Festival 2012
Festival 2012

4 Irish Folk Festival Volmarstein

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Auf der Burgruine über dem Ruhrtal wehte ab Freitag wieder die irische Fahne, meist vor blauem Himmel. Nach den heftigen Unwettern vor zwei Jahren stand einem erfolgreichen Festival diesmal nichts im Wege. Mit Cara und der Connemara Stone Company erlebten die Zuschauer am Freitag einen Auftakt nach Maß. Der mit Strohballen bestückte Rasenplatz vor der Burgruine war bereits  gut gefüllt, als Organisator Tom Brandt zur Eröffnung Cara ankündigte. „Heute Volmarstein, nächste Woche Memphis” – mit ihrem Gig verabschiedete sich die Gruppe vor ihrer zweiten US-Tour.

Cara spielen zwar Musik mit irischen Wurzeln und Instrumenten, aber nichts, was man von anderen so schon mal gehört hat. Ich weiß nicht, was mich mehr beeindruckt: die virtuos gespielten Instrumente oder die perfekt harmonierenden Stimmen der beiden Sängerinnen. Die Zwei haben ein Faible für Geschichten in Balladenform, die sie selbst vertonen, nicht ohne Sinn für Humor und Dramatik. Auch die Instrumentalstücke stammen häufig aus eigener Feder. Da kann schon mal ein bulgarischer Tanz im 10-Achtel-Takt herauskommen. Die Jigs und Reels mit Fiddle, Flöten, Gitarre und Bodhran, variantenreich und druckvoll gespielt, würden überall auf der Welt bei Irlandfreunden Eindruck machen. In den abwechslungsreichen Arrangements steckten mehr musikalische Ideen, als man beim Hören live überhaupt wahrnehmen konnte. Die Reaktion war freundlich, aber nicht euphorisch. Man  lächelte, fühlte sich wohl, genoss den Abend und war eher zu entspannt, um wild zu klatschen.

Die Connemara Stone Company verfolgte da ein etwas anderes, aber bestrickend einfaches Konzept: Party! Die seit 1995 bestehende Gruppe hatte in Volmarstein praktisch ein Heimspiel und legte eine klasse Vorstellung hin. Das solide Mittelfeld (Gesang, Schlagzeug, Bass) ergänzte sich bestens mit kreativen Kräften auf den beiden Flügeln: einem Multiinstrumentalisten an den Saiten links und einem Meister diverser Flöten rechts. Ein weiteres Schmankerl waren die Einlagen der beiden Gast-Piper. Wie man ein Publikum für sich gewinnt, weiß die CSC aus jahrelanger Erfahrung. Die „Boys from the Ruhr”, so die eigene Hymne, boten vertraute Hits, aber auch ruhigere Töne  und  trickreiche Instrumentalarrangements. Das Publikum ließ sich von den Strohballen reißen, rückte vor zur Bühne und machte mit. So ging es bald auf Mitternacht zu. Der Freitag mit den beiden ziemlich unterschiedlichen Highlights würde schwer zu toppen sein.

Am zweiten Festivaltag war das Burggelände ebenfalls gut besucht, wenn auch nicht überfüllt. Eher ruhig begann der Samstag mit Dobrze Trala aus dem Ruhrgebiet. Das Quartett konnte mit mehrstimmigem Gesang und geschickten Arrangements punkten. Ein souverän gespieltes Akkordeon, Whistle, Gitarre, Bouzouki und Percussion ergänzten sich auch bei den Tunes zu einem ausgewogenen Sound. Die von Clannad oder Planxty inspirierte Musik gefiel und passte zu einem sonnigen Nachmittag. D.T. haben es immerhin schon zur Vorgruppe der Oyster Band gebracht und werden sicher noch öfter auf sich aufmerksam machen.

Die Entscheidung, bretonische Folklore auf das Festival zu bringen, mag manchen verwundert haben,erweiterte das Spektrum aber erheblich. Der keltische Zipfel Frankreichs hat eine reiche Tradition zu bieten, auf die sich An Erminig seit 1975 spezialisiert haben. Das Trio aus dem Saarland brachte seltenere Klangfarben ins Spiel: Harfe, Dudelsack, Bombarde, Drehleier. Thema waren Lieder von der See, Shanties und Tänze, eine keltische Instrumentalsuite stellte die Verbindung nach Irland her. Das Mitsingen auf Französisch klappte noch nicht so gut,wenigstens waren zarte Ansätze eines An Dro – Tanzes vor der Bühne zu erleben.

Als nächstes betrat ein recht junges Trio aus Dublin die Bühne: Caoimhe Hogarty and Friends. Caoimhe ist eine ausgebildete Sängerin, die fest in der irischen Tradition verwurzelt ist. Mit Balladen wie Suil Aroon oder Donal Og konnte sie überzeugen. Caoimhe gab ihren Mitspielern an Gitarre und Bouzouki viel Raum für Instrumentalstücke. Die beiden harmonierten gut und holten eine Menge aus ihren Instrumenten heraus. An Können mangelte es also nicht, es fehlte ein wenig an Bühnenpräsenz, um das Publikum mitzuziehen. Um den heutigen Hörgewohnheiten und einem großen Rahmen gerecht zu werden, sollten die drei Nachwuchstalente ihren Sound verbreitern. Ich würde mich freuen, sie einmal mit einer „vollen” Band wiederzusehen.

Sehr routiniert dagegen die zweite „echte” irische Gruppe, Whiskey Still. Drei grauhaarige ältere Herren und eine erheblich jüngere Geigerin boten Folk-Entertainment nach bewährter Art, was der Stimmung einen deutlichen Schub gab. Viele Hits der Dubliners waren zu hören, darunter das unbegleitete Auld Triangle als Hommage an den kürzlich verstorbenen Ronnie Drew. Der Leadsänger klang ein wenig wie der irische Neffe von Elvis, etwa bei den Fields of Athenry. Für einen deutlichen Country – Einschlag sorgten ein gepflegt gezupfter Bass und das Five-String-Banjo. Bei Foggy Mountain Breakdown und anderen Tanzstücken füllte sich der Platz vor der Bühne, Armeschwenken und Mitsingen waren angesagt. Wie sollte da noch eine Steigerung kommen, fragte sich mancher.

In der letzten Umbaupause präsentierten die 1st SauerlandPipes and Drums eine eindrucksvolle Show. Mit Highland Pipes, Drums, perfekten Kostümen und exakter Choreographie boten sie auch was für’s Auge bzw. die vielen Kameras.

Die Cobblestones schafften es anschließend in kürzester Zeit, den Funken überspringen zu lassen. Mit viel Yee-ha und Bewegung auf der Bühne nahmen sie die alten Klassiker auf die Schippe. Die vier Flachkappenträger waren enorm gut aufeinander eingespielt, da wurden mal eben Instrumente getauscht, Soli und Harmonien stimmten, es kam keine Langeweile auf. Mit einem Kontrabass kann man wunderbar Blödsinn machen, ein paar Gags wie Waschbrett und Kazoo durften nicht fehlen. Lockerer Unernst und Können schließen sich ja nicht aus.

Das große Banner mit der goldenen Harfe und der vielfach geprobte Trinkspruch ‚Slainte’ überspielten, dass hinter der Performance weniger die Bierseligkeit als ein genau geplantes Gesamtkonzept steht. Nachdem sich in den Achtzigern die Punkrocker die irische Trinkliedertradition angeeignet hatten, holen die Cobblestones den keltischen Rock wieder zurück ins Akustische, ohne die Grundhaltung zu verändern. Die Berliner erwiesen sich jedenfalls als hervorragende Wahl für den späten Abend.

Gegen halb eins kam dann das große Finale: die Ruine war in farbiges Licht getaucht, die Pipes & Drums hatten sich noch einmal oberhalb des Geländes formiert und zogen im Fackelschein hinunter zur Bühne, um ein Gänsehaut erzeugendes Amazing Grace zu spielen. Zum Ausklang folgte noch eine große Session der Dudelsackspieler mit den anderen Künstlern.

Die Interessengemeinschaft Volmarsteiner Vereine mit ihren vielen ehrenamtlichen Kräften dürfte als Veranstalter zufrieden sein und ist hoffentlich gewillt, in zwei Jahren wieder eine Neuauflage zu starten!

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Über kuec

Zwei Dinge faszinieren mich an Folk-Musik besonders: die mündliche Überlieferung mit ihren verschlungenen Wegen und der Einblick in andere Lebenswelten aus der Perspektive der Betroffenen. Neben meiner Leidenschaft für live-Musik habe ich mich immer wieder mit den Hintergründen dieser „Kultur von unten“ beschäftigt. Ich bin mit gemeinsamem Musizieren aufgewachsen. Meine Instrumente sind Geige, akustische Gitarre und E-Bass. Gespielt habe ich in Orchestern, Folk-Gruppen und Oldie-Bands. In den Neunzigern habe ich Konzertberichte für eine südwestfälische Lokalzeitung verfasst und freue mich, dem Schreiben über Musik jetzt online nachgehen zu können. Hier bei celtic-rock.de pflege ich seit 2008 die Wissens-Abteilung. Schaut doch mal bei den classics oder in unserer Bücherecke vorbei. Und nicht vergessen: keep music live!

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Ein Kommentar
  1. daniels sagt:

    Dank kuec sind die Fotos jetzt komplett …

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