Luxuriöse Situationen oder: Wie man aus *’#* Gold macht – Ein Interview mit “In Search of a Rose”
von Tica
Viele Wege führen zum Ruhm – die einen führen über kleine Bühnen in organisierten Kneipen und Clubs, die anderen über die Bekehrung eines aufgeschlossenen Publikums mittels ungewöhnlicher Gigs. Wie der zweitere Weg zum Ruhm praktisch funktioniert, erklärte uns Rudi von „In Search of a Rose” in diesem Interview.
Rudi, wie seid Ihr zum Folk-Rock gekommen?
Ebl, Maze und ich kannten uns nur flüchtig. Wir spielten alle in kleinen Rockbands und wollten mal etwas zusammen machen. Aber es sollte eben nicht der klassische Rock werden, sondern etwas Frisches, Anderes. Bewaffnet mit der Pogues Vinyl “Red Roses for me”, Akkustik-Gitarren und einer alten Mandoline trafen wir uns und die Dinge nahmen ihren Lauf. Wir waren geradezu besessen von der Musik. Wir suchten uns weitere Musiker und probten wie die Verrückten, besuchten Konzerte der Pogues und Levellers oder spielten auf Parkplätzen vor Irish-Folk Festivals. Wir coverten viel von den Pogues, den Waterboys und den Levellers und versuchten uns an den traditionellen Jigs und Reels. Im Laufe der Jahre entwickelten wir so unseren eigenen Stil. Eben diese Mischung aus Irish-Folk, Rock, Punk und vielerlei anderer Einflüsse. Das ist bis heute so geblieben und das neue Album “Kind of Green” ist das beste Beispiel dafür.
Hattet Ihr zu Eurer Parkplatz-Gig-Zeit schon eine Fan-Gemeinde oder habt Ihr eher furchtlos gegen Rauswurfattacken frustrierter Parkwächter angespielt?
Nein. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir so gar keine Fans. Das kam erst später. Wir haben unplugged am Auto gespielt und als Schlagzeug diente ein Akkordeon-Koffer. Auf dem hat immer irgendeiner herumgedroschen und somit die Musik “verfeinert”. Frustrierte Parkwächter gab es nicht. Die Besucher der Festivals waren uns durchaus wohlgesonnen und nicht wenige blieben einen Augenblick stehen. Ich glaube aber eher, dass unser gesamter “Auftritt “ein Erlebnis war…. ist ja auch eher ein ungewöhnlicher Anblick. Eine Horde angetrunkener Jungspunde die auf einem Parkplatz dem Irish-Folk verfallen und auf Akkordeon-Kisten Schlagzeug spielen … da würde ich auch mal einen Blick riskieren.
Ich habe generell den Eindruck, dass Ihr sehr phantasievoll und einfallsreich seid, seitdem ich Euer Album „Kind of Green” gehört habe. Vor allem bei den Lyrics zu „I danced with John Travolta” kam mir sofort die Frage: Wie kommt man auf so einen Text?
Sänger Ebl hat irgendwann ohne großen Zusammenhang “I danced with John Travolta to the Irish Beat and Polka” in seiner Email geschrieben. Das hat Maze (großer Künstler im Bereich aus Sch..+’#e Gold machen) sofort aufgegriffen und einen entsprechenden Text verfasst.
In der ersten Strophe wird der Satz in die Saturday Night Fever /-/ Disko Zeit von J.Travolta versetzt, in der zweiten wird er in Pulp Fiction eingebaut und die dritte Strophe ist totale Fantasie und es geht um ein Erlebnis in London, wo man mit John Travolta gemeinsam bei einer Live Punk Karaoke Veranstaltung auftritt.
Wie kommt ihr generell auf die Ideen für Eure Texte? Man merkt ja, dass ihr Euch viele Gedanken um die Lyrics macht und ihr sowohl um den Inhalt als auch um dessen wortreiche
Ausschmückung bemüht seid.
Die Ideen für Texte oder Songs kommen direkt aus unserem bewegten Leben, sei es die Konfrontation mit der Einsamkeit wie bei Weak oder der Sehnsucht nach seinen Freunden (London Days und Rebel Town 3). Ein paar Songs sind wie beim Hip Hop üblich über uns selbst, wie Free Polka Jamboree oder Shamrocknoll.
Reilly Ramones ist selbstverständlich frei erfunden, wurde aber durch die Sant Patrizios inspiriert, eine Deserteurs-Truppe aus Iren, Schotten und Deutschen, die sich im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg lieber auf die Seite der Mexikaner schlugen, als für die Amerikaner zu töten.
Auf dem Cover ist ein Logo aus drei Kreisen in den Farben rot-weiß-grün zu sehen. Was bedeutet dieses Logo und wie hat es seinen Platz auf Eurem Artwork gefunden?
Wie hat Lemgo Euer Schaffen beeinflusst?
Wir nennen es “Irish Target”, eine Umgestaltung des aus dem ursprünglichen Royal Airforce Zeichen, später von der Modbewegung verwendeten blau-weiß-roten Target in den irischen Farben designt. Die Idee stammt von Maze und wir verkaufen dies bereits als Buttons und demnächst auch als T-Shirts. Unser Drummer trägt bereits einen Prototypen auf dem Cover. Das Irish Target soll den Musikstil von ISOAR bildlich darstellen -> British Hipsterstyle vs. Irish Traditional. Wir finden, dass es super zu uns passt und es hebt sich ab von den sonst in der Szene verwendeten Kleeblättern und Totenköpfen.
Ihr hebt Euch ja nicht nur vom Design her von anderen Bands der Szene ab, auch Euer Instrumententausch ist ziemlich ungewöhnlich und mittlerweile legendär. Gibt es manchmal Diskussionen, wer welches Instrument spielt oder ist Euch sofort klar, welches Instrument bei einem neuen Stück in wessen Händen landet?
Ja. Das ist sicherlich etwas ausergewöhnlich. Schon von Beginn an haben wir uns die Instrumente geteilt. Es gibt zwar ein paar “Schwerpunkte”, aber die sind nicht festgelegt. Diskussionen gibt es deswegen keine. Wenn wir einen Song erarbeiten, sind die Rollen relativ schnell und klar verteilt. Nur befinden wir uns in der luxuriösen Situation, auswählen zu können. Wir stellen uns oft die Frage: Welches Instrument passt zu dem Song? Spielst Du lieber Banjo, Mandoline oder vielleicht doch eine Harp? Brauchen wir eine zweite Gitarre? Wer singt und kann dazu sein Instrument spielen, müssen wir da evtl. etwas tauschen? Auf der Bühne ist das dann manchmal ein wenig verwirrend und umständlich, aber es hat seinen ganz eigenen Reiz und es macht Spaß nicht so festgelegt zu sein. Immer nur Jeans zu tragen ist ja auch langweilig
Bei Eurem Gig in Duisburg hat Euch der Akkordeonspieler von Larkin begleitet und eine uns unbekannte Dame hat ihr Bestes an den Tin-Whistles gegeben. Wer waren denn die Musiker und können Fans öfter mit ihnen auf der Bühne rechnen oder würden Gründe gegen die Verstärkung sprechen?
Der Akkordeonspieler heißt Söla und war auch u.a. Bassist bei Lack of Limits. Wir haben ihn beim “FiS 2007″ getroffen und eingeladen ein wenig mitzuspielen. Er spielt zwar nur relativ unregelmäßig mit, ist aber sicherlich eine Bereicherung. Die unbekannte Dame an der Tin Whistle heißt Mirjam und ist Mazen’s Frau. Hierbei handelt es sich lediglich um gelegentliche Gastauftritte. Die Beiden haben übrigens auch auf “Kind Of Green” mitgewirkt!
Grundsätzlich spricht nichts gegen eine Verstärkung. Seit Gründung der Band haben wir immer mal wieder das Line-Up verändert oder Gastmusiker eingebaut. Das ist immer spannend und sorgt für frischen Wind.
Wenn Du den Pogues einen Tipp für die Zukunft geben solltest – welcher wäre das?
Mmh, noch ein langes, beschwerdefreies Leben? Bin da manchmal etwas skeptisch…. die Herren sehen mittlerweile doch arg mitgenommen aus und den einen oder anderen hat es ja bekanntlich schon arg angefressen (s. Philip Chevron). Musikalisch? Bleibt wie ihr seid. Ich finde das gut so. Die Jungs spielen je nach Lust, Laune und Gesundheit ein paar Gigs in der ganzen Welt und verschonen uns mit unsinnigen Veröffentlichungen. Nur das Box-Set “Just Look Them Straight In The Eye…”, und da habe ich ja doch schon einmal gezuckt…
Und Eure eigene Zukunft? Wie sieht es da mit Touren aus?
Wir spielen in diesem Jahr noch verschiedene Konzerte und werden das Jahr in unserer Heimatstadt Lemgo mit einem Konzert beenden. Die Konzerte verlaufen sehr gut und die neuen Songs wie auch das Album “Kind of Green” werden sehr gut vom Publikum und der Presse angenommen. Für das nächste Jahr sind weitere Konzerte und Festivals unter dem Motto “Kind of Green” angedacht und die Planungen dafür fangen so langsam am. Eine ausgedehnte Tour wird es nicht geben. Wir sind einfach zu verstreut. Mittlerweile leben wir in Bath (England), Hamburg, Münster, Heidelberg und Osnabrück. Das macht die Planung nicht gerade einfacher. Aber, es hat auch seinen Reiz!
CDs oder Schallplatten?
Schallplatten. Ganz klar. Bei der guten alten Vinyl muss man sich auf eine ganz andere Art und Weise mit der Musik auseinander setzen. Man muss die Scheibe umständlich auspacken. Man muss sich überlegen ob man Seite A oder lieber Seite B hören möchte, muss sie auflegen und die Möglichkeit Songs einfach per Klick auf die Fernbedienung zu überspringen fällt weg. Man muss sich bewusst entscheiden und die Songs auch hören. Und zwar in der Reihenfolge, die einem der Künstler vorgibt. Es ist ein bewusstes Entscheiden und Hören. Außerdem ist das Artwork einfach schöner. CD’s oder MP3′s sind zwar sehr viel praktischer, aber der Umgang mit der Kunst ist oftmals sehr oberflächlich und respektlos. Aber so ist das heute wohl.
Gig oder Album?
Kann ich schlecht sagen. Wenn man ein Album aufnimmt, hat man oftmals viel Zeit. Man macht sich viele Gedanken über die Songs, über das Arrangement und die Instrumentierung. Über Aufnahmetechnik und Ausdruck. Man kann viel ausprobieren und überarbeiten. Man ist Tage, Wochen ja sogar Monatelang mit dem Thema beschäftigt und versuch bis hin zur Vermarktung das Optimalste herauszuholen. Sicherlich eine tolle, spannende und intensive Zeit. Bei einem Gig ist es ähnlich spannend und aufregend. Hier muss aber von der ersten Note an alles passen. Der Künstler muss in die Kürze des Songs oder des Sets alles reinpacken. Das Handwerk, den Ausdruck und die gesamte Perfomance. Schließlich schaut im besten Fall auch noch jemand zu. Es gibt keine Chance Fehler wieder gut zu machen. Und, man bekommt eine direkte Resonanz auf das Dargebotene und muss direkt darauf reagieren. Das macht den Reiz aus. Also am liebsten: Erst ein Album und dann einen Gig.
Guinness oder Whiskey?
Für mich ein Guinness bitte. Danke!


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