Acoustic Revolution
Shamrock Castle 2012

Irish Saturday Balve, 9808: „Welcome to the Balver Hooley“

von

Eingang Balver HöhleRund 18 Stunden Programm an drei Tagen – das ist nur für übernachtende Urlauber oder Einheimische zu schaffen. Balve liegt südlich von Iserlohn im märkischen Sauerland, eine knappe Autostunde von Hagen entfernt. Ich habe mich daher auf den Samstag beschränkt und bin durchaus auf meine Kosten gekommen.

Auch beim 7. Irish Folk hatte Sean Reeves, den viele von Five Alive O kennen, wieder ein spannendes und vielseitiges Programm auf die Beine gestellt. Das Festival ist so groß, dass man Gruppen von sonstwoher einfliegen kann, die es in Deutschland sonst nicht zu sehen gibt. Ich denke da an Flook im letzten Jahr.

Die Höhle war angenehm temperiert, was nicht immer so ist. Zur familienfreundlichen Anfangszeit 16 Uhr standen Fairy Dance auf der Bühne, die zu acht Frauen eine ziemlich professionelle Tanz-Show boten: irischer Stepptanz, athletisch und temperamentvoll. Sie waren mehrfach in den Umbaupausen zu sehen.
Auch für die Drei von Aroo gilt, dass sie über den Status des Lückenfüllers eigentlich hinaus sind, da sie jahrelange Erfahrung haben. Paddy, Vera und Andy spielten auf der Minibühne am hinteren Ende der Zuschauerreihen. Trotz der erzwungenermaßen kurzen Sets bewiesen sie Vielseitigkeit und gesangliche Stärke. Mit bewährten irischen Hits, aber auch einigen schottischen Songs zogen sie die Leute mit jedem Set mehr in ihren Bann.

Bessere Bedingungen auf der Hauptbühne hatten Wet Your Whistle. Allerdings war die Höhle wegen der frühen Stunde erst wenig gefüllt, wovon sich das Trio aber nicht irritieren ließ. Eigentlich stimmte alles, die Auswahl der Stücke, die Präsentation, die Arrangements. Chris und Nina beeindruckten mit ihrem Gesang (Black is the Colour, He Moved Through the Fair solo), Marc als herausragender Flötenspieler und Piper. Nett war auch das Bodhran – Duell, wobei das Instrument von Chris den Durchmesser eines Cafehaustisches hatte. Allmählich taute das Publikum auf und entließ die drei Ruhris nicht ohne Zugabe.

Mit Rig The Jig verdoppelte sich die Personenzahl auf der Bühne. Man fühlte sich, als sei aus Irland eine Pub-Session importiert worden. Ohne lange Vorrede ging es zügig zur Sache, Songs und Tunes wechselten ab, so dass jeder mal eine Verschnaufpause hatte. Optisch standen die beiden Frauen im Mittelpunkt, wobei es mich immer neidisch macht, wenn jemand ganz cool ein rasantes Mason’s Apron fiedeln und beim nächsten Stück auch noch toll singen kann. Rig the Jig wirkten locker und kamen mit ihrem amerikanischen Touch gut an. Es ging zwischen schnellen Tunes des Pipers, Blowing in the Wind oder Tennessee Waltz fröhlich hin und her. Die Mandoline swingte, die Rhythmusgitarre trieb an. Klar, dass mit Let It Be als letzter Nummer noch nicht Schluss sein konnte.

Die Entdeckung des Abends waren für mich Eitre: ein französischer Piper, ein All Ireland – Champion an der Flöte, dazu drei Schweden an den Saitenistrumenten. Alle Fünf absolut virtuos und als Band unglaublich „dicht”. Fasziniert hat mich die fünfsaitige Bass-Bouzouki, sehr effektvoll eingesetzt, ohne zu dominieren. Toller Gesang, Feeling, vertrackte Harmonien, druckvolle Einsätze – das ist die internationale Top-Klasse, in der Bands wie Lunasa anzutreffen sind. Die Fünf verließen sich voll auf ihre Musik, um zu überzeugen, lächelten allenfalls und zeigten eher subtil, dass sie Spaß hatten. Obwohl sie erst am gleichen Tag aus drei Ländern und nicht ohne Pannen angereist waren, ließen Eitre eine Menge Energie spüren. Mit ihren rasenden Reel-Sets packten sie die Leute, nachdem am Anfang des Sets technische Probleme die Stimmung etwas beeinträchtigt hatten.

Mit fortgeschrittener Zeit hatte sich die Höhle, die über 1000 Menschen fasst, gefüllt. Bisher war der „Rock” höchstens die felsige Decke der Höhle gewesen, aber gegen elf kamen Uisge Bheatha auf die Bühne. Die Jungs aus Kilkenny hatten bereits am kostenlosen Donnerstag das Festival eröffnet. Mit E-Bass und Whiskey in The Jar ging sofort die Post ab, die Aufforderung zum Mitklatschen wurde gern aufgegriffen. Wohl nicht umsonst nennt man sich gälisch „Wasser des Lebens”, wovon das Wort Whiskey abgeleitet ist. Die Band hatte sich noch durch einen Akkordeonisten und einen Banjospieler verstärkt, um mit vollem Sound loslegen zu können. „Welcome to the Balver Hooley” – in Irland ein anderes Wort für Ceili. Den Spruch des Frontmanns sollten sich die Veranstalter eintragen lassen. Die „Sause” ging sicher noch bis nach Mitternacht.

Fotostrecke Balver Höhle 2008

Über kuec

Zwei Dinge faszinieren mich an Folk-Musik besonders: die mündliche Überlieferung mit ihren verschlungenen Wegen und der Einblick in andere Lebenswelten aus der Perspektive der Betroffenen. Neben meiner Leidenschaft für live-Musik habe ich mich immer wieder mit den Hintergründen dieser „Kultur von unten“ beschäftigt. Ich bin mit gemeinsamem Musizieren aufgewachsen. Meine Instrumente sind Geige, akustische Gitarre und E-Bass. Gespielt habe ich in Orchestern, Folk-Gruppen und Oldie-Bands. In den Neunzigern habe ich Konzertberichte für eine südwestfälische Lokalzeitung verfasst und freue mich, dem Schreiben über Musik jetzt online nachgehen zu können. Hier bei celtic-rock.de pflege ich seit 2008 die Wissens-Abteilung. Schaut doch mal bei den classics oder in unserer Bücherecke vorbei. Und nicht vergessen: keep music live!

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Ein Kommentar
  1. Heidi sagt:

    Hallo küc, prima Artikel, wäre gerne dabeigewesen! Und Deine Seiten finde ich überhaupt sehr informativ und gut geschrieben.

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