An American St Patrick’s ABC
von Tica
St.Patrick’s Day, der irische Feiertag schlechthin, sollte 2008 eigentlich schon am 15. März stattfinden. So wollte es zumindest der Vatikan, dem das ausgelassene Feiern des irischen Nationalheiligen ein Dorn im Auge war angesichts der Karwoche.
Ob nun am 15. oder am 17. März gefeiert wird – hier folgt ein kleines ABC zum grünen Fest.
Amerika: „The Irish” war eine der ersten Bevölkerungsgruppen auf dem neuen Kontinent und brachten ihre Kultur gleich mit. Noch heute wissen viele von ihrer irischen Abstammung und kultivieren sie in Clubs, die die Sprache und die Musik der grünen Insel pflegen. Dementsprechend intensiv wird dort der St.Patrick’s Day gefeiert: Nicht nur werden in großen Städten der USA und Kanadas die St. Patrick’s Day-Fahnen herausgehängt und große Paraden abgehalten, Konzerte und Parties in Irish Pubs veranstaltet. Auch das Outfit beim Kaffeekränzen mit grünem Kuchen und grünem Guinness muss stimmen.
Boston: Alten Aufzeichnungen zufolge wurde dort 1779 der erste St.Patrick’s Day in Amerika gefeiert.
Christentum: Ein Mönch aus einem französischen Kloster hatte den Traum, nach Irland zurückzukehren – weil er „ the voice of the Irish” hörte, die ihn zurückrief, um das Christentum zu verbreiten. Nachdem er vierzehn Jahre in einem Kloster eifrig gelernt hatte, wurde er zum Bischof berufen, der Papst sandte ihn 432 endlich nach Irland zurück – und nannte ihn „Patrick”.
Druiden: St. Patrick störte sich am Polytheismus der Iren, die viele Geister und Götter anbeteten und deren Priester, die Druiden, die sich als Magier verstanden.
England: St. Patrick wurde etwa in England, nicht in Irland geboren – wahrscheinlich in der Nähe des Severn River. Man nimmt an, dass er im Jahr 389 als der Sohn christlicher Eltern auf die Welt kam.
Folter: Als St. Patrick in Irland missionieren wollte, waren die Druiden wenig begeistert und versuchten ihn zu steinigen.
Götzenbild: Eine der St.Patrick’s Legenden lautet: Um die Iren von der Macht seines Gottes zu beeindrucken, betete er zunächst und berührte dann ein Götzenbild mit einem Stock, worauf das Bild in Staub zerfiel.
Hass: Wann immer die Zeiten schlechter wurden, wuchs in der Vergangenheit auch der Hass auf die katholischen Iren in Amerika, die der Meinung waren, die vielen irischen Einwanderer stählen ihnen die Jobs – diejenigen Arbeiten, welche die restlichen Amerikaner nicht tun wollten, sobald es der Wirtschaft besser ging.
Iren: Zwischen 1820 und 1920 wanderten zwischen 33.000.000 Iren nach Amerika ein – auch bedingt durch die große Kartoffelfäule, die in Irland viele Todesopfer forderte.
Jobs: Meistens waren die Iren in Amerika begehrte Arbeiter, die im Straßen- und Schienenbau eine maßgebliche Rolle spielten, aber auch in den Fabriken und der Landrodung.
Kleeblätter: Das „echte” irische Kleeblatt hat drei Blätter und nicht vier, wie viele irrtümlich meinen. St. Patrick versuchte anhand des Kleeblatts den heidnischen Iren die Dreifaltigkeit Gottes zu erklären und deswegen steht das zarte Grün eigentlich für das Kreuz. Wieso verwechseln viele das dreiblättrige mit dem vierblättrigen Kleeblatt? Daran könnte die Redensart „The luck of the Irish.” mit verantwortlich sein, die zu einer Verwechselung des irischen Symbols mit dem Glückssymbol geführt haben könnte, vielleicht in Kombination mit dem Kobold. Viele Millionen echter Kleeblätter werden übrigens jedes Jahr zu St. Patrick’s Day von Irland nach Amerika eingeflogen.
Luck of the Irish: Sprichwörtliches Glück der Iren – nicht zu verwechseln mit Happiness.
Monarch: Der König der Iren war von St.Patrick’s Glauben und Mut so beeindruckt, dass er ihn unter seinen Schutz stellte.
New York: Hier findet die größte St.Patrick’s Day-Parade in Amerika statt. Durchschnittlich 150 000 Teilnehmer nehmen aktiv daran teil, wenn sich der Umzug von der St.Patrick’s Cathedral über die Fifth Avenue bewegt. Etwa eine Million Zuschauer werden jedes Jahr erwartet.
Outfit: Guinness-Hüte und T-shirts; grüne Kleidung, z.B. T-Shirts mit „Kiss me, I’m Irish” oder „I’m not Irish, but hug me anyway”, grünen Pixies, Kleeblättern, Goldkesseln, Regenbögen. Grüne Ketten mit grünen Schnapsgläsern dran, Abziehtattoos mit den gängigen irischen Motiven. Make-up: Wahlweise grün oder grün-weiß-rot.
Piraten: Als St.Patrick sechzehn Jahre alt war, beraubten irische Piraten in der Nähe seines Zuhauses Menschen all ihres Goldes und Silbers und entführten viele junge, starke Menschen nach Irland, um sie als Sklaven zu verkaufen – so wurde auch Patrick verschleppt. Patrick wurde an einen druidischen Priester verkauft, bei dem er sechs Jahre lang Schweine hüten musste. Dort lernte er die Sprache und die Sitten der Iren und begann sie zu mögen. Später, nach erfolgreicher Flucht, kehrte er zu seinem Meister zurück und kaufte sich frei. Er wurde gut behandelt und taufte ihn und seine Familie schließlich.
Quote: Da der Kongress der Meinung war, es hielten sich zu viele irische Einwanderer in Amerika auf, wurde eine Einwanderungsquote festgesetzt.
River: Die Flüsse in großen irischen Städten Amerikas, wie z.B. Chicago, werden zu St. Patrick’s Day grün eingefärbt.
Schiff: Eine alte Legende besagt, dass St. Patrick einen Traum hatte, der ihm zur Flucht von seinem Sklavenhalter bewegte. Er soll die Worte: „Sieh, ein Schiff wartet auf Dich!” gehört haben. Er wusste zwar nicht, wo sich das Schiff befinden sollte, doch erfolgreich versuchte er daraufhin seinem Meister zu entkommen. Er lief zweihundert Meilen bis zum Meer und fand ein Schiff vor, das fertig zum Ablegen war. Der Kapitän, der eine Ladung irische Wolfshünde nach Frankreich bringen sollte, nahm ihn mit. Auf dem europäischen Festland angekommen, verlief St. Patrick sich jedoch in einer Wüste. Nach drei Wochen ging ihm das Essen aus – er kniete nieder und betete um etwas zu Essen – woraufhin eine Herde Schweine vorbeigelaufen kam. Er jagte erfolgreich, aß sich satt und kam daraufhin an ein Kloster, in dem er mehrere Jahre blieb.
Todestag: Der 17. März ist der Todestag des Heiligen, nicht der Geburtstag. Es wird erzählt, dass er im Jahr 461 starb und Tausende von überall aus Irland zu seiner Beerdigung kamen, viele mit hellen Fackeln – es waren so viele Fackeln, dass der Himmel sogar nachts taghell erschien und es für zwölf Tage nicht mehr dunkel wurde.
Unterricht: St. Patrick gründete 365 Kirchen – jede mit einer Schule.
Vier: Nicht nur die Anzahl der Blätter des Glücksklees (und damit nicht das irische Kleeblatt), sondern auch eine Zahl, die die Iren betrifft: Heute leben nämlich vier mal mehr Iren in den USA als in Irland. Die meisten davon in New York. Die anderen großen „irischen” Städte sind: Boston, Philadelphia, Chicago und Detroit.
Werbung: Auch im Fernsehen versucht man die Iren als Kundschaft zu gewinnen – und veranstaltet St.Patrick’s Day – Sales mit für europäische Verhältnisse geradezu gigantischen Rabatten. Alles wird natürlich schön mit irischer Folklore untermalt – und mit Kleeblättern verziert. Ob es nun Möbel sind, oder Autos.
X: Römisch zehn. Christliche Priester wie St. Patrick führten vermutlich die römischen Zahlen in Irland ein – bis sie schließlich, um die Zeit der Kreuzzüge herum, von arabischen Ziffern abgelöst wurden.
You’re not Irish: Macht nichts! Nicht an St. Patrick’s Day! Denn es gibt in Amerika den Spruch: „Everyone’s Irish on St. Patrick’s Day.” – Also: Grün anziehen, Glas schnappen und Guinness trinken und irisch sein!
Zerbrochene Trommel: Eine andere Legende: Es wird erzählt, St. Patrick habe alle Schlangen aus Irland vertrieben, vor allem die Giftschlagen, welche sich die Druiden in ihren Bergtempel hielten. St. Patrick nahm dazu eine große Trommel und schlug darauf so lange, bis die Schlangen ins Meer krochen. Allerdings zerbrach das Fell der Trommel, bevor alle Schlangen im Meer ertranken. Daraufhin kam ein Engel und reparierte das Fell, so dass St. Patrick das ganze Land von Schlangen befreien konnte.

Mai 2012:
April 2012:
März 2012:













viele grüße zurück über “the great big sea”. Feier nicht so heftig
Wonach schmeckt denn nun das grün gefärbte Bier?
Kommt drauf an, ob man mit Waldmeisterwackelpudding färbt oder geschmacklose Mittel verwendet…
Also eigentlich sollte es ganz einfach nur nach Guinness schmecken, aber ich weiß nicht, auf was für Ideen die beim Feiern noch kommen.
2006 am paddys in boston gewesen. nicht sehr spektakulär !
gullydeckel in irischen nationalfarben ! die pubs gnadenlos überfüllt ! kein grünes bier getrunken ! nix vom grünen fluß gesehen ! und die amis außer rand und band !!
Das Guinness scheint noch schwarz zu sein:
@ Daniels: WIE GEIL IS DENN DAS VIDEO!!!
@ Wolfgang: Das ist verständlich – mir sind einige Sitten (und wie begeistert die Amerikaner darüber sind) auch manchmal ein Rätsel. Vieles einer Kultur versteht man eben erst, wenn man dort aufgewachsen ist. Ich war in Torronto auf einem Umzug und fand es einfach interessant, das zu beobachten. Vor allem fand ich aber interessant, wie schnell die Leute danach in ihren Autos waren und damit zum Pub fuhren