Shamrock Castle 2012
Acoustic Revolution

The Dubliners (1/2)

von

The DublinersFünf Männer, fünf  Bärte, fünf Dekaden…

… gefühlte fünfzig Millionen Nachahmer. Irische Musik und die Dubliners sind in Deutschland immer noch Ein- und Dasselbe. Auch in diesem Jahr werden die inzwischen grauhaarigen Herren wieder zu einer Herbsttour aufbrechen, die sie in unsere Gefilde führt. Zusammen sind sie rund 330 Jahre alt und immer noch als inoffizielle Botschafter ihres Landes unterwegs. Mit Ronnie Drew ist im August das dritte von den fünf Kern-Mitgliedern verstorben. Wie hat das eigentlich alles angefangen?

Wir befinden uns in Dublin im Jahr 1962. Ronnie Drew besucht regelmäßig O’Donoghues Pub, weil er dort das Geld für seine Auftritte im nahe gelegenen Theater bekommt. In den Pausen der Show trägt er dort Balladen zur Gitarre vor. Ronnie fragt eines Tages, ob er mit seinen Kumpels Luke Kelly und Barney McKenna im Hinterzimmer des Pubs musizieren dürfe. Dies wird ihnen zunächst nur gestattet, „wenn sie nicht zu laut sind”.

Luke hatte einige Zeit in englischen Folkclubs gesungen, Ronnie Drew in Spanien als Englischlehrer gearbeitet. Barney ist schon in jungen Jahren ein herausragender Banjospieler. Die drei treten mit wachsendem Erfolg als „Ronnie Drew Ballad Group” auf. Bald stößt Ciarán Bourke dazu. Ronnie möchte den Namen der Gruppe geändert haben, da es schließlich demokratisch zugehe. Nach dem Buch von James Joyce, das Luke gerade liest, aber auch aus praktischen Gründen, nennt man sich 1963 The Dubliners.

Im gleichen Jahr begeistern sie beim Edinburgh Folkfestival, kommen ins BBC-Fernsehen und nehmen ihre erste Single auf, den Wild Rover. Die erste LP wird vor geladenem Publikum im Londoner Cecil Sharp – Haus live eingespielt. Als Luke Kelly die Gruppe 1964 für knapp zwei Jahre verlässt, um wieder nach England zu gehen, steigen Bobby Lynch und John Sheahan ein. John bleibt als Geiger dabei, als Luke Kelly zurückkehrt. Er steht neben Barney für ein weiteres Markenzeichen der Band: die schwungvollen Jigs, Reels und Hornpipes.

Straßensänger, die für Geld vor und in den Kneipen spielen, haben in der irischen Hauptstadt Tradition. An deren Material knüpfen die Dubliners an, singen über Räuber, Huren und Rebellen und haben angeblich schon 150 Titel im Repertoire. Sie nehmen aber auch neue Songs im alten Stil auf. The Auld Triangle oder Dirty Old Town erreichen schnell Volkslied-Status. Die Rauf- und Sauflieder bringen sie mit den kräftigen Stimmen, ihrem starken Dublin-Akzent und dem trockenem Humor glaubwürdig rüber. Eine etwas wilde äußere Erscheinung trägt zu ihrem Image bei. Sie sehen aus, als habe man sie „rückwärts durch eine Hecke gezogen” (Colin Irwin, engl. Journalist). Peggy Jordan, die sich anfangs um die Jungs kümmert, hat keinen leichten Job, sie pünktlich und hinreichend nüchtern zu irgendwelchen Terminen zu bringen. Das Aufmüpfige und Unangepasste, das Bekenntnis zum Spaß macht sie in den noch ziemlich verklemmten Sechzigern erfolgreich. Die Dubliners vertreten glaubwürdig die sympathischen Underdogs, werden ein Stück Gegen-Kultur, eine Art proletarischer Hippies.

Der irische „Balladen-Boom” kommt ihnen zugute.1965 beschließt man den Schritt ins Profilager. Der große Durchbruch beginnt aber erst 1967 mit Hilfe eines Piratensenders. Radio Caroline spielt Seven Drunken Nights zwischen den Beatles und Jimi Hendrix rauf und runter, so dass die Single plötzlich auf  Platz 5 der britischen Charts steht.

Das Lied von dem Mann, der sieben Mal betrunken nach Hause kommt, darf in Irland nicht vom staatlichen Radio gespielt werden, obwohl die Dubliners nur fünf völlig harmlose Strophen singen. Die Band ist aber auf einen Schlag international bekannt. In Amerika schaffen sie es (sieben Jahre nach den Clancy Brothers) in die Ed Sullivan – Show, müssen ihren Hit aber durch ein anderes Lied ersetzen. Auch The Black Velvet Band kommt in die Top 20.

Der Siegeszug geht in den Siebzigern weiter. Für die Band ist die Zeit „eine große Party”, wie Ronnie Drew später in einem Interview meint. Er steigt aus, um Soloprojekte zu verfolgen, kehrt aber 1979 zurück. Während seiner Abwesenheit vertritt ihn Jim McCann. Die erste große BRD-Tour organisiert Karsten Jahnke 1972.

1974 beginnt eine Reihe von Schicksalsschlägen, welche den Zusammenhalt aber offenbar festigen: Ciarán Bourke erleidet eine Hirnblutung und muss die Band verlassen. Luke Kelly bricht 1980 auf der Bühne zusammen, wonach bei ihm ein Hirntumor diagnostiziert wird. Zwar kehrte er zur Gruppe zurück, verstirbt aber 1984. Seinen Platz nimmt Sean Cannon ein.

1987, im Jahr des 25-jährigen Bestehens, nimmt man zusammen mit den Pogues noch einmal den Irish Rover auf und schafft wieder die Top Ten der Singles-Charts. Im gleichen Jahr tritt Eamonn Campbell ein, ein alter Bekannter der Band und gefragter Produzent. Paddy Reilly ist von 1996 bis 2005 dabei. Ein Triumph wird das Konzert zum 40-jährigen Jubiläum 2002 im Dubliner Gaiety Theatre. Die Dubliners haben sich mit ihrer Geradlinigkeit Respekt erworben. Sie schaffen es, mit ihrer Musik auch jüngere Leute zu erreichen.

Neuestes Mitglied ist Reillys Nachfolger Patsy Watchorn. Als Einziger betreibt er eine Homepage: www.patsywatchorn.com/ Dort gibt es neben Tourdaten ein recht umfangreiches Liederbuch.

Das Rezept für ihren jahrzehntelangen Erfolg? Ronnie Drew schien über diesen selbst verwundert zu sein. Ihm war klar, dass die Konzertbesucher nicht ständig Folk hören, aber wissen, dass sie einen Abend lang gut unterhalten werden. John Sheahan meint, es gebe keine festen Arrangements. Er spiele ein Stück nie zweimal völlig gleich und habe sich dadurch Frische erhalten. (Interviews auf der DVD „Dubliners – Live In Germany”, Pinorekk Records).

The DublinersInzwischen gab es bereits eine Dubliners-Tournee, an der kein einziges Gründungsmitglied mehr beteiligt war. Barney musste sich 2005 aus gesundheitlichen Gründen (durch den sehr kompetenten Gerry O’Connor) vertreten lassen, ist aber inzwischen wieder dabei.

Fünfzig Jahre nach der Gründung ist 2012 dann vielleicht der Status eines Fußballvereins erreicht: Name und Sportart sind geblieben; an die früheste Mannschaft erinnern nurmehr noch die gewonnenen Pokale.

Eine Fanseite in deutscher Sprache: www.dubliners.at/
Dort findet sich u.a. eine detaillierte Diskographie.

Ein ausführliches Portät stand 2002 in der Folkworld: www.folkworld.de/23/d/dublin.html

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  2. Die Clancy Brothers & Tommy Makem
  3. The Dubliners (1/2)(This post)
  4. The Dubliners (2/2)
  5. The Chieftains
  6. Planxty
  7. Moving Hearts
  8. The Horslips
  9. The Bothy Band

Über kuec

Zwei Dinge faszinieren mich an Folk-Musik besonders: die mündliche Überlieferung mit ihren verschlungenen Wegen und der Einblick in andere Lebenswelten aus der Perspektive der Betroffenen. Neben meiner Leidenschaft für live-Musik habe ich mich immer wieder mit den Hintergründen dieser „Kultur von unten“ beschäftigt. Ich bin mit gemeinsamem Musizieren aufgewachsen. Meine Instrumente sind Geige, akustische Gitarre und E-Bass. Gespielt habe ich in Orchestern, Folk-Gruppen und Oldie-Bands. In den Neunzigern habe ich Konzertberichte für eine südwestfälische Lokalzeitung verfasst und freue mich, dem Schreiben über Musik jetzt online nachgehen zu können. Hier bei celtic-rock.de pflege ich seit 2008 die Wissens-Abteilung. Schaut doch mal bei den classics oder in unserer Bücherecke vorbei. Und nicht vergessen: keep music live!

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