden hat, und immer noch statt findet, aufzudecken.

Ute: Noch zwei kurze Fragen zum Schluss: Weißt Du noch welches Dein allererstes Album war?

Mark: Ich habe den Soundtrack zu Dirty Dancing auf dem Schulhof gefunden und als Frisbee benutzt, aber ich glaube das zählt nicht. Das erste Album was ich immer und immer wieder gehört habe war “Suffer” von Bad Religion. Das Album ist immer noch besser als vieles der neuen Punk Bands.

Ute: Was ist der Klingelton von Deinem Handy?

Mark: Nervig

 

*In der ersten Jahren der Kolonialisierung Australiens gab es viele unterschiedliche Münzen und Geldscheine aus aller Herren Länder. Dieses Geld wurde Currency genannt, während englische Goldmünzen als Sterling bezeichnet wurden.

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