Shamrock Castle 2012
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30 Silberstücke ist es Wert ~ Über das neue Album und das Leben neben der Musik

von

Totenkopf Mr. Irish Bastard irisch gefärbtInterview mit Chris und der Band Mr. Irish Bastard

am 7.3.08 im Hamburger Headcrash
im Rahmen der Flogging Molly Release Party

Was heisst „Triocha Piosa D Airgead Geal” und wie entstand das Intro des Albums?

Der Titel des Intros ist gälisch und bedeutet übersetzt „30 Silberstücke”. Unsere Freunde aus Irland haben alles eingespielt. Nein, es ist zwar von Hand gespielt worden aber mit einem Midikeyboard aber dafür in Echtzeit.

Wofür steht „The Bastard Brotherhood”?

Wir sind alle keine 20 mehr und spielen in der Band mit sehr großer Leidenschaft und hängen wahnsinnig viel im Bus zusammen. Wenn man als Band tausende Kilometer zusammen reist und 50-60 Konzerte zusammen im Jahr spielt, schweißt das es entweder zusammen, oder es sprengt die Gruppe. Das, was wir machen, verbindet uns sehr stark.
Auch die Fans verstehen etwas sehr Wichtiges für ihr Leben darunter. Diese Verbundenheit innerhalb der Band als auch zu den Fans ist zu so einer Art Brüderschaft geworden, wie z.B. die fünf Fans, die sich sogar MIB Tattoos haben stechen lassen oder ein Teil des Flogging Molly Fanclubs, die oft zu unseren Konzerten mitkommen. Um dies zu würdigen haben wir das Album so benannt.

Wie schafft man es, über 50 Konzerte im Jahr zu spielen und noch einen Beruf auszuüben?

Mr. Irish Bastard in HamburgWir leben und arbeiten für die Musik und versuchen es immer irgendwie möglich zu machen, Konzerte auch unter der Woche spielen zu können. Die meisten Leute in unserem Alter ziehen sich auf dem Sofa Abends zurück gucken Fernsehen und werden dick – und wir dagegen werden auf Tour dick 8-)

Wo habt ihr das neue Album aufgenommen?

Bei einem Freund, der hat ein Tonstudio namens „Notaufnahme”. Dort wurde alles aufgenommen, gemischt wurde es dann aber woanders. Der Prozess hat aus verschiedenen Gründen sehr lange gedauert: Wir haben viel zu tun, wir sind viel unterwegs und wir waren nie alle gleichzeitig im Studio. Manche Songs sind sogar während des Aufnehmens entstanden. Es war alles etwas chaotisch.

Wie war der Aufnahmeprozess?

Im Prinzip wie so die einzelnen Musiker Zeit hatten. Einen Produzenten in diesem Sinne gab es nicht. Auch ich als Songwriter habe mich lieber positiv überraschen lassen, was die Jungs und das Mädel so zu den jeweiligen Songs beisteuern.

Wie kommt man auf die ungewöhnliche Idee, Sisters of Mercy, The Cure oder Ricky Martin als Irish Folkpunk Band zu covern?

Bis auf Ricky Martin sind diese Bands sozusagen „Helden der Jugend”. Die „La Vida Loca” Idee stammt aus dem Film “Shrek”. Wir haben es uns schon gedacht, denn die meiste Kritik bekommen wir genau für diesen Song, von „ich find’s total Scheiße” bis hin zu „großartig”. Aber wir wollen die Leute auch überraschen.

Glaubt ihr, dass ihr euch gerade so von anderen Bands des Genres abheben könnt?

Also wir gucken jetzt nicht genau, dass wir irgendwas anders machen müssen, als andere Bands. Wir machen vieles aus dem Bauch heraus, denn ich glaube, dass wir ein gutes Gespür dafür haben, was jetzt gut ist und was nicht. Speziell jetzt mit dem neuen Album haben wir mit Sicherheit ein eigenes Statement abgeliefert. Für mich hat es einen eigenen Charakter und klingt nicht so wie viele andere Bands des Genres. Das war aber auch kein Programm – jetzt machen wir was anderes, sondern es kam ganz organisch. Wir hatten gar nicht die Zeit, so viel über das alles nachzudenken und das nächste Album kann schon wieder ganz anders werden.

Wovon handeln eure Songs?

Im Vergleich zu der EP ist die Themenbreite weiter gefasst. Das war uns auch als Band wichtig.
Wir wollen Aussagen treffen, die über „Kannst du mir mal ein Guinness holen” hinaus gehen.
Dennoch handeln die Songs von beiden Scheiben von persönlichen Erlebnissen und die eigene Sichtweisen. Ein Album ist immer eine persönliche Sache.

Was bedeutet irische Musik für euch?

Im Pub am Samstag Abend steht ja meistens ein Alleinunterhalter mit Keyboard, Drum-Maschine und einer Gitarre in der Ecke und singt amerikanische Popsongs oder Oldies. Traditionelle Musik wird ja nicht unbedingt gepflegt, so wie ich das in Dublin erlebt habe. Man trinkt auch nicht zwangsläufig Guinness.
Es gibt zwar vieles was bewahrt werden sollte, speziell die Art, wie die Pogues mit der traditionellen irischen Musik umgehen, aber in Bayern würde ich auch nicht unbedingt Blasmusik machen. Es ist auch schwierig zu erklären, was jetzt irische Musik ist.

Hört ihr privat traditionelle irische Musik?

Nein, nicht unbedingt, also wenn dann Luke Kelly oder die Dubliners. Aber ich komme auch aus der Punk-Ecke und finde keinen Zugang zu Enya beispielsweise.
Der eine oder andere hört auch andere Bands des Genres und an den Pogues kommt sowieso keiner vorbei aber so richtig traditionelle Musik höre ich nicht. Die Pogues sind ja auch nicht das Ende der Musik sondern eben erst der Anfang. Insofern gibt es eben auch neben den Pogues genug Platz für Bands, insbesondere, da die Pogues ja nur noch eine Showband sind. Dennoch war das Konzert 2005 in Dublin die Initialzündung, Mr. Irish Bastard zu gründen. Es war im Prinzip Schicksal. Ich musste die Band gründen und dann habe ich alte Bekannte zusammengetrommelt und es ging dann alles ganz schnell und ich denke wir haben so einiges richtig gemacht in den letzten Jahren.

Was kann ein Besucher auf euren Konzerten erwarten? Spielt ihr Songanfragen aus dem Publikum?

Also unser Repertoire ist zu beschränkt um komplett auf alle Wünsche des Publikums eingehen zu können, aber ein paar Traditionals spielen wir gelegentlich schon, wie z.B. Dirty Old Town. Das macht ja auch Spaß.
Meist spielen wir aber die Lieder, die wir auch veröffentlicht haben, also unsere eigenen Songs. Für ein Wunschkonzert beherrschen wir nicht genug Material. Aber man bekommt eine Portion Leidenschaft um die Ohren. Und wenn der Sound gut ist, werden sie mit Schweiß gebadet und haben eine Menge Spaß.

Wie würdet Ihr Eure Zielgruppe beschreiben?

Also unsere Zielgruppe ist ähnlich derer von Flogging Molly oder Fiddler’s Green, auch wenn die sich noch mal total voneinander unterscheiden. Aber es gibt immer Überschneidungen.

Wie feiert ihr St. Patrick’s Day dieses Jahr?

Wir haben kein Konzert, also werden wir uns alle eine Email schicken mit „Happy St. Patricks Day, Du, A..!” Wir sind eher froh, dass wir dann mal zu Hause sind und müssen keine Fahne hissen und ein Fass leer trinken. Also dieses Jahr fällt St. Patricks Day äußerst unspektakulär aus.

Über Marcel

Shamrocknroll, FC St. Pauli, In Search Of A Rose

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