Clannad
von Tica
„Wer kennt sie nicht?” – Das ist eine Frage, die Generationen scheidet, wenn es um die in den 70ern und 80ern erfolgreiche Gruppe aus Irland geht. Und doch: Selbst die deutschen Teens und Twens unter uns haben eine gute Chance in den Genuss ihrer Klänge gekommen zu sein. Wenn auch eher unbewusst. Wie? Durch das Medium, das sie zum Erfolg geführt hat.
Denn in Zeiten, in denen das öffentlich-rechtliche Fernsehen noch etwas anderes als Krimis ausgestrahlt hat, wurde dann und wann die in den Achtzigern populäre Serie „Robin of Sherwood” wiederholt. Auf diese Weise wurde bis in die späten Neunziger einem größeren deutschen Publikum die beruhigende Musik nahe gebracht, die der Serie im New Age-Stil eine ganz besondere Atmosphäre verlieh. Auf den britischen Inseln waren sie jedoch schon viel eher bekannt, geschätzt und äußerst produktiv. Dabei begann ihre Karriere für die Geschwister Maire (sprich: Moya), Pol und Ciaran Brennan ganz klein im Pub ihres Vaters, der seine Gäste hin und wieder mit Liedern erfreute. Diese kleine Bühne nutzen die Kinder aus der äußerst musikalischen Familie immer häufiger für sich und bald performten sie zusammen mit ihren Zwillingsonkeln Padraig und Noel Duggan alles von den Beatles bis hin zu Irish Traditionals. Zunächst nannten sie sich „An Clann As Dobhar”, was soviel heißt wie „Familie aus Dore”.
Sehr bald zogen sie den Begriff allerdings zusammen und unter dem Namen Clannad (sprich: Clan-ed) versuchten sie sich 1970 an einem Talentwettbewerb in Letterkenny – nur zum Spaß, wie sie beteuern. Nie im Leben hätten sie damit gerechnet, zu gewinnen. Doch dieses Ereignis führte schließlich zu ihrem Entschluss, professionell mit ihren gälischen Liedern in das Musikbusiness einzusteigen. 1973 erschien ihr erstes Album „Clannad”, das besonders in Deutschland seine Liebhaber fand. Nach einer Reihe von weiteren Alben in den 1970ern war es zum ersten Mal das Fernsehen, das ihnen zu einer größeren Anhängerschaft verhalf. Mit dem gälischen „Theme from Harry’s Game” , das sie für einen dreiteiligen Fernsehthriller über Nordirland komponierten, gelangten sie 1982 in die Top 5 der UK-Charts und wurden für den BAFTA-Preis (British Academy of Film and Television Arts) nominiert. Das dazugehörige Album „Magical Ring” erschien 1983 und hielt sich für ganze sechs Monate in den UK Charts, obwohl die Gesangssprache ausschließlich Gälisch ist. 1984 erschien das Album „Legend” für die Serie „Robin of Sherwood” und erhielt Auszeichnungen wie den Ivor Novello (Englands Grammy) und den UK Gold Award. Zudem erhielt Clannad als erste irische Gruppe den BAFTA-Preis für die originellste Serienmusik. Auf diesem Album dominiert ein für heutige Hörverhältnisse ungewöhnlich warmer und weicher Synthesizer-Klang, der mitunter etwas fremd klingt. Für Ohren in den Achtizgern traf „Legend”, das erste komplett auf englisch aufgenommene Album, aber den Nerv der Zeit. Dadurch wurde nicht nur die BBC später nocheinmal auf die Gruppe aufmerksam und veranlasste die Band 1989 das Album „Atlantic Realm” zu produzieren, sondern auch weitere Musiker und Künstler zeigten sich begeistert von der Experimentierfreudigkeit der Band. So findet man auf dem mit elektronischen Arrangements gespickten Album „Macalla” von 1985 ein Duett mit Bono von U2: „In a Lifetime” war gleich zweimal, 1986 und 1989, in den Charts.
Anfang der Neunziger entschlossen sich Maire, Padraig und Noel dazu, aktiver in den Kompositionsprozess einzugreifen und das Songschreiben nicht mehr ausschließlich Ciaran zu überlassen. Mit dem Album „Anam” kam die Band 1990 wieder unter die Top 20 und wurde schließlich mit dem 1993er Album „Banba” poppiger. Banba, das ist ein romantisch-mystischer Name für Irland und diese Mischung zwischen der Verbundenheit zur Sprache ihres Zuhauses und der Welt des Pop überzeugte die Zuhörerschaft und damit schaffte es “Banba” in die Top 5 der UK-Charts. Überhaupt besinnte sich die Familienband nun wieder mehr auf ihre Wurzeln und betonte mit dem Album „Lore” (1996) besonders die gälischen Tracks. 1997 folgte das Album „Landmarks”, das von einem Mix zwischen Irish Folk und New-Age Musik geprägt ist und einen Grammy erhielt. Danach wurde es sehr ruhig um Clannad und die einzelnen Mitglieder der Band kümmerten sich nun vor allem um ihre Solo-Projekte, wie es Pol, der Anfang der Neunziger die Band verlassen hatte, schon seit geraumer Zeit tat.

Foto: Palladium London 2007, Quelle: en.wikipedia.org
Erst 2003 trafen sich Clannad teilweise wieder, um die Alben „Macalla”, „Sirius”, „Magical Ring” und „Legend zu Master”, zu re-mastern, als auch ein neues Best-of Album mit dem Titel „In a Lifetime” zusammenzustellen. 2005 erschien „Live in Concert” und Anfang 2008 wird die erste UK-Tour in zehn Jahren angekündigt. Wie die Zukunft der Band aussieht, bleibt im Dunkeln – wer auf ein neues Album wartet, sei sowohl auf die Soloprojekte von Maire, die im November 2008 tourt, ihrer Schwester Enya und Pol vertröstet. Für die Gegenwart kann man jedoch festhalten, dass die von der rauen Schönheit Irlands und dem Konflikt zwischen Nordirland und Irland beeinflusste Musik eine ungeheuere Stilflexibilität aufweist, die von Folk über New Age und Ethno bis hin zu Weltmusik reicht und nicht nur in Film und Fernsehen viele Menschen fasziniert hat.
Alben:
1973 Clannad
1975 Clannad 2
1977 Dulaman
1978 Clannad in Concert
1978 Ring of Gold
1980 Crann Ull
1980 Fuiam
1982 Magical Ring
1984 Legend
1985 Macalla
1988 Sirius
1989 Angel and the Soldier Boy
1989 PastPresent
1989 Atlantic Realm
1991 Anam
1993 Banba
1996 Lore
1997 Landmarks
2005 Live in Concert
Collections:
1990 The Collection
1995 Themes
1997 Rogha: The Best of Clannad
1997 Clannad: The Ultimate Collection
1997 The Very Best of Clannad
2003 In A Lifetime
Videos:
1989 PastPresent
Filmmusik u.a. zu:
Harry’s Game, Robin of Sherwood, Atlantic Realm, The Angel and the Soldier Boy, Last of the Mohicans, Into the West, The Dolphin Connection, Message in a Bottle
Weitere Artikel in dieser Serie:
- Clannad(This post) (11. Mai 2008)
- Die Clancy Brothers & Tommy Makem (13. August 2008)
- The Dubliners (1/2) (13. September 2008)
- The Dubliners (2/2) (16. September 2008)
- The Chieftains (28. Oktober 2008)
- Planxty (4. August 2009)
- Moving Hearts (31. August 2009)
- The Horslips (12. November 2009)
- The Bothy Band (31. Juli 2010)


Mai 2012:
April 2012:
März 2012:













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