Festival 2012
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Joe Boyd ~ White Bicycles – making music in the 1960s

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Cover White Bicycles

Joe Boyd war häufig zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Er stand 1965 in Newport hinter der Bühne, während Bob Dylan erstmals elektrisch spielte und damit einen Skandal auslöste. Als Entdecker wichtiger Folk- und Rockgrößen machte er sich in England einen Namen. Boyds „White Bicycles” wird zu Recht von der internationalen Kritik hoch gelobt. Es gibt wohl kaum ein lohnenderes Musikbuch über die Sechziger Jahre.

Schon während seines Harvard-Studiums beschloss der 1941 in Boston geborene Boyd, Schallplatten-Produzent zu werden. Am Anfang stand ein selbst organisiertes Wohnzimmer-Konzert mit einem fast vergessenen Bluessänger. Als Tourmanager kam er mit legendären Blues- und Jazzmusikern erstmals nach Europa. Er muss schon in jungen Jahren ein gutes Ohr, viel Einfühlungs- und Urteilsvermögen, aber auch genug Selbstbewusstsein besessen haben.

Ein Wendepunkt war sein Einstieg in die Londoner Szene. Wie es war, einen angesagten Rockclub aufzuziehen oder mit Pink Floyd die erste Single aufzunehmen: Boyd war buchstäblich nüchtern genug, um alles mitzubekommen (keine schlechte Leistung unter den gegebenen Umständen).

Einiges lässt staunen, anderes ist desillusionierend, so wie das Verschwinden der namensgebenden weißen Fahrräder von Amsterdam, die als frei zugängliches, kollektives Eigentum gedacht waren. Alkohol, Drogen, Kommerz, Egoismus sorgten für ein Ende der idealistischen Hippie-Ära. Die Anekdoten sind teilweise haarsträubend und stützen die These, dass man Idole am besten aus der Distanz bewundert.

Für uns ist Joe Boyd als Geburtshelfer des Folk Rock interessant. Er produzierte 1969 das legendäre Album „Liege and Lief” mit Fairport Convention und Aufnahmen der Incredible String Band. Bewegend die Beschreibung des früh verstorbenen Sängers Nick Drake („Pink Moon”), der trotz seines großen Talents an sich selbst scheiterte.

Joe Boyd zeigt sich als präziser Beobachter. Seine eigene Person oder Beziehungen kommen kaum vor, im Mittelpunkt stehen die vielen Musiker/-innen, mit denen er arbeitete. Das Buch ist, abgesehen von der Menge der erwähnten Personen, locker zu lesen. Der Autor schafft es, mit wenigen Worten eine Situation auf den Punkt zu bringen und streut viele interessante Überlegungen ein. Er bedauert, dass man die schiere Energie einer kulturellen oder sozialen Bewegung nicht wie ein Musikstück konservieren könne.

Boyd lebt in London und leitete 20 Jahre sein Label Hannibal Records. Auch als Produzent von Filmen und Soundtracks (Deliverance, Clockwork Orange) tat er sich hervor.

Erschienen ist auch eine Audio-CD, die die wichtigsten im Buch erwähnten Titel enthält.

Taschenbuch: 304 Seiten

Verlag: Serpent’s Tail (2005)

Sprache: Englisch

ISBN-10: 1852429100

ISBN-13: 978-1852429102

2007 erschien eine deutsche Ausgabe von White Bicycles im Verlag Antje Kunstmann. Weitere Infos, z.B. die komplette Diskographie, gibt es unter www.joeboyd.co.uk .

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Über kuec

Zwei Dinge faszinieren mich an Folk-Musik besonders: die mündliche Überlieferung mit ihren verschlungenen Wegen und der Einblick in andere Lebenswelten aus der Perspektive der Betroffenen. Neben meiner Leidenschaft für live-Musik habe ich mich immer wieder mit den Hintergründen dieser „Kultur von unten“ beschäftigt. Ich bin mit gemeinsamem Musizieren aufgewachsen. Meine Instrumente sind Geige, akustische Gitarre und E-Bass. Gespielt habe ich in Orchestern, Folk-Gruppen und Oldie-Bands. In den Neunzigern habe ich Konzertberichte für eine südwestfälische Lokalzeitung verfasst und freue mich, dem Schreiben über Musik jetzt online nachgehen zu können. Hier bei celtic-rock.de pflege ich seit 2008 die Wissens-Abteilung. Schaut doch mal bei den classics oder in unserer Bücherecke vorbei. Und nicht vergessen: keep music live!

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